Der Wasserbüffel, oder: Ein Sieg der Geduld und Treue

Von: Bernd Schneiders
Letzte Aktualisierung:
diverfo
Geschichtsdokument: Auch Gladbachs so dröger Trainer Michael Frontzeck (2.v.l.) setzt zum feierlichen Aqua-Gliding an. Foto: imago/Moritz Müller

Köln. Michael Bradley triefte vor Nässe - und Zufriedenheit. Je größer die Pfütze wurde, die sich in der Mixed-Zone des RheinEnergie-Stadions unter Mönchengladbachs Mittelfeldspieler bildete, um so mehr löste sich auch seine Anspannung. Womöglich spülte er damit auch sein letztes Adrenalin aus.

Und nach und nach schimmerte auch eine Art von Lächeln durch, das normalerweise nicht unbedingt zu seinem Mimik-Arsenal zählt. „Das waren nur drei Punkte”, (er)zählte der US-Amerikaner auf Englisch, „aber eigentlich mehr als das. Jeder weiß das.”

Auch Tobias Levels. Der Rechtsverteidiger ist kein Amerikaner, sondern ebenso wie sein Trainer gebürtiger Mönchengladbacher. Und so fiel seine Hochrechnung besonders üppig aus.

„Für den Kopf sind das neun Punkte.” Und auch optisch gab´s für den dreckverschmierten Fußball-Kämpfer alle Neune. „Wenn du in diesem Stadion nach 90 Minuten 4:0 auf der Anzeigetafel siehst, dann ist das einfach nur geil.”

ie trockenste Variante steuerte Max Eberl bei. Nicht nur, weil er regengeschützt am Spielfeldrand gesessen hatte. Mönchengladbachs Sportdirektor reduzierte das Geschehen aufs Wesentliche. „Wir haben drei Punkte geholt und unser Torverhältnis um vier Treffer verbessert.”

Danach hatte es in der ersten Halbzeit nicht unbedingt ausgesehen. Auf einem fast unbespielbaren Platz lieferten sich beide Teams Wasser-Kämpfe, der Ball rollte selten, und zu oft wurde deutlich, dass Passspiel unter besonderer Berücksichtigung von Aquaplaning nicht zum Übungsinhalt einer normalen Trainingswoche zählt.

Sichtbar war allerdings schon, dass Mönchengladbachs wenigen Beinah-Chancen eher Kombinationen zugrunde lagen bevor sie untergingen als denen auf Kölner Seite.

Der Wechsel der Seiten brachte dann den Ball und die leichtfüßigen und schnellen Gladbacher Offensiv-Kräfte ins Rollen. Nun war Fußball in der Kölner Hälfte möglich. Nicht zufällig war es Marco Reus, der mit einem per Foul gestoppten Sololauf den Knackpunkt der Partie vorbereitete.

Ausgerechnet Raul Bobadilla hämmerte den Freistoß an den Innenpfosten, FC-Keeper Miro Varvodic wurde ein leichter Seitschritt zum Verhängnis, der Ball sprang zum 1:0 ins Netz - das Derby war vorentschieden (51.).

Der Regen hatte nachgelassen, jetzt wurden die Kölner nass gemacht: Gegen die jetzt nicht nur wegen der verbesserten Bodenverhältnisse greifende Konterqualität der Gäste hatte der FC nichts mehr entgegenzusetzen. Und zu einem wahren Wasserbüffel mutierte Bobadilla.

Nach dem 3:3 gegen die Bayern hatten alle Beobachter dem argentinischen Stürmer-Brocken jegliches Fußballverständnis abgesprochen und alle Hoffnung auf Besserung fahren lassen. Alle, bis auf Michael Frontzeck.

Das 4:0 war auch ein Sieg der Geduld und der Treue. Der 23-jährige Argentinier erzielte nicht nur das 4:0 in der Nachspielzeit, er legte auch zum 2:0 für Bradley auf (70.), bevor Igor de Camargo auf 3:0 erhöhte (82.).

„Ich freue mich für Boba, er setzt sich immer sehr unter Druck”, erklärt Frontzeck die Leistungsschwankungen seines Stürmers. „Ein Südamerikaner halt”, schmunzelt auch der spanisch sprechende Levels. „Wir wissen alle, dass er unglaubliches Potenzial aber auch einen unglaublichen Dickschädel hat.”

Vier Tore erzielt, das war eine realistische Forderung vor dem Spiel angesichts der bis dahin durchschnittlich drei pro Partie kassierten Gegentore. Doch statt des statistisch knappst-möglichen Erfolgs, einem 4:3, stand zum ersten Mal hinten die Null.

Und das obwohl erst Innenverteidiger Roel Brouwers mit einem Muskelfaserriss im Oberschenkel (46.) und dann sein Ersatz Dante (schwere Innenbanddehnung im Knie) ausgewechselt werden mussten (66.).

„Der Sieg ist ein Stück teuer bezahlt”, sagte Frontzeck. Der Trainer selbst blieb unverletzt - trotz eines Divers vor der Borussen-Fankurve.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert