Das Wunder ist zurück im Borussia-Park

Von: Bernd Schneiders
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Mönchengladbach. Nach nur einer Woche wurde Lucien Favre widerlegt. „Es kann nicht immer Wunder geben”, hatte Borussia Mönchengladbachs Trainer nach der 0:5-Klatsche bei Borussia Dortmund orakelt. „Wir hatten schon zwei.”

Nummer eins war der Nichtabstieg in der Saison 2010/2011. Nummer zwei der vierte Platz in der letzten Spielzeit. Samstag schon gab es Nummer drei: Die Favre-Elf gewann nach zuvor sieben sieglosen Pflichtspielen ausgerechnet gegen die in der Bundesliga noch ungeschlagen Frankfurter 2:0. Ein Sieg, zu Null - soweit das in Ergebnis-Zahlen gegossene Wunder.

Dem wahrhaft wunderhaften aber kommt man am ehesten in der Spielanalyse auf die Spur. Das galt auch für Frankfurts Trainer Armin Veh, der sichtbar darunter litt: „Das ist schwer zu sagen”, begann der ehemalige Gladbacher seine Analyse. „Es ist komisch gelaufen.” Die zwei Tore waren die Höhepunkte in dieser Komik. Beide wunderschön, beide aber hatten auch gar nichts mit einer verbesserten Spielanlage oder womöglich wiedergewonnen Kompaktheit zu tun. Die frühe Führung trägt allein einen Namen: Juan Arango.

Aus dem Nichts zirkelte der Venezolaner aus 31 Metern den Ball in den Winkel (8.). „Wenn es einer kann, dann Arango. Das ist kein Zufall”, grantelte Veh über das Jubiläumsgeschenk, das sich Borussias Edeltechniker zu seinem 100 Bundesligaspiel selbst machte. Lucien Favre versuchte das Wundertor zu kollektivieren. „Vorher gab es eine gute Balleroberung, weil Rupp und Marx sehr hoch attackiert haben.”

De Jong schafft Kontertor

Wundertor Nummer zwei hatte nichts mit hoch, viel mit tief stehen zu tun. Havard Nordtveit schlug einen langen Ball nach vorn, und Luuk de Jong machte etwas, was er angeblich gar nicht kann: ein Kontertor. Er gewann das Laufduell mit Carlos Zambrano und knallte den Ball direkt mit links zum 2:0 ins Tor (24.). Dafür gibt es nur zwei mögliche Erklärungen: der Peruaner wollte sich für den Friedensnobelpreis bewerben, oder Favre hat mit seinem Oranje-Knipser heimlich nachts Sprinttraining gemacht. De Jong selbst hatte eine andere Erklärung: „Klar, bin ich ein Strafraumspieler, aber in dem Moment nutze ich clever den Raum.”

Zwei lichte Momente, die Balsam für die geschundene Seele Borussias sind. Aber rationale Gründe, in dem Überraschungssieg grundlegende Verbesserungen in der Spielanlage zu sehen, gab es nicht. In der zweiten Halbzeit reichte es für Borussia nur noch zu Konter-Ansätzen. Ansonsten sahen die 5 193 Zuschauer „mehr ein Handball- denn ein Fußballspiel”, wie Frankfurts Trainer sich echauffierte. „Gladbach stand unheimlich tief, das habe ich selten so gesehen. Aber wahrscheinlich war es das Richtige.”

Siege brauchen keine Rechtfertigung. Favre versuchte noch mühsam, den Unterschied zu den vorherigen Klatschen zu entdecken. „Wir sind ruhiger geblieben.” Das kann nicht auf Marc-André ter Stegen zutreffen. Der Nationaltorhüter offerierte den Frankfurtern gleich drei Großchancen durch Unsicherheiten, die größte vergab Occéan, als er den Ball am leeren Tor vorbeischob (18.). Die beste Parade ter Stegens war eine Kopfball-Abwehr, als Tony Jantschke den Ball überlegt, hart und punktgenau aufs eigene Tor knallte (49.). Eintrachts beste Chance nach der Pause - wie gesagt, ein wundersames Spiel.

Thorben Marx, der erneut, diesmal neben Nordtveit, die Doppel-Sechs mit defensivem Leben füllen durfte, freute sich über ein Kollektiv-Erlebnis. „Heute haben alle mitgemacht.” Das hohe Lied auf den Kampf also? „Gekämpft haben wir vorher auch schon”, sagt Kapitän Filip Daems. Was also war anders? Das Spiel gibt auch wenig her zu einer Heldengeschichte. „Wenn für mich jemand anders gespielt hätte, hätten wir auch zu Null gewonnen”, gab Marx zu. Aber wohl nicht, wenn Arango oder de Jong nicht dabei gewesen wären.

Mike Hanke meldet sich über Facebook zu Wort

Via Facebook meldete sich Mike Hanke am Vorabend der Partie zu Wort: „Wieder nicht im Kader!” Lucien Favre mochte den Geheimnis-Verrat nicht öffentlich beklagen. Ich habe ein gutes Gespräch mit ihm gehabt”, wich der Schweizer aus. Direkt, und nicht über Facebook. Allerdings auch vor dem Hankeschen Bulletin . . .
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