Der Überraschungs-Combo droht ein weiterer Verlust

Von: Andreas Morbach
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Erfolg vereint: Dante (links)
Erfolg vereint: Dante (links) und Marc-André ter Stegen sind noch Foto: imago/Team

Mönchengladbach. Den Ausklang seiner Sportlerkarriere hat sich Dante Bonfim Costa Santos schon mal in bunten Farben ausgemalt. „Mein Traum ist es, am Ende noch ein, zwei Jahre in Brasilien Fußball zu spielen.

Nur ein bisschen - und meine ganze Familie kommt raus ins Stadion, um zu gucken”, erzählt der Abwehrchef der Mönchengladbacher Himmelstürmer. Vor ihm, auf dem kleinen Bistrotisch im Borussia-Park liegt sein Handy, mit einem Foto seiner beiden Kinder auf dem Display - und mit einem sanften Schubser gegen das Mobiltelefon schiebt Dante die Zukunftsgedanken beiseite.

„Ich spiele hier in Deutschland auf hohem Niveau, da kann ich nicht einfach nach Brasilien gehen”, erklärt der 28-Jährige mit großer Gewissenhaftigkeit und formuliert sein persönliches Credo als Fußballer: „Alles geben - bis ich sage: ?Ich hab keine Kraft mehr, ich kann nicht mehr.” Und weil momentan, wo er in Gladbach der besten Verteidigung Europas vorsteht, besonders viel Willenskraft in ihm schlummert, geht es für den extrem ehrgeizigen Südamerikaner im Sommer auf der Karriereleiter noch ein Stück nach oben. Zum FC Bayern.

In der Tabelle liegen die Münchner aktuell zwar einen Punkt hinter dem Team von Lucien Favre. Doch auch wenn alle Beteiligten bislang noch mit - weichen - Dementis hantieren, steht fest: Nach Dortmund (Marco Reus) und Schalke (Roman Neustädter) wird auch der dritte Konkurrent aus dem aktuellen Quartett der Liga-Riesen den Gladbachern ein wichtiges Mitglied aus ihrer Überraschungs-Combo wegkaufen.

4,6 Millionen Euro soll die Ablösesumme für Dante (Vertrag bis 2014) betragen. Für die Bayern ein Schnäppchen. Und für ihren neuesten Fang die Gewissheit, bei der Verwirklichung seines großen Traums - einen Platz im brasilianischen Nationalteam bei der Heim-WM in zwei Jahren zu ergattern - wirklich alles versucht zu haben. Denn gerade Dante, der einst bekannte, Brasilianer sei er „nur im Urlaub”, lässt Chancen, die sich ihm bieten, ungern verstreichen.

Aufgewachsen ist er in Salvador da Bahia an Brasiliens Atlanktikküste - mit zwei Brüdern und einer Schwester, bei der Mutter. Weil der Vater die Familie früh verließ. „Als wir klein waren, hatten wir es nicht so einfach. Und auch in Brasilien ist es manchmal nicht einfach”, erzählt Dante, der nicht zuletzt deshalb schon mit 20 nach Europa kam. „Ich vergesse nicht”, sagt er, „wo ich herkomme.” Als Kind kickte er nach der Schule immer bis zum Sonnenuntergang an Salvadors Strand Ondina - und betont nun: „Für mich war klar: Wenn es eine Möglichkeit gibt, nach Europa zu gehen und mich bei einem guten Verein zu stabilisieren, muss ich sofort dahin.”

Bis heute bedeutet Stillstand für Dante Rückschritt. Deshalb fragt er, um sein sehr passables Deutsch weiter zu verbessern, seine Mitspieler unablässig nach den richtigen Ausdrücken. Deshalb ignorierte er Borussias glänzenden Start ins Jahr, mit Siegen über Bayern und Schalke, und erklärte vor dem jüngsten 2:1 in Kaiserslautern und den anstehenden Partien gegen Hamburg und in Nürnberg: „Für mich beginnt die Rückrunde erst jetzt.” Und deshalb wartet er noch immer sehnsüchtig auf einen Anruf von Brasiliens Nationaltrainer Mano Menezes.

„Den Kopf oben behalten”

Denn der Wunsch, es bis 2014 in die Seleçao geschafft zu haben, ist riesig. Und Dante macht kein Geheimnis daraus, dass ihn der weiter ausstehende Anruf von Menezes zunehmend mit Unruhe erfüllt. „Klar denke ich immer daran, was passieren könnte”, gesteht er. Doch dann kommt wieder der Preuße im Brasilianer zum Zug, und der elegant-rustikale Defensivmann mit der wallenden Haarpracht betont: „Ich muss den Kopf oben behalten und hart arbeiten, um mein Ziel zu erreichen.”

Bislang rufen nur Journalisten aus der Heimat bei ihm an, um sich nach dem Stand in der Seleçao-Frage erkundigen. „Es werden schon viele Spiele von Mönchengladbach im brasilianischen Fernsehen gezeigt. Und wenn wir gegen Dortmund oder München spielen, hat das auch ein hohes Niveau”, sagt Dante, betont aber zugleich: „Wenn du in der Champions League gegen Barcelona spielst, ist das noch was anderes.”

Weil die Chancen auf solche Duelle - und mit Menezes mutmaßlichem Anruf im Fahrwasser - mit den Bayern auf Dauer wahrscheinlicher sind als mit Gladbach, wechselt Dante („Ich bin immer hungrig”) nach dieser Saison zum Rekordmeister. Mit Lille und Lüttich spielte er schon in der Gruppenphase der Königsklasse. „Champions League ist immer geil”, findet Dante seitdem - „egal mit wem.” Aber am liebsten eben doch mit Bayern München.

Fluch des Erfolgs: Beerbt Favre Heynckes 2013?

Mönchengladbachs Erfolgstrainer Lucien Favre könnte in der übernächsten Saison Jupp Heynckes beim FC Bayern beerben, wenn dessen Vertrag beim Rekordmeister ausläuft.

Bayerns Ehrenpräsident Franz Beckenbauer rollt dem 54-jährigen Schweizer jedenfalls schon einmal den roten Teppich aus: „Ich denke schon, dass Favre die Autorität auch bei einer Mannschaft wie Bayern München hätte.”

Er könne verstehen, dass ein Trainer von „seiner Qualität” nicht immer um alle Spieler kämpfen und betteln, sondern auch aus dem Vollen schöpfen wolle, so der „Kaiser”.

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