Die Borussia lebt noch

Von: Heribert Förster
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Geht da noch etwas? Zumindest wirkt Vorbereiter Mike Hanke wild entschlossen. Foto: Johannes Kruck

Mönchengladbach. Borussia Mönchengladbach gewann in der Fußball-Bundesliga das rheinische Derby gegen den 1. FC Köln am Sonntag vor 53104 Zuschauern verdient mit 5:1 (3:0). Juan Arango (29.), Marco Reus (34. und 39.), Filip Daems (65./Handelfmeter) und Harvard Nordtveit (67.) erzielten die Treffer für die überzeugenden Gastgeber. Für die enttäuschenden Gäste traf nur Milivoje Novakovic (50.).

Natürlich sollte man nicht so nüchtern über dieses so emotionale Derby berichten, doch aus Mönchengladbacher Sicht ist dies zwingend notwendig. Zu oft, ja, fast immer, schafften es die Borussen in dieser Saison, das zarte Pflänzchen Hoffnung bei den Fans nach einem Sieg zu knicken. Und so schön der satte Triumph ist, so ansprechend die Leistung über weite Strecken war: Die fünf Tore gegen Köln sind (fast) nichts wert, wenn nicht am Freitag auch bei Mainz 05 erstmals in dieser Saison auf einen Sieg der nächste folgt.

Der Satz, „wir haben nach wie vor eine gute Ausgangsposition”, den durfte unwidersprochen nur Frank Schaefer äußern, der halbwegs gute Miene zum schlechten Spiel des FC machte. „Es war ganz bitter, ganz schwer, ein ganz grausamer Tag”, bilanzierte der Trainer, der schon nach dem 0:1 wusste, dass dies kein Tag für ein feines Kölner Kapitel in der Derby-Geschichte werden würde. Schaefer ist eben ein echter Kölner, er weiß, was dieses Derby den Fans bedeutet. Und die zeigten den mit Abstand besten Kölner Angriff des Tages, als sie die Aufforderung der Borussen-Fans blitzsauber konterten. „Ihr könnt nach Hause fahr´n”, sangen die (endlich einmal) glückseligen Borussen-Anhänger, „ihr könnt nach Aue fahr´n”, erwiderte die Südkurve.

Was in der rauen Gladbacher Realität immer noch wahrscheinlicher ist als Gastspiele anno 2011/12 in Schalke, Dortmund oder Freiburg. Borussias Busfahrer hätte die Route ins Erzgebirge schon im Navigationsgerät programmieren können, hätte es nicht zum Dreier gelangt. „Es war sehr, sehr wichtig zu gewinnen”, sagte ein „extrem zufriedener” Trainer Lucien Favre, und Mike Hanke sprach das aus, was zuvor noch alle Borussen verneint hatten. „Es war unsere letzte Chance.”

Genutzt hat die Borussia diese auch dank Marc-Andr ter Stegen. Der 18-Jährige stand erstmals im Tor, nicht weil sich Logan Bailly im Abschlusstraining am Ellbogen verletzt hatte. „Die Entscheidung ist vor dem Training gefallen”, erklärte Favre, der mit Hanke und Mo Idrissou erstmals in seiner Amtszeit zwei Stürmer aufbot.

Bis zum 1:0 tat sich die Borussia schwer gegen die 29 Minuten kompakt stehenden Kölner, doch dann trat dreimal Hanke in Aktion. Erst verlängerte er - wie einstudiert - Reus´ Kopfball zum freistehenden Arango, dann lenkte er Martin Stranzls Pass direkt in den Lauf von Reus, und zu guterletzt legte er per Kopf auf Gladbachs Doppeltorschützen auf, der mit einem Schuss Marke „Tor des Monats” traf.

Nach dem Anschlusstreffer in ganz schwachen 15 Mönchengladbacher Minuten, als das Spiel auf der Kippe stand, sorgten Daems nach Christian Eichners unglücklichem Handspiel und Nordtveit, der ein „Sonnenbad” von Youssef Mohamad und Martin Lanig nutzte, für den Kantersieg. „Drei Tore hab´ ich schon mal gemacht”, sagte Hanke, „drei Assists aber noch nicht.”

Und dann gab es noch ein Stürmer-Lob für ter Stegen. „So einen brauchen wir”, urteilte er über den Torwart, der einmal bravourös gegen Lukas Podolski klärte, einen abgeklärten Eindruck hinterließ und Sicherheit ausstrahlte. Sagen durfte er nichts, verständlicherweise schotteten die Borussen die neue Nr. 1 ab. So blieb es bei fünf Buchstaben, die ter Stegen anfordern durfte - bei der H-u-m-b-a mit den Fans in der Nordkurve.
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