Chihi & Co. zeigen Moral und Charakter

Von: Wilhelm Peters
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Das Kölner Torgestirn: Adil Chihi, Youssef Mohamad und Milivoje Novakovic (von links) feiern gegen den HSV. Foto: imago/T-F-Foto

Köln. Mit knapp 21 Jahren hat ein junger Mensch noch alles vor sich im Leben. Adil Chihi, der Stürmer des 1. FC Köln, hätte vor der Saison beinahe alles hinter sich gehabt bei seinem Verein.

Chihi wollte im letzten Sommer weg, sah keine Perspektive mehr, war unzufrieden, weil er kaum eingesetzt wurde. „Erst wollten wir ihn nicht gehen lassen, haben aber dann gesagt, wenn er nicht anders will, soll er halt gehen”, erinnert sich FC-Manager Michael Meier. „Aber dann wollte Chihi nicht mehr weg.”

Ein halbes Jahr später, wenige Tage vor seinem 22. Geburtstag am 21. Februar, ist alles ganz anders: Der Wirbelwind ist zur festen Größe in der Mannschaft des 1. FC Köln gewachsen, an dem Trainer Zvonimir Soldo zurzeit nicht vorbeikommt.

An diesem „gefühlten Sieg”, wie der Stürmer neben seinem Trainer das 3:3 (1:2) gegen den Hamburger SV zu Recht nannte, hatte Chihi wesentlichen Anteil mit seinem späten Ausgleich (88.). Der fiel zwar glücklich, weil Joris Mathijsen Chihis Schuss unhaltbar für HSV-Keeper Frank Rost abfälschte.

Doch dieses Unentschieden nach einer spektakulären Schlussphase und einem insgesamt trotz einiger Schwächen sehr sehenswerten Auftritt hatten sich die Kölner redlich verdient.

„Ich bin enttäuscht über den Verlauf des Spiels. Wir haben nach dem 1:0 das Fußballspielen eingestellt, sind nach der Halbzeit zwar zurückgekommen, nach dem 3:1 hat die Mannschaft aber wieder das Spielen eingestellt”, war HSV-Coach Bruno Labbadia sauer. „Die Dominanz, die wir normalerweise haben können, haben wir nicht gezeigt.”

Petric trifft im Doppelpack

Als Labbadia den 33-jährigen „königlichen” Neuzugang von Real Madrid, Ruud van Nistelrooy, in der letzten Minute einer denkwürdigen Partie auf den Platz schickte, war es für den Niederländer zu spät, noch etwas bewegen zu können. Seine Kollegen hatten sich dieses Ergebnis selbst zuzuschreiben.

Jansens schneller Führung (2.), als der FC noch im Tiefschlag verweilte, ließ Mladen Petric nach Mohamads blitzsauberem Ausgleich (Kopfball nach Petit-Freistoß/31.) seine Saisontreffer Nummer fünf und sechs zum 3:1 folgen (36., 50./Handelfmeter).

Dann bewies der 1. FC Köln in einer großartigen Aufholjagd nicht nur Moral, sondern auch Charakter und Willensstärke gegen eine Elf, der so langsam der Gedanke an die Champions League abhanden kommt.

Zvonimir Soldos mutige Offensiv-Variante mit zwei Stürmern (Milivoje Novakovic und Sebastian Freis) zahlte sich aus. Der Slowene überwand bei einem Freistoß die HSV-Mauer mit einem Kunstschuss zum 2:3, ehe Chihi noch ausglich.

„Wir sind zweimal zurückgekommen, das war klasse”, sagte Chihi, der sich nicht in der Rolle des Matchwinners sehen mochte: „Ja, ich bin glücklich über mein Tor. Aber als Einzelner kannst du gar nichts machen, wir haben diesen Punkt alle zusammen geholt. So etwas funktioniert nur, wenn du als Mannschaft auftrittst.”

Anlass zur Selbstkritik, die bei den Kölnern unter Soldo inzwischen zur Selbstverständlichkeit geworden ist, formulierte nicht nur der Coach. Sebastian Freis: „Bei allem Selbstvertrauen, das in der Mannschaft gewachsen ist, dürfen wir die Fehler nicht vergessen, die wir gemacht haben. Wir sind dafür bestraft worden.”

Etwa in dem Moment, als der technisch starke und blitzschnelle, zuweilen aber zu eigensinnige Neuzugang Zoran Tosic sich einmal mehr verdribbelte und Marcell Jansen den Ball überlassen musste, der Mladen Petric zur HSV-Führung bediente. Soldo: „Tosic ist spielerisch sehr gut, aber mit 22 auch sehr jung. Er muss etwas vorsichtiger werden und wird dies in der Praxis schnell lernen.”

Zwei Dinge hat Chihi besonders ausgemacht, die der Serbe, der unbedingt zur WM in Südafrika will, mitbringt: „Er macht unglaublich viel Dampf im Spiel, und es macht großen Spaß, mit ihm zusammen zu spielen.” Davon könnte auch Lukas Podolski profitieren, der wieder zentral hinter den Spitzen seine Kreise ziehen könnte, wenn er fit ist. Wen aber will Soldo draußen lassen, wenn der Nationalspieler vielleicht schon am Mittwoch zum Pokal-Viertelfinale in Augsburg genesen ist? Ein Kölner Luxusproblem...
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