Dem Ziel Fußball-Profi näher gekommen

Von: Helga Raue
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Kevin Bosseler (links) und Calvin Page: Die Junioren werden künftig für Borussia Mönchengladbach und Bayer Leverkusen spielen. Foto: A. Steindl

Rott. Die Ostertage wird Kevin Bosseler in Dubai verbringen. Am Sonntag fliegt der 17-jährige Aachener dorthin - mit der deutschen U18-Nationalmannschaft. Ganz soweit ist Calvin Page noch nicht: Doch einmal das deutsche Nationaltrikot überzustreifen, ist auch der Traum des 15-Jährigen, der in Ghana geboren wurde.

Die beiden Jungs sind ihrem Berufsziel Fußball-Profi bereits einen großen Schritt näher gekommen. Bosseler wird in den nächsten Tagen einen langjährigen Vertrag bei Borussia Mönchengladbach unterschreiben, Page hat sich gerade für vier Jahre an Bayer Leverkusen gebunden. Die beiden Aachener haben eine gemeinsame sportliche Heimat: den SV Rott.

In Rott machte Calvin Page vor einem Jahr seine Erfahrungen im Fußball. „Er hat sich zuerst gar nicht getraut, aber schon nach zwei Pässen war klar, dass er Talent hat”, erzählt Andreas Schindler, Jugendsponsor des SV Rott und inzwischen Vormund des 15-Jährigen, der nach einer Odyssee in Aachen gelandet war.

Geboren in einem kleinen Wellbechdorf in der Nähe von Kumasi/Ghana verlor der Junge, der seinen Vater nie gekannt hat, mit zwei Jahren seine Mutter. Der Dorflehrer und Priester nahm ihn auf, doch vor zwei Jahren wurde dieser von einem Baum erschlagen. „Fast ein Jahr lang hat Calvin sich alleine durchgeschlagen, dann hat er sich nachts in einem Lkw versteckt, der zur Hafenstadt Tema fuhr.” Als blinder Passagier kam der damals 13-Jährige per Containerschiff nach Antwerpen und stieg durch Zufall in den Zug nach Aachen. „Die Zöllner haben ihn an der Grenze rausgefischt, und ihn mit Fieber ins Klinikum gebracht”, berichtet Schindler.

In der Jugendhilfe Burtscheid lernte der Aachener Geschäftsmann, der Entwicklungshilfeprojekte in Ghana unterstützt, den verschüchterten Jungen kennen. „Es hat lange gedauert, sein Vertrauen zu erringen. Und da ich einen Sohn im gleichen Alter habe, der beim SV Rott spielt, habe ich Calvin dahin mitgenommen.”

Danach ging es ganz schnell: Ein Spielerpass wurde beantragt, und schon im Relegationsspiel der B-Junioren um den Klassenerhalt in der Mittelrheinliga stürmte Calvin Page. Und sicherte Rott mit seinen beiden Toren den Klassenerhalt. „Calvin bringt alles mit, was man als Fußballer haben muss”, schwärmt SV-Coach Jürgen Lipka. „Er ist unglaublich schnell, für sein Alter enorm wuchtig und zweikampfstark. Er ist hungrig, will immer weiter, das zeichnet ihn vor allem aus.”

Zwölf Tore erzielte Page in der Hinrunde - das blieb den Bundesliga-Scouts nicht verborgen. Der junge Ghanaer absolvierte ein Probetraining in Leverkusen und ein Testspiel gegen den VfL Bochum, der mit vier Nationalspielern auflief: Mit zwei Toren und zwei Vorlagen überzeugte der 15-Jährige die Bayer-Verantwortlichen sofort. „Wir haben uns für Leverkusen entschieden, weil da unserer Ansicht nach die besten Verhältnisse sind”, begründet Schindler, der großen Wert darauf legt, dass der 15-Jährige neben dem Fußball eine gute Schulausbildung erhält. Auch wenn Calvin Page im Moment nur ein Ziel hat: „Ich möchte Fußball-Profi werden. Und vielleicht mal im Nationalteam spielen - für Deutschland.”

Dieses Gefühl kennt Kevin Bosseler bereits. Drei Spiele absolvierte er mit der U18 bisher, schoss zwei Tore. Der Aachener, der die ersten Schritte bei BW Burtscheid und Alemannia Aachen absolvierte, war 2007 nach halbjähriger Zwischenstation bei Germania Dürwiß beim SV Rott gelandet. „Ich bin damals zum SV gegangen, weil dort eine gute Jugendarbeit betreiben wird”, begründet Bosseler seine Entscheidung, die für das Talent zum Sprungbrett wurde. Denn schon im Jahr darauf klopfte Viktoria Köln, dessen A-Junioren in den Bundesliga spielen, bei ihm an. Im Sommer 2009 wechselte er. „Köln hat aber derzeit einige Probleme. Und als unser Trainer Christian Titz, der mich immer mit nach Köln genommen hat, im Dezember aufhörte, habe ich mein Engagement dort ebenfalls beendet”, erzählt Bosseler, der auch Anfragen von Borussia Dortmund und dem 1. FC Köln erhalten hatte.

Er entschied sich für Mönchengladbach, trainiert dort auch bereits, spielen darf er aber noch nicht. „Obwohl die Borussia eine Ablösesumme zahlen wollte, hat mich Viktoria Köln nicht freigegeben”, ärgert er sich vertane Zeit.
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