Die Bayern warnen sich selbst vor dem 1. FC Köln

Von: Roman Sobierajski
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Defensive Qualitäten in allen Mannschaftsteilen: Die Kölner Innenverteidiger Kevin Wimmer und Dominic Maroh mit Mittelstürmer Anthony Ujah (v.l.) bei der gemeinsamen Abwehrarbeit. Foto: sport/Norbert Schmidt

Köln. „Ich freue mich auf dieses ekelhafte Spiel“, verkündete Peter Stöger, Trainer des 1. FC Köln, mit dem charmant melancholischen Lächeln eines Mannes, der sich bewusst ist, dass auch der Henker und sein Opfer zwei sind, die gemeinsam an einem Strang ziehen.

Der Aufsteiger empfängt den Allesgewinner FC Bayern München, der auf dem Weg zur Champions-League-Partie bei ZSKA Moskau am Rhein Station macht – über die Frage, wer am Samstag (15.30 Uhr) in der Bundesliga als Favorit zu gelten hat, muss man sicher nicht lange und ausgiebig diskutieren.

Dennoch: Die Bayern, bislang noch ohne Auswärtssieg in dieser Saison, warnen sich schon einmal prophylaktisch selbst. „Es wird nicht alles locker leicht gehen, so mit dem Ferserl“, mahnt etwa Thomas Müller, bislang eher nicht als Bedenkenträger auffällig worden. „Die sind defensiv sehr stark und taktisch gut organisiert. Diese Spiele haben schon ein bisschen ekelhaften Charakter.“

Aber vielleicht gehört diese umgedrehte Spieltags-Rhetorik schon zum taktischen Vorspiel und unterläuft die Bemühungen des Kölner Trainers, sein eigenes Team klein und harmlos zu reden. „Ich freue mich auf eine Mannschaft mit vielen Weltmeistern und europäischen Spitzenspielern“, versucht der Österreicher den Eindruck zu erwecken, als ginge es vornehmlich darum, nach dem Abpfiff mit Pep Guardiola die Krawatte zu tauschen.

Ob man mit einer noch defensiveren als der bislang gezeigten Taktik dem unbändigen Ballbesitz-Verlangen des FC Bayern nicht noch zusätzlich in die Karten spielt, wird Stöger gefragt – und beantwortet die Frage, indem er Alternativen als aussichtslos darstellt. „Ich glaube, dass es viele Mannschaften gibt, die gegen München schon andere Ideen hatten und feststellen mussten, dass sie nicht funktionieren.“

Eine dieser möglichen Ideen, verweist der Kölner Coach ins Reich der Fabeln – und das quasi amtlich, mit Brief und Siegel: „Ich garantiere, dass wir gegen die Bayern nicht in der Lage sind, über 90 Minuten erfolgreich offensiv zu pressen“, sieht der Österreicher sein Team nicht unbedingt als die bessere Borussia aus Dortmund.

„Das schaffen wir nicht, und auch nicht Manchester City“, fügte der 48-Jährige mit feinem Humor an – und schaffte es anschließend glatt, noch ein wenig tiefer zu stapeln: „Viel verbessern konnten wir in den vier Tagen seit dem Hannover-Spiel nicht“, räumte Stöger willig eine Binsenweisheit ein, „aber vielleicht können wir aus den 90 Minuten gegen die Bayern etwas mitnehmen, was uns in Zukunft weiterbringt.“ Sprach‘s und lächelte erneut versonnen.

Zumindest hatte der überlegene Auftritt in Hannover, der in einer Niederlage endete, keine personellen Konsequenzen für das Spiel gegen den deutschen Rekordmeister: „Wir haben nur seelische Schmerzen davongetragen, körperlich hatte es keine Auswirkungen“, kann der Kölner Trainer aus dem kompletten personellen Angebot schöpfen.

Ob es nun gelingt, ausgerechnet am Samstag die bislang gezeigte Offensivschwäche zu beenden, „wird gegen die Bayern möglicherweise nicht leichter als gegen andere Mannschaften“, gibt Stöger mit verstecktem Schmäh zu bedenken und lässt sich letztendlich doch noch ein kleines Versprechen abringen: „Wir wollen uns so präsentieren, dass es für die Bayern kein leichtes Spiel wird“.

Aber das haben sie wohl schon vorausgesehen an der Isar, dass es vielleicht eine eklige Angelegenheit werden könnte.

Voraussichtliche Aufstellung: Horn - Brecko, Maroh, Wimmer, Hector - Vogt, Lehmann - Risse, Osako, Halfar - Ujah

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