Die Borussen greifen nach einem Titel

Von: Heribert Förster
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Ein Tor zum Zungeschnalzen: Mike Hanke schlenzt den Ball nach seinem doppelten Doppelpass mit Patrick Herrmann und Juan Arango an Torhüter Lars Unnerstall vorbei zum 2:0 ins Foto: imago/Sven Simon/Kruck

Mönchengladbach. Dante Bonfim Costa Santos ist immer bestens gelaunt, eine wahre Frohnatur. Und jetzt steht er eine Stunde nach dem furiosen, teilweise wunderschön herausgespielten 3:0-Sieg von Borussia Mönchengladbach gegen Schalke 04 in den Katakomben des Borussia-Parks.

Und man wird das Gefühl nicht los: Gleich muss der Brasilianer losprusten, weil er seine Worte selbst nicht glauben mag. „Wir müssen von Spiel zu Spiel denken”, sagt er breit grinsend...

Natürlich werden sie in Mönchengladbach intern schon längst neue Ziele ansteuern, doch für die Öffentlichkeit bleibt es beim Tiefstapeln. Dieses „Wir-denken-nur-von-Spiel-zu-Spiel” wird am Ende der Saison vielleicht zur Floskel des Jahres ernannt, nominiert werden sämtliche Gladbacher Fußballer und Verantwortliche.

Und wahrscheinlich wird jede Woche ausgelost, wer wann welchen Zusatz zum Besten geben soll. Am Samstag war Marco Reus zuständig für den Hinweis: „Wir sind noch keine Spitzenmannschaft”, Roman Neustädter durfte sagen: „Wir müssen noch viel lernen.”

Die Partie gegen hoffnungslos überforderte und hoffnungslos unterlegene Schalker war kein Bewerbungsvideo für Verbesserungsvorschläge. Und um nicht total unglaubwürdig zu werden, rafften sich die Spieler immerhin auf, sich mal selbst zu loben. „Die erste Halbzeit war überragend, da hat alles geklappt”, urteilte Neustädter. „Wir haben ein Riesenspiel gemacht, das war auf jeden Fall beeindruckend”, fand Mike Hanke, und Reus sagte simpel: „Es war ein ausgezeichnetes Spiel von uns.”

Noch mehr Selbstvertrauen

Wie wahr! Und die Partie war schnell entschieden, denn die Taktik von Lucien Favre ging - wieder einmal - perfekt auf. „Wir wollten mehr Risiko beim Pressing”, sagte der Schweizer, und nach noch nicht einmal zwei absolvierten Minuten gab es den ersten Lohn. Patrick Herrmann sah den freistehenden Reus, der die nur körperlich anwesenden Schalker im Strafraum locker umkurvte und per Flachschuss traf.

„Das hat Selbstvertrauen gegeben”, sagte Favre, so, als ob seine Mannschaft das nötig gehabt hätte. Sie wirbelten und zauberten, dass die Fans ihre Texte bei den Jubelgesängen änderten. Wurde zunächst zur Melodie von „Que Sera, Sera” noch „Deutscher Meister im nächsten Jahr” gesungen, artikulierten die Glückseligen nach dem unglaublich schön herausgespielten Treffer von Hanke zum 2:0 (15.) schon ihre Träume vom Double in dieser Saison.

Ein Tor des Monats

Dieser Treffer muss einfach, auch wenn er im finalen Stadium nicht mit einem Fallrückzieher oder einem satten 30-Meter-Schuss in den Winkel mithalten kann, in die engere Wahl zum Tor des Monats kommen. Wie sich Hanke, Herrmann und Juan Arango mit Doppelpässen im Strafraum der Schalker den Weg freispielten, war vom Allerfeinsten.

Und als Arango mit einem feinen Freistoß auch noch das 3:0 erzielt hatte (32.), war die Partie gelaufen. In der zweiten Halbzeit kontrollierte die Borussia das Geschehen nach Belieben, gestattete den Schalkern ein bisschen mehr Ballbesitz und spielte doch so frustrierend gut für die Gäste, dass diese irgendwann die Gegenwehr einstellten.

Nur zur Erinnerung: Borussias Gegner war Schalke 04, eine top besetzte Mannschaft, Tabellendritter vor dem Anpfiff. Die Mannschaft fand einfach nicht statt am Samstag, was Trainer Huub Stevens auf fehlende Disziplin und mangelnde Ordnung schob.

Zwei Aspekte, die Lucien Favre besonders wichtig sind, genau wie - selbstverständlich - die Konzen-tration auf den nächsten Gegner. In Kaiserslautern am Samstag muss die Borussia beweisen, dass sie auch die reinen Kampfspiele annimmt, die Partien, in denen es nicht so lustvoll zugehen kann wie gegen eigentlich spielstarke Klubs à la Schalke. Favre erinnerte schnell an die Spiele in Augsburg und Freiburg, die beiden 0:1-Niederlagen bei den Kellerkindern der Liga.

Diese kommende Partie am 22. Spieltag wird weisend sein, ob die Fans, wie von Max Eberl „erlaubt”, weiter schwelgen dürfen. „Jeder, der eins und eins zusammenzählen kann, darf auch träumen und hoffen”, sagt der Sportdirektor.

Abwehrchef Dante grinste ein paar Meter weiter immer noch und gab zum Besten: „Wir dürfen nicht vergessen, wo wir herkommen.” Er suchte danach schnell das Weite, vermutlich, um in aller Ruhe lachen zu können.
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