Kiew - Borussia zur Offensive gezwungen: Stranzls Traum vom frühen Tor

Borussia zur Offensive gezwungen: Stranzls Traum vom frühen Tor

Von: Bernd Schneiders
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Die Lücken finden und ein sch
Die Lücken finden und ein schnelles Tor erzielen - fordert Martin Stranzl, hier in der zweiten Etage. Foto: imago/v. d. Laage

Kiew. Wenn ein Trainer philosophisch wird, steht zumeist ein besonderes Spiel an: „Alles ist möglich, im Leben wie im Fußball”, orakelte Lucien Favre. Diese Aussage - irgendwo zwischen Trotz und Zweck-Optimismus - ist auf Borussia Mönchengladbachs fast „mission impossible” gemünzt.

Nach dem 1:3 zuhause gegen Dynamo Kiew muss der Bundesligist heute im Rückspiel 3:0 oder aber ab vier Tore aufwärts mit zwei Treffern Differenz gewinnen, um doch noch in die Gruppenphase der Champions League einzuziehen.

Nicht gerade eine alltägliche Situation für einen Fußballlehrer, der so sehr auf Organisation und Balance zwischen Offensive und Defensive setzt. Ein Patentrezept hat der Schweizer nicht parat, oder verrät es zumindest nicht. „Wir müssen uns viele Torchancen herausspielen”, lautet sein eher karger Hinweis. Kantersieg mit System? Mit einer Mannschaft, die noch längst nicht eingespielt ist, die ihr System noch auf einen neuen Torjäger ausrichten muss?

15 Minuten erlaubt die Uefa den Journalisten, einen letzten Eindruck vom Abschlusstraining zu gewinnen. Und war es nicht so, dass Lucien Favre seine Profis sich noch nie so offensiv hat aufwärmen lassen, wie an diesem kühlen Abend im Olympiastadion zu Kiew? Und wer 20 Stunden vor dem Anpfiff in der blau-gelb ausstaffierten EM-Spielstätte so akribisch die Hütchen aufstellt, wird der nicht heute Tore dafür ernten?

„Wir müssen ein frühes Tor erzielen”, gibt Martin Stranzl vor. Der Mann ist Österreicher, über 30 und hat Champions-League-Erfahrung. Ein frühes Tor also will er - und kommt erst einmal zu spät zur letzten Übungs-Session, aber aus gutem Grund. Einmal, weil er als Gesprächspartner mit all seiner Routine solche Glaubensbekenntnisse besonders glaubwürdig rüberbringen kann. Besonders aber, weil er Interviews auf Russisch führen kann. Fünf Jahre Spartak Moskau hat Stranzl nicht nur dazu genutzt, seinen Gelbeutel und seinen Erfahrungsschatz aufzufüllen.

Er parliert so fließend, dass er auf der Pressekonferenz den ukrainischen Dolmetscher mit seinem russischen Monolog überfordert. Der war nur drauf eingerichtet, für seine Landsleute zu übersetzen, doch die Transaktion vom Russischen ins Deutsche geriet ihm aus den Fugen. „Kiew wird versuchen, uns zu locken, um dann die Konter spielen zu können”, prophezeite Stranzl zum Glück schon vorher auf Deutsch.

Einer, der kein Russisch, aber eine Menge anderer Dinge kann, nickt eifrig. „Ich habe alle Systeme gespielt”, verkündet der 54-Jährige. Und meint damit, dass es „das” System für die knifflige Aufgabe nicht gibt. „Das ist nicht so einfach zu sagen. Capello hat ein 3-6-1 gespielt, nachdem er Roma übernommen hat - und ist damit Meister geworden.” Die Formel, je mehr Stürmer um so mehr Tore, greift also nicht. „Es wird nichts bringen, alle nach vorne spielen zu lassen - und dann kassieren wir ein Tor. Das wäre dumm”, entrüstet sich Favre.

Für den Mann, der sich so gerne so akribisch vorbereitet, wartet heute wohl seine größte Taktik-Aufgabe. Attackieren, organisiert, mit heißem Herzen und kühlem Verstand. Dass ihr dieser Spagat gelingen könnte, danach sah seine Mannschaft in den ersten drei Pflichtspielen nicht mal ansatzweise aus.

Und so gehen nicht zufällig Stranzls Gedanken schon über das heutige Spiel hinaus. „Wir müssen uns verbessern, den nächsten Schritt machen. Wir müssen schnell spielen, Lücken finden. Das ist unsere Aufgabe”, fordert der Österreicher.” Nach dem mühevollen 2:1 zum Bundesliga-Auftakt über Hoffenheim lässt sich das einfacher formulieren.

Eine Niederlage auch dort hätte dem gesamten Start in die Pflichtspiele das Vorwort „Fehl-” verliehen. Heute könnte durch eine auf Konter lauernde Kiewer Mannschaft Borussia zum neuen Glück gezwungen werden: Hoch stehen, die Wege zum gegnerischen Tor kürzer machen - um so Luuk de Jong seine Stärken ausspielen lassen zu können. Im Fußball ist alles möglich.

Voraussichtliche Aufstellung: ter Stegen - Jantschke, Stranzl, Dominguez, Daems - Nordtveit, Xhaka - Ring, Arango - Hanke, de Jong
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