Der Nationalspieler mit dem 17-monatigen Anlauf . . .

Von: dapd
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Endlich Nationalspieler: Marco
Endlich Nationalspieler: Marco Reus musste einen langen Anlauf nehmen, um seinen Kindheitstraum zu verwirklichen. Foto: dpa

Düsseldorf. Der Anlauf zog sich hin über 17 Monate. Dann war Marco Reus endlich am Ziel. Eine Einwechslung in der 90. Minute, wie sie Bundestrainer Joachim Löw beim 3:1 des DFB-Teams gegen die Türkei in Istanbul praktizierte, wird von Fußball-Profis eher selten als große Sache bewertet.

In diesem Fall besaß der Kurzeinsatz, der sich mit der Nachspielzeit auf vier Minuten addierte, jedoch einen Glück spendenden Aspekt. Reus war endlich offiziell deutscher Nationalspieler. „Das ist auf jeden Fall nicht enttäuschend. Es war immer ein Kindheitstraum von mir, in der Nationalmannschaft zu spielen. Und der ist in Erfüllung gegangen”, sagte Reus.

Sechs Mal war der Mönchengladbacher von Löw zur Nationalmannschaft eingeladen worden, aber viermal musste er absagen, weil ihm immer wieder Verletzungen oder Erkrankungen dazwischen kamen. Reus wurde gewissermaßen zum „Running Gag” der Nationalelf. Eigentlich sollte er schon im Mai 2010 debütieren, beim Testspiel in Aachen gegen Malta, doch mit einer Grippe begann die lange unbefriedigende Story erst. Mehrfach versuchte Löw, den pfeilschnellen Offensivspieler ins Team zu integrieren. Zweimal kamen Muskelprobleme dazwischen, beim letzten Mal stoppte eine Schambeinreizung den gebürtigen Dortmunder. Nur einmal, beim 3:2 gegen Brasilien im August, stand Reus tatsächlich im Kader, verbrachte aber in Stuttgart 90 Minuten auf der Bank.

Der Platz von Reus, den sie wegen seiner Geschwindigkeit manchmal „Rakete” nennen, im System ist der von WM-Torschützenkönig Thomas Müller auf der rechten Außenposition. Reus bezeichnet einen Spieler anderen Typs als sein Vorbild: Den Tschechen Tomas Rosicky, der eher ein Spielmacher ist. Den früheren Dortmunder bewunderte der junge Reus im BVB-Stadion als Fan.

Dortmunder Ärger

Reus wurde beim Deutschen Meister ausgebildet, lernte beim inzwischen in die Dritte Liga abgestiegenen BVB-Nachbarn Rot-Weiß Ahlen das Profigeschäft kennen und wurde von den Gladbachern für rund eine Million Euro Ablöse im Sommer 2009 verpflichtet. In Dortmund haben sie sich schon oft darüber geärgert, dass Reus nicht rechtzeitig zurückgeholt wurde. Nun wird sein Marktwert auf 14 Millionen Euro taxiert. Nicht nur Löw schwärmt über die Qualitäten des Tempodribblers, sondern auch beim FC Bayern München hat sich Sportdirektor Christian Nerlinger schon begeistert über seine Qualitäten ausgelassen.

„Ich hatte bisher keinen Konkurrenten bei den letzten sieben Spielen, weil Marco ausgefallen ist. Jetzt ist er da”, sagte Thomas Müller am Tag vor der Partie gegen Belgien. Wie der Münchner spielt Reus mit enormem Zug auf das gegnerische Tor. Die beiden unterscheiden sich aber charakterlich stark. Während „Frechdachs” Müller so forsch spricht wie er spielt, übt Reus sich in Zurückhaltung, die fast als Schüchternheit zu interpretieren ist. „Ich bin kein Star, ich bin einer von vielen”, sagte er. „Ich stehe nicht so gerne in der Öffentlichkeit, ich suche sie auch nicht. Ich mag es auch nicht, wenn ich auf der Straße erkannt werde, auch wenn ich weiß, dass uns die Fans bewundern”, erklärte er.

Mit weiteren Top-Leistungen für Mönchengladbach und eventuell in der Nationalelf dürfte es für Reus stetig schwerer werden, der Popularität eines erfolgreichen Fußball-Profis aus dem Wege zu gehen. Vielleicht war ihm ja auch der lange Anlauf ins DFB-Team recht.
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