Der 1. FC Köln als Vorbild...

Von: Heribert Förster
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Der sich im Strafraum wohlfühlt: Borussias Stürmer Rob Friend - hier im Luftduell mit HSV-Torwart Frank Rost - dürfte in Köln trotz Beschwerden an der Achillessehne spielen können. Foto: imago/Ulmer

Mönchengladbach. Nein, Hans Meyer macht nicht den Eindruck, als sei er extrem neidisch. Es ist auch kein Masche, den Gegner stark zu reden, um die Schwere der Aufgabe zu verdeutlichen. Es ist ganz schlicht des Trainers ehrliche Meinung, wenn er die bisherige Entwicklung beim 1. FC Köln in höchsten Tönen lobt.

Da bei Borussia Mönchengladbachs Chefcoach der Ausdruck „richtig gut” zum Standardrepertoire gehört, darf sich auch der FC damit schmücken. „Richtig gut” sei der Gastgeber der Borussia am Samstag in Sachen Organisation, und auch das Lob für die Neuverpflichtungen lässt nicht auf sich warten. „Ordentlich und gezielt” habe sich der FC vor der Saison verstärkt.

Gute Transfers, eine gute Organisation: Zwei Bereiche, die auch Hans Meyer besonders am Herzen liegen, die im Borussia-Park aber erst sechs Monate nach dem Mit-Aufsteiger in Angriff genommen wurden.

Die Kölner holten vor neun Monaten den Brasilianer Geromel als Abwehrchef sowie den Portugiesen Petit als Denker und Lenker, die Borussia im Winter den Brasilianer Dante als Abwehrchef sowie den Tschechen Tomas Galasek als Denker und Lenker.

Da Dante auch an diesem Samstag noch ausfällt als Folge seiner Muskelverletzung, darf auf Borussias Seite getrost Torwart Logan Bailly als vergleichbarer Volltreffer zu Geromel gesehen werden. Die Bedeutung von Petit und Galasek für beide Mannschaften ist unbestritten hoch, wichtig sind als Stabilisatoren auf beiden Seiten zudem die Neuzugänge für die rechte Defensiv-Seite.

Kölns Miso Brecko kam im Sommer vom HSV, Gladbachs Paul Stalteri im Winter aus England. Meyer fasst sein Lob für den FC („taktisch immer hervorragend, als Mannschaft stark, sie sind gefestigt aus der Zweiten Liga gegangen”) zusammen: „Sie haben sich im guten Mittelfeld der Liga etabliert.”

Das würden sie in Mönchen- gladbach auch gerne über die Borussia lesen, doch der Weg dorthin ist noch weit. Sehr weit, und der formidable 4:1-Triumph über den Hamburger SV am vergangenen Samstag war nur ein klitzekleiner Schritt dorthin.

Rein tabellarisch kann man nicht sagen, dass die Daems, Marin & Friend schon viel erreicht haben mit dem „Sprung” von Rang 18 auf Platz 17 - und doch haben sie schon viel erreicht. Sie haben den Fans die Hoffnung zurückgegeben.

Und es gibt einige „richtig gute” Gründe, dass diese Hoffnung in den nächsten Wochen die Fußball-Welt in Mönchengladbach freundlicher erscheinen lässt. Wobei - ausnahmsweise - der FC einmal als Vorbild dienen darf:

Die Winter-Zugänge Bailly, Stalteri und Galasek sind erhebliche Verstärkungen.

Die Mannschaft wirkte in allen bisherigen sechs Rückrundenspielen (mit Ausnahme der ersten 45 Minuten in Berlin) gefestigt.

Die Organisation stimmt, das macht Tomas Galasek „richtig gut”.

Taktisch präsentiert sich die Borussia im Fußballjahr 2009 stark verbessert.

Es stehen keine elf Einzelspieler auf dem Platz, sondern eine Mannschaft.

Das alles ist sichtbar geworden in sechs Rückrundenspielen, und dennoch ist die Borussia noch meilenweit vom 1. FC Köln entfernt, der seine Stammelf schon vor langer Zeit gefunden hat. Beim morgigen Gastgeber standen vor gut fünf Monaten in der Startelf: Mondragon - Brecko, Mohamad, Geromel, Wome - Pezzoni, Petit - Vucicevic, Antar, Ehret - Novakovic. Bis auf den verletzten Wome und den suspendierten Antar dürften am Samstag in Müngersdorf gleich neun Akteure erneut beginnen.

Bei der Borussia nur fünf, denn eine Startelf wie bei der 1:2-Hinspiel-Niederlage wird es nie wieder geben: Heimeroth - Gohouri, Brouwers, Daems, Jaures - Matmour, Alberman, Paauwe, Marin - Friend, Neuville.

Mit Brouwers, Daems, Matmour, Marin und Friend werden gerade einmal fünf Borussen wieder in der Startelf stehen. Wobei ein kleines Fragezeichen noch hinter Friends Mitwirken steht; der Kanadier hat Beschwerden an der Achillessehne.

Die Borussia und der 1. FC Köln fordern in einer gemeinsamen Erklärung ihre Fans zu absolutem Verzicht auf Gewalt auf.

Natürlich gehört zu einem Derby eine gesunde Portion sportliche Rivalität. Aber der Umgang miteinander sollte absolut gewaltfrei sein. Die langjährige tief verwurzelte Rivalität hat Tradition und sollte gelebt werden - dies jedoch ausschließlich mit friedlichen Mitteln! In diesem Zusammenhang begrüßt Borussia Mönchengladbach ausdrücklich, dass der 1. FC Köln auch für Gladbach-Fans keine Reglementierung bezüglich der Fan-Utensilien vorgenommen hat.

Beide Vereine betonen, dass bei der in der Vergangenheit besonders zur Schau getragenen Rivalität der beiden Ultragruppierungen teilweise leider nicht mehr der Fußball im Mittelpunkt stand. Die Gewalt darf sich nicht auf die gemäßigten und besonnen Fans und Fan-Klubs beider Vereine übertragen!

Borussia ist stolz auf ihre Fans und geht davon aus, dass sich alle Fans auch beim Derby - bei aller gesunder und sportlicher Rivalität - von gewalttätigen- und pyrotechnischen Handlungen distanzieren und somit dazu beitragen, dass alle Zuschauer ein friedliches Derby erleben können.
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