Das Aus für 12.000 Fortuna-Manager

Von: Jan Schlegelmilch
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Da war die digitale Fußballwe
Da war die digitale Fußballwelt-Welt noch in Ordnung: Fortuna und die Online Community „deinfussballclub.de” feiern im Südstadion den Start ihres Projekts. Foto: imago/Kölnsport

Köln. Aufstellungen festlegen, Spieler ein- und verkaufen, das Trikotdesign bestimmen: Was Fans sonst nur beim Fußball-Manager auf dem Computer möglich ist, sollte bei „deinfussballclub.de” in die Realität umgesetzt werden. Nach nur drei Jahren steht das Pilotprojekt um den Regionalligisten Fortuna Köln allerdings schon wieder vor dem Aus.

Tausende Fans sollten dem Traditionsverein aus dem Kölner Süden mit ihren Entscheidungen - und vor allem ihrem finanziellen Beitrag - sportlich wieder auf die Beine helfen und zurück in den Profifußball führen. Für 39,95 Euro im Jahr verkaufte „deinfussballclub.de” seit 2008 das Mitbestimmungsrecht in sämtlichen Fragen der Vereinspolitik an die Fans.

30 Euro gingen dabei direkt an die Fortuna. Über 12.000 „Manager” registrierten sich zwischenzeitlich online für das Projekt, mittlerweile ist die Zahl der Mitglieder auf 7390 gesunken. Die rückläufigen Zahlen sind aber nicht der Grund, warum das Experiment nun ab dem 1. Januar 2012 beendet wird.

„Wir haben die Erfahrung gesammelt, dass Transparenz und Mitbestimmung im ambitionierten Fußball nicht so funktionieren, wie wir uns das vorgestellt haben”, erklärt Fortuna-Pressesprecher Burkhard Mathiak. „Wir haben viele Diskussionen mit den Mitgliedern geführt und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass das Projekt irgendwo nicht so funktioniert hat.”

Ganz so einfach wie beim Fußball-Manager auf dem Computer ist es dann also doch nicht, obwohl „deinfussballclub.de” mit diesem Vergleich offensiv geworben hatte. Die Betreiber versprachen den zahlenden Fans durch Online-Abstimmungen zwar Einfluss auf den täglichen Betrieb des Vereins, an vielen Stellen stieß die Idee der Fußballdemokratie aber schnell an ihre Grenzen.

So sei in der Vergangenheit ein Spieler suspendiert worden - die von den Fans geforderte Erklärung konnte der Verein aber nicht geben. „Wir können ja nicht alle Dinge nach außen tragen”, erklärt Mathiak. In einem anderen Fall hatte es Diskussionen um einen Spieler gegeben, dessen Vertrag auf Forderung der Mitglieder aufgebessert werden sollte. „Der Spieler hatte zwar eine ganz gute Saison gespielt, aber das war alleine wirtschaftlich unmöglich für uns”, verdeutlicht Mathiak, dass der Wille der Fans nicht immer berücksichtigt werden konnte. Da überließ der Verein den Anhängern schon lieber belanglose Entscheidungen über die Stadionwurst oder das Trikotdesign.

Kaum vermissen werden die Fans „deinfussballclub.de” aber nicht nur aus diesem Grund. An den Abstimmungen nahmen durchschnittlich ohnehin nur etwa 1000 Mitglieder teil, „die aktive Teilnahme war relativ gering”, sagt Mathiak. „Und die Reaktionen auf die Entscheidung, das Projekt zu beenden, waren sehr verständnisvoll.” Letztendlich zeige dies, dass die Fans nicht das Mitbestimmungsrecht, sondern vielmehr die Fortuna dazu bewegt hätte, an dem gescheiterten Experiment teilzunehmen, so Mathiak.

Darauf will der Verein auch in Zukunft setzen: 39,95 Euro im Jahr dürfen die Fans auch weiterhin zahlen, wenn sie denn möchten. Für diese Summe bietet der Verein jetzt eine Premium-Mitgliedschaft an. Live-Übertragungen der Spiele im Internet, Freikarten oder Chats und Treffen mit Spielern und Trainern inklusive. „Die Fortuna wird weiterhin ein besonderer Verein bleiben, der die Fans mit einbindet”, sagt Mathiak.

Und der Plan, die Fortuna wieder zurück in den Profifußball zu führen, wird auch ohne „deinfussballclub.de” weiter verfolgt. Alles andere bleibt dann aber wohl doch etwas für den Fußball-Manager auf dem Computer.
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