Der 1. FC Köln behält seine weiße Weste

Von: Roman Sobierajski
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Dieses Bild sagt weniger als tausend Worte, es ist vielmehr die Vorspielung falscher Tatsachen: Solch prickelnden Aktionen gab es kaum im rheinischen Derby. Der Kölner Kevin Wimmer (von links) sowie die Mönchengladbacher Granit Xhaka, Yann Sommer und Tony Jantschke im Strafraum der Borussia. Foto: sport/Team 2

Köln. Natürlich hatte es sich Lukas Podolski nicht nehmen lassen, nach der Partie seines FC Arsenal gegen Aston Villa schnurstracks nach Köln zu fliegen, um mit 49.999 weiteren Zuschauern das rheinische Derby „seines“ FC gegen Borussia Mönchengladbach live mitzuerleben.

„Derbys sind hart und leben von Emotionen“, hatte Twitter-Talent Podolski im Vorfeld verbreitet, „aber bitte ohne Gewalt“. Ein Aufruf, der an einigen hundert Fehlgeleiteten vorbeiging, die sich vor der Partie auf dem Stadionvorplatz eine ebenso heftige wie sinnlose Auseinandersetzung lieferten.

Auf dem Rasen ging es dagegen eher schiedlich-friedlich zu: Die Partie endete mit einem torlosen Remis, beide Mannschaften bleiben auch nach dem vierten Spieltag ungeschlagen, der Aufsteiger aus der Domstadt sogar ohne Gegentor. Einen großen Gewinner der 90 intensiven Minuten gab es dennoch – Kölns Sportdirektor Jörg Schmadtke: „Ich habe vor der Saison mit meinem Mit-Geschäftsführer Alex Wehrle gewettet, dass wir mindestens sechs Punkte haben“, freute sich Schmadtke, Recht behalten zu haben. „Einerseits bin ich mit dem Punkt zufrieden, andererseits hätte ich schon gerne mehr Spektakel vor dem gegnerischen Tor“, fasste Kölns Sportdirektor den Wettkampf zusammen.

Der erste Durchgang dürfte als Lehrfilm für andere Mannschaften dienen, wie man den Gladbacher Hochgeschwindigkeits-Fußball zum Erliegen bringt: Köln stand gewohnt defensiv sicher, machte das Zentrum dicht und attackierte mit enormem läuferischem Aufwand. „Die ganze Mannschaft arbeitet mit, nicht nur die Defensivleute. Die Stürmer opfern sich für das Team auf, laufen die Wege zu“, freute sich Innenverteidiger Kevin Wimmer. Das Resultat war allerdings eine Halbzeit fast ohne Torchancen.

Die Gladbacher hatten riesigen Ballbesitz fast ohne Raumgewinn, die Hausherren agierten im Angriffsdrittel zu unpräzise, um die gegnerische Verteidigung in Verlegenheit zu bringen. Pawel Olkowski knallte den Ball nach Vorlage von Marcel Risse gegen das Außennetz (17.), VfL-Keeper Yann Sommer rettete vor dem einschussbereiten Yuya Osako (33.). Auf Kölner Seite musste Wimmer in höchster Not klären, nachdem Gladbachs Raffael an der Strafraumgrenze Dominic Maroh getunnelt hatte (43.).

„In der zweiten Halbzeit haben wir dann deutlicher gezeigt, dass organisiertes Spiel mehr sein kann als defensiv gut zu stehen, wir haben zweite Bälle gewonnen, hatten mehr Zugriff aufs Spiel“, sah FC-Coach Peter Stöger seine Mannschaft in den zweiten 45 Minuten auf einem besseren, man möchte fast sagen, offensiv gefährlicherem Weg.

Matthias Lehmann lieferte auf der Sechser-Position eine Riesenpartie ab und betätigte sich derart erfolgreich als Balldieb, dass die Gladbacher Umschaltversuche häufig schon nach der zweiten Anspielstation beendet waren, der eingewechselte Daniel Halfar brachte so etwas wie offensive Spielideen ein. Und dennoch hätten die Gäste vom Niederrhein schon nach vier Minuten in Führung gehen können, vielleicht müssen. Doch Max Kruse köpfte im Sturmzentrum reichlich unbedrängt nach Flanke von Fabian Johnson neben das Tor von FC-Keeper Timo Horn.

„Gedanken über die Dinge“

Auf der Gegenseite konnte Yann Sommer gegen Daniel Halfar retten, nachdem Tony Jantschke gepatzt hatte (55.). Und Gladbachs Oscar Wendt verhinderte gegen Anthony Ujah Schlimmeres nach einer Flanke von Olkowski (59.). Vielleicht hätte sich für den Aufsteiger noch etwas ergeben können, als sich der bereits gelb-verwarnte Christoph Kramer und Kölns Kevin Vogt ein Gerangel lieferten (72.), doch Schiedsrichter Felix Zwayer ließ den Karton in der Tasche (siehe unten). So boten die Gladbacher dem Gegner zwar einiges an, doch keiner der FC-Offensivleute konnte – oder wollte – solche Geschenke annehmen.

Die dritte torlose Partie des 1. FC Köln war da die logische Konsequenz. „Wenn wir es schon nicht schaffen, vorne ein Tor zu schießen, dann ist es wichtig, dass wir hinten die Null halten“, bewertete Maroh den Ausgang aus Verteidigersicht, brachte aber nach den bitteren Klatschen der Vorjahre auch noch einen wichtigen psychologischen Aspekt ins Spiel. „Die Gladbacher haben getönt, dass bei uns die Bälle im Tor zappeln würden. Den Zahn haben wir ihnen gezogen, auch wenn wir den Fans natürlich gerne noch den Sieg geschenkt hätten.“

Mehr in die Zukunft blickte dagegen sein Sportdirektor: „Die Stabilität haben wir gut aus der vergangenen Saison mit in die Bundesliga rübergerettet“, analysierte Jörg Schmadtke, „jetzt müssen wir uns verstärkt Gedanken über die anderen Dinge machen.“

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