Die „B-Garde” sorgt für den Coup in Wolfsburg

Von: Kerstin von Kalckreuth
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Mit dem Wolfsburger „Skalp” am Oberkörper: Kölns Siegtorschütze Adil Chihi. Foto: Getty Images

Wolfsburg. Zvonimir Soldo tigert die Seitenlinie entlang, von rechts nach links und wieder zurück. Den Blick abwechselnd auf die Abwehrbemühungen seiner Spieler und auf Günter Perl gerichtet. Als der Schiedsrichter nach quälend langen Minuten dann endlich abpfeift, kennt der sonst so introvertierte Trainer kein Halten mehr.

3:2 hat der 1. FC Köln beim Meister VfL Wolfsburg gewonnen. Und das ohne die verletzten Lukas Podolski, Fabrice Ehret, Manasseh Ishiaku und den grippekranken Milivoje Novakovic.

Soldo reißt die Fäuste hoch, stürmt auf den neben ihm stehenden Maniche zu und wird dann von Adil Chihi fast zu Boden gerissen. „Wir waren heute eine Spur entschlossener als Wolfsburg und haben daher verdient gewonnen”, freut sich Soldo. Die Fans aus der Domstadt dürfen sich so langsam an dramatische Duelle gewöhnen.

In der Vorwoche hatte der FC mit 2:3 eine bittere Pleite in letzter Minute gegen Dortmund einstecken müssen. „Und trotzdem konnten wir heute gewinnen, das war eine tolle Leistung der ganzen Mannschaft”, sagte Sebastian Freis.

Der Stürmer profitierte von der Verletzungsmisere bei den „Geißböcken” und durfte als einzige Spitze ran. Wie sich herausstellen sollte, eine gute Entscheidung des Trainers. Aber es waren weniger Einzelleistungen als vielmehr das gelungene Auftreten der gesamten Mannschaft, die den unerwarteten Sieg möglich machte.

Von der ersten Minute an zeigte sich vor allem die „B-Garde” in der Offensive lauffreudig und zog damit auch das zuletzt schwerfällig wirkende Mittelfeld-Duo Maniche/Petit mit.

Folgerichtig gingen die Gäste schon in der 7. Minute in Führung. Nach einer Ecke von Chihi traf Kevin Pezzoni per Kopf - bei ihm eine Seltenheit. Sorgen bereitete an diesem Nachmittag verblüffenderweise die sonst so stabile Defensive. Pedro Geromel wirkte arg geschwächt nach gerade überstandener Bronchitis.

Nach einem Eckball der „Wölfe” traf der Innenverteidiger den Ball nicht richtig; den Querschläger verwandelte Christian Gentner zum 1:1 (22.). Doch der FC steckte nicht auf. „Es war eine ausgeglichene erste Hälfte”, urteilte VfL-Trainer Armin Veh, der nach sieben Bundesligaspielen ohne Sieg um seinen Job fürchten muss.

In der zweiten Halbzeit hatten die Hausherren gerade vollends die Regie übernommen, als der FC völlig unerwartet wieder in Führung ging. Der starke Freis vollendete einen Konter, indem er VfL-Ersatztorwart André Lenz elegant umkurvte und zum 2:1 (57.) einschob.

Dass sich die Kölner nicht über den regelwidrigen Ausgleichstreffer nur zwei Minuten später durch Ricardo Costa aufregten, war der Tatsache geschuldet, dass sie in der 74. Minute wieder - und diesmal endgültig - vorne lagen. Costa hatte beim beeindruckenden Torwartfehler des unsicheren Faryd Mondragon im passiven Abseits gestanden - woraus beim Torschuss ein überaus aktives wurde.

Aber an diesem Nachmittag präsentierten sich die Ersatz-Angreifer Freis und Chihi so bissig, dass der Siegtreffer quasi folgerichtig eine Kombination der beiden wurde: Nach Zuspiel von Maniche passte Freis in den Lauf Chihis. „Ich musste den Ball ja nur noch reinschieben”, freute sich der Deutsch-Marokkaner.
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