Borussias besinnliche Tage im Schloss

Von: Bernd Schneiders
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Aufräumarbeiten: Gladbachs Trainer Michael Frontzeck mit Greenkeeper Georg Vievers im Borussia-Park. Foto: Wiechmann

Tegelen/Mönchengladbach. Die Zugbrücke fehlt, um sich ganz abzuschotten. Aber ansonsten bietet das Bilderberg Chateau Holtmühle vieles, was ein Zufluchtsort bieten sollte für eine Fußball-Mannschaft, die sich besinnen muss. Borussia Mönchengladbach leckt die Wunden nach der erneuten Pleite mit 1:4 bei Borussia Dortmund.

Ein zum Hotel umgebautes Schloss, gut 30 Kilometer von Mönchengladbach entfernt nahe Venlo gelegen, als idealer Ort, Spiele und Fehler zu analysieren und einer Wiederholung vorzubeugen durch entsprechende taktische Übungen?

Vornehmlich geht es um die innere Einkehr zwischen dem ersten und zweiten Advent. Im Fußballjargon wenig festlich Teambuilding genannt. „Es ist alles perfekt. Ruhe, Konzentration, Gespräche, Vorbereitungen, was gegen Hannover auf uns zukommen wird, besonders, was auch die Psyche angeht”, beschreibt Sportdirektor Max Eberl den Hintergrund. Und er lässt auch aufkommende Kritik wegen der schlechten Platzverhältnisse vor Ort nicht gelten. „Lauf- und andere Einheiten absolvieren wir hier, für fußballerische Übungen sind wir in ein paar Minuten am Borussia-Park.”

Ein unsportlicher Schwerpunkt

Der Schwerpunkt aber ist ein „unsportlicher”. Nun muss man es nicht gleich einen Burgfrieden nennen. Aber es gab schon Anlass, die Mannschaft auch räumlich zusammenrücken zu lassen und mehr Raum zu Gesprächen zu bieten. Nach der achten Niederlage und dem 44. Gegentor in Dortmund zeichneten sich Tendenzen zur Schuldzuweisung ab. Die Viererkette an sich, in Gestalt von Rechtsverteidiger Tobias Levels, wollte nicht für alles Abwehr-Elend dieser Borussen-Welt verantwortlich sein. Und wies auf die „Vorarbeit” zu den Toren im zen- tralen Mittelfeld hin.

Max Eberl hält das „für verkehrt”. Es gehe um die Kompaktheit der gesamten Mannschaft, nicht um Fehler der Sechser oder Viererkette. Zudem sollte man solche Dinge nur intern besprechen. Das ist passiert und passiert noch in den Schlossgesprächen. Obendrein ist Eberl überzeugt, dass die Offensiv-Aktion des Verteidigers nicht gegen Borussias Doppel-Sechs gerichtet war. „Sonst würde Tobi ja seinen besten Freund Michael Bradley angreifen.”

Das Problem, nach bestimmten Ereignissen - in der Regel Gegentore - auseinanderzufallen oder, wie Michael Frontzeck es ausdrückte, „die Fassung zu verlieren”, könne nur in der Gruppe gelöst werden. Auch weil es ein Gruppen-, ein Verbundproblem ist. „Der eine will unbedingt das Tor machen, andere sich weiterhin an die Direktiven des Trainers halten. Und schon ist das Spielfeld nicht mehr 30, sondern 40 Meter lang.”

Der personifizierte Allein-Retter aus solchem Wirrwarr ist nicht da und auch in Eberls Augen keine Garantie. „Wir haben nicht das Super-Alpha-Tier, wie es etwa Mark van Bommel ist. Und auch das könnte sich ja verletzen.”

Gemeinsamkeit ist für den Manager weiterhin das Zauberwort. Und da passt es, dass er behauptet: „Wenn wir komplett geblieben wären, sähe die Situation ganz anders aus. Ich bin von unserem Kader überzeugt.” Nachbesserung in der Winterpause schließt Eberl dennoch nicht aus. „Wenn aber überhaupt, dann nur punktuell - ohne Aktionismus.”

Klare Ansage an Bailly

Zuviele Groller auf der Bank bringen Unruhe. Das beweist Ex-Stammtorhüter Logan Bailly, der sich an Standard Lüttich ausleihen möchte. „Er hat eine klare Ansage bekommen”, sagt Max Eberl. Grundsätzlich aber hat er Verständnis für den derzeit verletzten 24-jährigen Belgier. „Er hat so eine Phase noch nicht erlebt. Aber er wird zurückkommen und muss sich dann dem Konkurrenzkampf stellen. Profifußball ist kein Wunschkonzert. Aber wir werden ihm dabei helfen. Allerdings muss er sich auch helfen lassen.”

Ein Lernprozess für den noch jungen Torhüter. Auch, was Interviews angeht. „Er muss erkennen, dass er nur benutzt wird, um Unzufriedenheit zu schüren.” Der Lernprozess hätte beschleunigt werden können - im Trainingsschloss. Doch die dortigen Folterkammern eignen sich nicht zur - körperlichen - Reha-Arbeit.
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