Das dritte Wunder in Gladbach bleibt aus

Von: Bernd Schneiders
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Borussia Mönchengladbach - Hamburger SV
Der Gladbacher Filip Daems und der Hamburger Jonathan Pitroipa (l) versuchen den Ball zu spielen. Foto: dpa

Mönchengladbach. Zahltag im Borussia-Park der Marke Pay-Back: Doch die Profis von Mönchengladbachs konnten ihrem Trainer Michael Frontzeck nicht dessen Geduld, Vertrauen und Dauer-Schutz zurückzahlen. Ihre fußballerische Währung war zu schwach: Der Tabellenletzte verlor gegen den Hamburger SV mit 1:2. Der Wille war erneut da, das schwache Fleisch aber auch.

Im 17. Spiel, nach zehn Niederlagen und 45 Gegentoren ließ Frontzeck sein Gefühl, die Mannschaft fühle sich im gewohnten 4-4-2 am sichersten, Gefühl sein - und baute eine zusätzliche Sicherheit ein.

So ging auch knapp zwei Jahre zuvor Hans Meyer vor, als er Borussia in punktemäßig ähnlich desolater Situation noch vor dem Abstieg rettete. Die als Opa-Taktik geschmähte Variante trug vor allem den Namen Tomas Galasek. Frontzecks Mann für die Ausbügelarbeit einer schier hoffnungslos löchrigen Abwehr hieß gegen den HSV Roman Neustädter. Satte 14 Jahre jünger als der Tscheche, nur acht Bundesligaeinsätze (208 Minuten) gegenüber Champions-League-Erfahrung, Nationalmannschaftskarriere und eine strategische Führungsposition bei Ajax Amsterdam. Doch Frontzeck hat buchstäblich keine andere Wahl für die 4-1-4-1-Variante, erst in der Winterpause soll nachgebessert werden.

Ein Frischling also als Absicherung für eine von den Namen her nicht wettbewerbsfähige Abwehr. Doch erst einmal schien es so, als sollte der Zustand der Defensiv-Abteilung keine große Rolle spielen. Der Tabellenletzte erspielte sich bis zur Halbzeit ein halbes Dutzend bester Chancen. Vor allem Michael Bradley wurde Nutznießer des hinter ihm gestaffelten Neustädters. Der US-Boy tauchte immer wieder im torgefährlichen Raum kurz vor der Strafraumgrenze auf, doch zwei Mal zielte er zu zentral und bereitete damit HSV-Keeper Frank Rost wenig Mühe (19./25.).

Die traditionelle Gänsehaut

Gladbachs Mann aus der Abteilung Feinkost hätte fast den Fans einen Festschmaus kredenzt. Doch Juan Arangos Schuss, abgefeuerte kurz hinter der Mittellinie, verfehlte knapp das leere Hamburger Tor (26.). Igor de Camargo (9.), Marco Reus (8.) und noch einmal Arango (43.) machten das halbe Dutzend für Gladbach voll. Doch das ansehnliche Spiel der Borussia sorgte fast schon traditionell für Gänsehaut bei den Anhängern. Zu oft wurde dieser attraktiv gezwirbelte Fußball-Faden von der erst besten Chance des Gegners abgeschnitten. Diesmal dauerte dies immerhin bis zur 40. Minute. Und Eric Choupo-Moting war so nett, den Bradley-Fehler nicht auszunutzen, ebensowenig wie Heiko Westermann, der vor dem Halbzeitpfiff den Ball per Kopf übers Tor setzte.

45 Minuten lang wieselflinke Angreifer wie Pitroipa und Elia nicht durchflitzen gelassen zu haben: Angesichts des Sprintvermögens von Sebastian Schachten (rechts) und Callsen-Bracker (zentral) zumindest ein halbes Wunder. Das aber pulverisierte Eljero Elia gleich nach der Pause. Schachten ließ sich mal wieder vernaschen, der HSV-Stürmer durfte zentral einnetzen (46.). Das sind Momente, in denen die Frontzecksche Behelfstruppe regelmäßig zusammenzusacken pflegt. Wunder Nummer 2: Gladbach schlug direkt zurück. Flanke von Bradley von links, de Camargo köpfte zum 1:1 ein (48.).

Doch nun schienen die Gäste ihre Lethargie der ersten Halbzeit abzulegen. Gladbach wurde hinten rein gedrängt - und hatte die Super-Chance. Doch Thorben Marx vergab kläglich (70.). Anders als Piotr Trochowski, dessen Freistoß an Feind und Freund vorbei zum 2:1 ins Tor flog (72.). Die Reaktion der Borussia? Das dritte Gladbacher Wunder blieb an diesem Abend aus.
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