Frankfurt - Der nächste kleine Schritt

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Der nächste kleine Schritt

Von: Heribert Förster
Letzte Aktualisierung:
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Rücken, die die Borussen-Fans entzücken: Mönchengladbachs Spieler feiern mit den Anhängern in Frankfurt den zweiten Auswärtssieg in Folge nach dem 3:2 in Hamburg. Foto: dpa

Frankfurt. Das Abwehrverhalten der Borussia - katastrophal. Die Kompaktheit zwischen Abwehr, Mittelfeld und Angriff - nicht vorhanden. Mannschaftliche Geschlossenheit - zwei Fremdworte.

Das Verhalten der Mönchengladbacher an diesem Tag lädt Eintracht Frankfurt förmlich zum Toreschießen ein, Jan Furtok, Uwe Bein, Ralf Weber und Anthony Yeboah nehmen die Einladung dankbar an und die Hessen siegen 4:0. Auf dem Bökelberg am ersten Spieltag der Saison 1993/94.

Szenen dieser Partie flimmerten am Samstag in der Arena, die 1993 noch Waldstadion hieß, über den Videowürfel. Mit Wehmut haben Frankfurts Fans diese Bilder angeschaut, ein Jan Furtok, ein Uwe Bein, ein Anthony Yeboah, ach herrje, was waren das für Zeiten! Richtig schöne Zeiten!

Schöne Zeiten hatte die Borussia auch einmal, sie liegen noch länger zurück als 16 Jahre. Schöne Zeiten sollen wieder einmal anbrechen, und mit ganz kleinen Schritten haben sie sich in Mönchengladbach aufgemacht in eine bessere Zukunft.

Dabei hilfreich waren durchaus die sechs Pflichtspiel-Niederlagen in Folge vor wenigen Wochen, denn die daraus resultierende „unsportliche” Bewährungsprobe haben die Borussen mit Bravour bestanden.

Es herrschte Ruhe im Verein (und auf den Rängen), Michael Frontzeck wurde als Trainer nur von den ewig Nörgelnden in Frage gestellt. Dabei hätte man schon bei der Niederlagenserie feststellen können, dass die Borussia auf einem guten Weg ist.

Richtig schlecht haben die Mönchengladbacher nur in Freiburg beim 0:3 und gegen Dortmund beim 0:1 gespielt. Aber in der Ergebniswelt Fußball zählt nicht das Vorwärtskommen ohne Punktgewinne.

Der dominierende Auftritt in Nürnberg, die fast 80 Minuten lang sehr gute Leistung gegen Hoffenheim, die 90 Minuten dauernde ansprechende Vorstellung in Wolfsburg, ohne Zählbares hat man´s schwer.

Wie einst 1996

Die Ruhe, die sie im Borussia-Park bewahrt haben, zahlt sich jetzt aus - in Punkten. Vier Spiele ist die Borussia in Folge ohne Niederlage, das 2:1 (0:0) in Frankfurt war der zweite Auswärtssieg in Serie - das gab es zuletzt 1996 (2:0 in St. Pauli und 2:0 in Frankfurt).

Es war nicht die Folge einer glänzenden Leistung, aber das Abwehrverhalten der Borussia - sehr gut. Die Kompaktheit zwischen Abwehr, Mittelfeld und Angriff - vorhanden. Mannschaftliche Geschlossenheit - keine Fremdworte.

Nur in den sechs, sieben, acht Minuten vor dem Halbzeitpfiff geriet die Mannschaft in Unordnung, schlichen sich Nachlässigkeiten ein, „wir haben die Frankfurter eingeladen”, urteilte Frontzeck. Der Trainer sprach´s an in der Pause, und fortan beherrschte die Borussia das Geschehen gegen im Angriff arg dezimierte und generell schwache Frankfurter. Was Sportdirektor Max Eberl in der Kiste mit den Banalitäten fündig werden ließ, „man spielt so gut, wie es der Gegner zulässt”.

Es war aber mehr als ein Spruch, denn mit ihrer Kompaktheit, mit den gut ineinander greifenden Rädchen zwischen Abwehr, Mittelfeld und Angriff geriet die Borussia nur selten in Gefahr. Frankfurts deprimierter Trainer Michael Skibbe war zwar der Meinung, ein Unentschieden wäre für sein Team verdient gewesen, doch objektiv betrachtet hatte Frontzeck Recht. „Unser Sieg ist unterm Strich nicht unverdient.”

Und hilfreich auf dem Weg der kleinen Schritte raus aus dem Liga-Keller. Den Sieg ebneten mit feiner Vorarbeit vor Oka Nikolovs unglücklichem Eigentor (Marco Russ schoss dem Torhüter den Ball an den Kopf, und von dort sprang er ins Tor) Karim Matmour, Tobias Levels und Marco Reus (54.), der auch mit einer perfekt getimten Flanke den Kopf des völlig freistehenden Roel Brouwers anvisierte.

Der Innenverteidiger, im Verbund mit dem wieder einmal starken Dante derzeit eine Bank, köpfte bereits sein drittes Saisontor (66.). Dass die Eintracht nach Rob Friends Handspiel noch per Elfmeter zum Ehrentor kam (Pirmin Schwegler/86.) änderte nichts am Eindruck, dass die Borussia derzeit ziemlich gefestigt ist.

Nächsten Samstag kommt Schalke in den Borussia-Park, danach geht es zu den Bayern. „Es soll jetzt keiner auf die Idee kommen, dass wir als Favorit nach München fahren”, sagte Frontzeck. Ruhe bewahren, Bodenhaftung behalten - die Borussia 2009.
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