Der bittere Abschied des Lukas Podolski

Von: Günter Kirschbaum
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Köln. Es war der hässliche Schlussakkord. Die Südtribüne verschwand hinter einer schwarzen Rauchwolke, und Schiedsrichter Florian Meyer sah sich genötigt, den vorerst letzten Bundesligaauftritt des 1. FC Köln schon Sekunden vor Ablauf der 90 Minuten abzupfeifen.

Mit 1:4 (0:1) hatte der FC gegen Bayern München verloren, war zum fünften Mal abgestiegen, einige Fans wollten den Platz stürmen, und die Spieler flüchteten in den Kabinentrakt. Doch das einzige, das an diesem Nachmittag aus Kölner nahezu perfekt Sicht klappte, verhinderte weit Schlimmeres: Hunderte von Polizisten und Ordnungskräften drängten die Randalierer zurück. „Das ist nicht akzeptabel”,sagte FC-Präsident Werner Spinner. „Wir sind zutiefst betroffen und müssen die Bitterkeit dieses schwarzen Samstags auch erst einmal verdauen.” Bayer-Torjäger Mario Gomez sprach von einer „Schande”.

Auf dem Platz hatten die Gäste schnell angedeutet, dass sich diese Aufgabe professionell zu erledigen gedachten. „Wir wollten vor unseren beiden Endspielen im Rhythmus bleiben”, sagte Bayern-Trainer Jupp Heynckes. Mehr als eine Trainingseinheit unter Wettbewerbsbedingungen war es allerdings nicht für den Champions-League-Finalisten. Die Treffer für die Bayern erzielten Thomas Müller (34. und 85.), Pedro Geromel (52.) und Arjen Robben (54.). Kölns letztes Erstliga-Tor erzielte Milivoje Novakovic nach Lukas Podolskis Vorarbeit (63.).

Es war der Tag der Emotionen. Als Podolski 15 Minuten vor dem Anpfiff verabschiedet wurde, flossen die Tränen. Als Podolski eine Stunde nach dem Abpfiff die Arena durch einen Seitenausgang verließ, war der 26-Jährige verbittet. Er sprach vom „schlimmsten Momente meiner Karriere”. Bevor er sich auf den Weg zu seinem neuen Arbeitgeber, dem FC Arsenal, machte, hatten ihm die Kölner versprochen, das Trikot mit der Rückennummer 10 bis zu seiner Rückkehr an den Rhein nicht mehr zu vergeben.

Ohne Sportdirektor, ohne Trainer, ohne Podolski: Der FC steht vor dem Scherbenhaufen einer chaotischen Saison. Claus Horstmann, der Vorsitzende der Geschäftsführung, kündigte wenig überraschend an: „Wir brauchen einen Neuaufbau mit klarem Blick, harter Arbeit und den richtigen Entscheidungen nach vorne.” Im Rückblick legte er die Finger in die klaffende Kölner Wunde. „Wir brauchen eine sportliche Doppelspitze, die sowohl sportliche Kompetenz und Kontinuität verkörpert, aber auch Teamfähigkeit und Professionalität im Umgang miteinander”, übte er nachhaltige Kritik am geschassten Sportdirektor Volker Finke und dem entlassenen Trainer Stale Solbakken.

Horstmann ging in den Stunden nach dem sportlichen Offenbarungseid noch weiter. „Wir brauchen natürlich eine Mannschaft, die neu komponiert werden muss”, forderte er. „Eine Mannschaft, die das zeigt, was leider insbesondere in der Rückrunde zu oft vermisst wurde. Es gab zu viel Unruhe, und in vielen Fällen war sie selbst gemacht.” Die schlimme Bilanz des Jahres 2012 mit 12:40 Toren und neun Punkten aus 17 Spielen ist ein Plädoyer für einen Neuaufbau.

Horstmann sagte, er habe einen Plan B. Was das bedeutet, verschwieg der Geschäftsführer. Am morgigen Dienstag will sich der FC den Spielern gegenüber erklären, wie es weitergeht. Ein weiterer Termin steht für die Kölner fest: Am 3. August startet der FC in Liga 2.

Die Spieler erfahren am Dienstag, wer gehen und wer bleiben soll

Die FC-Bosse verabredeten sich unmittelbar nach dem sportlichen Desaster zum Krisengipfel. Der fünfte Abstieg forderte schnelles Handeln der Verantwortlichen.

Claus Horstmann skizzierte seinen Plan, wie die Kölner das Horror-Szenario entschärfen wollen. Der Vorsitzende der Geschäftsführung baute dabei eventuellen Erwartungen vor, dass man schon in Kürze seine neuen Leitenden Angestellten vorstellen würde. „Es geht nicht darum, irgendwelche Wunderpräsentationen aus der Tasche zu ziehen”, sagte Horstmann. „Vielmehr müssen wir die Aufgabe lösen, einen eine gemeinsame Vision verfolgenden FC aufzubauen, der die Zukunft leistungsstark gestalten kann.”

Am Sonntag traf sich die Gesellschafterversammlung, um die Situation zu besprechen und erste Entscheidungen zu treffen. Heute wird man sich erneut zusammensetzen. Dann ist auch Frank Schaefer dabei. Dienstag sollen die Spieler informiert werden, wer bleiben, und wer gehen soll.

Jörg Schmadtke, Wunschkandidat für den Job als Sportdirektor, sagte via Sky ab. Als neue Trainer werden Mike Büskens, Jos Luhukay und Holger Stanislawski gehandelt.
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