Das ganz neue Gefühl des Christoph Moritz

Von: Guido Jansen
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Kopf-an-Kopf: Christoph Moritz (links) im schwierigen Duell mit dem Lyoner Torschützen Michel Bastos. Foto: dpa

Lyon. „Das Gefühl kannte ich noch nicht.” Christoph Moritz hat diesen Satz seit dem vergangenen Jahr häufig gesagt. Der 20-jährige Fußballer aus Düren-Arnoldsweiler hat in den zurückliegenden 13 Monaten Dinge erlebt, von denen er zuvor nicht mal zu träumen gewagt hat.

Jetzt, gut eineinhalb Jahre, nachdem Alemannia Aachen ihm eröffnet hatte, dass er nicht aus den A-Junioren in den Profi-Kader übernommen werden sollte und Moritz daraufhin nach Schalke gewechselt war, hat der Mittelfeldspieler seinen ersten Einsatz in der Champions League gehabt. Und dabei wieder ein neues Gefühl kennen gelernt. „Ich erlebe gerade zum ersten Mal mit, wie es ist, wenn es nicht läuft”, erzählt der 20-Jährige.

An den ersten drei Bundesliga-Spieltagen ist es den als Mitfavorit gestarteten Schalkern nicht gelungen, auch nur einen Punkt einzufahren. Das 0:1 im Auswärtsspiel zum Auftakt der Champions League-Gruppenphase bei Olympique Lyon war die vierte Niederlage in Folge. Besiegelt wurde sie von Moritz´ verunglückter Kopfball-Rückgabe zu Keeper Manuel Neuer, die den Gegentreffer zur Folge hatte.

„Das ist blöd gelaufen”, sagt der junge Mann, der in einer - verglichen mit der vergangenen Saison - komplett auf den Kopf gestellten Mannschaft vom Mittelfeld-Mann zum Abwehrspieler umfunktioniert worden ist. Trainer Felix Magath habe dem Dürener keinen Vorwurf gemacht. „Denn eigentlich habe ich gar nicht mal schlecht gespielt”, sagt Moritz zu seiner eigenen Leistung.

„Brauchen noch ein bisschen Zeit”

Das Problem liegt auch nicht bei dem Jungprofi. Schalke harmoniert nicht. In der vergangenen Saison spielten die Königsblauen stark, weil Trainer Magath auf unbekannte Namenlose und Grünschnäbel wie Christoph Mortiz gesetzt hat. Jetzt, nachdem der Trainer und Manager in Personalunion Weltstars wie Raul (Zitat Moritz: „Bisher kannte ich Raul nur, weil ich ihn beim Playstation-Spielen oft in meiner Mannschaft hatte. Und plötzlich steht er in der Kabine neben mir”) oder Klaas-Jan Huntelaar ins Revier geholt hat, läuft es nicht. „Wir brauchen einfach noch ein bisschen Zeit, damit Jeder die Laufwege des Anderen kennen lernt”, sagt Moritz zur noch nicht gefunden Harmonie auf dem Rasen.

Abseits des Spielfeldes würde die Mannschaft zusammen wachsen. Selbst der zunächst so schüchtern daher kommende Raul fange an, Witze zu machen. „Ich bin fest davon überzeugt, dass wir bald in die Erfolgsspur zurück kommen”, wirbt der Mann mit den starken Ausdauerwerten um Geduld. Doch gerade diese Tugend dürfte endlich sein angesichts der nächsten Aufgabe. Am Sonntag prallen zwei Religionen aufeinander, wenn Borussia Dortmund zum Revier-Derby auf Schalke zu Gast ist. Die Fallhöhe nach einer erneuten Pleite wäre groß. Um Gelsenkirchen herum wird es unruhig. „Du wirst schon ziemlich häufig darauf angesprochen, dass es jetzt Zeit ist, mit dem Gewinnen anzufangen”, berichtet Christoph Moritz. „Gerade jetzt!”

Eine mögliche Reaktion auf das bisher unbekannte Gefühl des Misserfolges hat der ehemalige Alemanne schon gelernt. Sie lautet: Sich gesund reden. So macht Moritz, genau wie Trainer Magath, einen Aufwärtstrend aus. „Lyon ist keine Laufkundschaft in der Champions League. Man war in der vergangenen Saison immerhin im Halbfinale. Und wir haben uns gar nicht schlecht verkauft.”

Alles, was nichts mit dem Geschehen auf dem grünen Rasen am Sonntag zu tun hat, will der 20-Jährige ausblenden. Beispielsweise die Tatsache, dass sein Marktwert in Fußball-Börsen mit zwei Millionen Euro angegeben wird. „Das ist eine völlig verrückte Zahl. Die interessiert mich nicht. Es ist mir viel wichtiger, dass wir drei Punkte einfahren.”
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