Mönchengladbach - Der Glücksschlag eines Abstiegskandidaten

Der Glücksschlag eines Abstiegskandidaten

Von: Bernd Schneiders
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Der Moment, der die Hoffnung zurückbringt: Gladbachs Colautti hat für seinen Treffer auf die 90. Minute gegen Schalke gewartet. Foto: imago/Laage

Mönchengladbach. Es gibt brillante Taktiken, die den Verlauf einer sportlichen Auseinandersetzungen auf den Kopf stellen. Muhamad Ali hatte sie einst im Kampf gegen George Foreman. Der körperlichen Überlegenheit des Haudraufs geschuldet, stand der Edel-Techniker fast die komplette Rundenzeit in der Ecke, hielt sich an den Seilen fest, versteckte sich hinter der Doppeldeckung.

Als Foreman sich müde geprügelt hatte, schlug Ali zurück und siegte durch Knockout. Borussia Mönchengladbach erledigte das in der 90. Minute. Eine Parallele - was die Überraschung abgeht.

Das Geschehen vor dem Glückstreffer durch Roberto Colautti zum 1:0 so zu planen, wäre aber sogar für einen Hasardeur zuviel Risiko gewesen: Die Elf von Hans Meyer versagte in allen Bereichen. „Schalke hat uns über den Platz gehetzt”, kommentierte Borussias Trainer. Die Königsblauen machten genau das, was man gegen einen Gegner mit dem Selbstbewusstsein eines pickligen Pennälers machen muss: frühes Attackieren, Forechecking, um schon früh Fehler zu provozieren.

Das gelang vortrefflich, allein Schalke münzte diese Aggressiv-Taktik nicht in Tore um. Und dass, obwohl bis auf - ausgerechnet - Dante, der zuletzt so vorschnell ausgepfiffen wurde, alle von allen guten Abstiegskampfgeistern verlassen schienen.

Kaum ein Zweikampf wurde gewonnen, Paul Stalteri war mehr als ein Risikofaktor, Marko Marin war wo auch immer, aber nicht auf dem Platz. Alexander Baumjohann litt weiter unter seiner Obsession, auch und besonders gegen seinen Ex-Klub aus einem simplen Pass ein Kunststück machen zu müssen, Karim Matmour lief und lief und lief - völlig unnütz. Seine Kollegen liefen in eigenem Ballbesitz - möglichst gar nicht. Die Erfolgsdaten der Offensive: Der erste Torschuss gelang dem eingewechselten Colautti - in der 76. (!) Minute.

Die ausführliche Beschreibung einer eigentlich niederschmetternden Diagnose: So spielt ein Absteiger! Dass mag so erbarmungswürdig gewesen sein, dass Rafinha zuvor den ertrinkenden Gladbachern einen Rettungsring zuwarf. Der Schalker schubste Baumjohann ebenso unübersehbar wie unnötig im Strafraumeck - Elfmeter. Marko Marin gewann das kurze Duell mit dem Kollegen Filip Daems, der schon zwei Strafstöße verwandelt hatte. Fatal, denn der Jungstar schoss so wie er zuvor gespielt hatte, zögerlich, gehemmt, schwach.

Manuel Neuer hielt ohne Probleme (23.). „Ich war mir sicher”, sagte Marin. Aber das ist derzeit in Mönchengladbach nichts. Johannes van den Bergh hatte in der Woche extrem stark trainiert und sollte Rafinha entschärfen. Stattdessen musste der Mittelfeldspieler nicht nur wegen offensichtlicher Nervenprobleme früh entschärft werden: Ihm drohte die Gelb-Rote Karte.

Dass Gladbach nach der Pause ein bisschen stärker wurde, lag vor allem an Schalke, denen mit zunehmender Spielzeit immer mehr die Lust oder Luft abhanden kam. Auch wenn Interimstrainer Mike Büskens lobte: „Wir wurden für eine engagierte Leistung nicht belohnt.” Wofür aber wurde Gladbach belohnt? „Es war nicht nur Glück. Nach der Pause hatten wir ein bisschen mehr Griff aufs Spiel”, lautete Hans Meyers Vorschlag.

Der Mann, der diese Belohnung umsetzte, hatte sich sein erstes Bundesligator nach Pass des ebenfalls eingewechselten Neuville ebenfalls verdient: Colautti verbuchte alle Schüsse aufs Schalker Tor (abgesehen vom Elfmeter). Der Israeli belohnte sich auch selbst. „Ich gehe erstmal duschen”, lautete sein lakonischer Kommentar, als die Journalisten-Menge nach seinen Worten lechzte. Um später erfrischt zu erklären: „Das war eine schwere Zeit für mich. Aber jetzt geht´s nur ums Team.” Da passte Meyers Lob. „Ich freue mich für ihn. Er ist ein sauberer Junge.” Wohl nicht nur wegen der Dusche...
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