Mönchengladbach - Die alte Dame und ihr Gärtner...

Die alte Dame und ihr Gärtner...

Von: Bernd Schneiders
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Der ideale Mann fürs Konterspiel - was die Schnelligkeit angeht: Karim Matmour (rechts) im Hinspiel gegen Herthas Marc Stein. Foto: imago/Kraft

Mönchengladbach. Der Besuch der alten Dame ist für Hans Meyer auch eine Stippvisite in der - erfolgreichen - Vergangenheit. Samstag spielt Borussia Mönchengladbach in Berlin bei Hertha BSC auf. Dort rettete er im Jahr 2004 die Hauptstädter vor dem Abstieg.

„Es war nur ein halbes Jahr”, weist der 66-Jährige darauf hin, dass diese Episode ihn nicht so geprägt hat wie etwa die langfristigen Aufenthalte zuvor in Mönchengladbach (4 Jahre), Enschede, Nürnberg (beide 3) oder gar in Jena (12). Doch als ein Journalist auf der Pressekonferenz unerbittlich nachbohrt, gesteht er dann doch endlich ein: „Ja, ich habe noch engen Kontakt zum Gärtner in Berlin. Der ist für die Außenanlagen zuständig und erkundigt sich stets nach meinen Rosen.”

Womöglich ist der Gärtner wirklich noch da. Die meisten Spieler aber, die Meyer aus seiner Zeit noch kennt, sind inzwischen in anderen Klubs tätig. „Nur noch beide Innenverteidiger Arne Friedrich und Josip Simunic, Pal Dardei und Sofian Chahed, der damals ganz neu dabei war, sind übrig geblieben.” Entwickelt hat sich mit der Berliner Mannschaft auch der Respekt, den der Trainer-Oldie für die Arbeit seines Kollegen Lucien Favre hegt.

„Dieser erfolgreiche Fußball imponiert mir, auch wenn die Zuschauer im Stadion es sicherlich lieben würden, wenn Hertha zehn Tore mehr geschossen hätte.” Die Bilanz speziell im Olympiastadion ist dennoch beeindruckend: elf Spiele, neun Siege, „nur eine Niederlage gegen Angstgegner Cottbus, einem Vorort von Berlin, und ein 1:1 gegen Bielefeld”.

Doch der Tabellendritte besticht durch ein furchteinflößende Effektivität, die aber erarbeitet ist. „Sie haben eine fantastische Organisation, die es jeder Mannschaft schwer macht, ein Tor gegen sie zu erzielen.” Und da Meyer eh nicht müde wird, mehr Geduld bei Fans und Fußball-Klubs einzuklagen, liefert er auch gleich noch das Erfolgsrezept: „Nach einem Jahr mit vielen Fragezeichen haben die Verantwortlichen weiter Vertrauen in den Trainer und die Mannschaft gesetzt. Das zahlen die nun zurück.”

Einen Schritt nach vorn haben auch seine Spieler in puncto Selbstvertrauen gemacht. Auch wenn Alexander Baumjohann nach dem so lang ersehnten und überfälligen Sieg über Hannover 96 gleich den Blick Richtung Berlin richtete: „Wir haben noch nichts erreicht, sind immer noch Tabellenletzter. Jetzt müssen wir gegen Hertha nachlegen.”

In einem Auswärtsspiel gegen einen Favoriten sind Konter ein probates Mittel, um der Heimmannschaft ein Bein zu stellen. Doch auch dabei hapert es noch bei der Borussia, die einst für diese überfallartige Attacken berühmt gewesen ist. Schnell Spieler wie Karim Matmour oder Oliver Neuville oder aktuell Moses Lamidi, der als 19. im Kader mit nach Berlin fliegt, besitzt Hans Meyer.

Selbstvertrauen fehlt

Auch in Bremen konnten die Möglichkeiten nicht genutzt werden. „Da hatten wir 3:3- oder 3:2-Situationen und konnten es nicht ausspielen. Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen fehlt den Jungs das Selbstvertrauen, was normal ist. Womöglich aber auch die Klasse. Die besitzt ein Franck Ribery, der in einer ganz komplizierten Situation mit einer Einzelleistung bei Sporting Lissabon dem Spiel eine ganz andere Richtung geben konnte”, so Meyer.

Eine etwas andere Richtung hat auch die Diskussion um den Einspruch der Mönchengladbacher gegen die Wertung des Spiels gegen Hoffenheim (1:1) genommen. Nachdem die Borussen-Verantwortlichen am Anfang für ihre Entscheidung gegeißelt worden waren, wurde nach und nach immer mehr Verständnis dafür laut, dass der Klub den ihm vorgegebenen Rechtsrahmen im Interesse des Vereins ausgeschöpft hat. „Wichtig sind nicht wir”, beteuert Sportdirektor Max Eberl.

„Es geht um die Sache.” Und da scheint Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick mit seiner Behauptung, auch bei anderen Vereinen kämen Spieler zu spät zur Dopingprobe, in ein Wespennest gestochen zu haben. Wenn dem so ist, was viele Manager verständlicherweise heftig abstreiten, dann ist klar, dass der Fußball die verschärften Richtlinien der Verbände nur als Formalie (miss-)verstanden hat. Frei nach dem Motto: Im Fußball gibt´s eh kein Doping.

Zumindest ein Problem will Max Eberl auf dem kleinen Dienstweg lösen, gänzlich formlos. Der Gladbacher Manager will Rudi Völler anrufen, der im Fernsehen Borussias Entscheidung als unsolidarisch kritisiert hatte. Eberl zeigt Verständnis: „Er wurde während eines aktuellen Fußballspiels von der Entwicklung überrollt und war überhaupt nicht in der Materie drin.” Zumindest aus der Richtung stimmt die Solidarität.
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