Borussia Mönchengladbach kann doch noch verlieren

Von: Bernd Schneiders
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Gladbach
Schalkes Jefferson Farfan (l.) im Duell mit Mönchengladbachs Filip Daems. Foto: dapd

Gelsenkirchen. Die Frage, wo gehts hin, ist für Borussia Mönchengladbach noch nicht beantwortet. Die, wo kommst Du her, beantwortet Lucien Favre gebetsmühlenartig mit „Platz 16” - in der letzten Saison.

Und dank einem funktionierenden Kurzzeitgedächtnis, das Borussias Trainer gerne zur demütigen Dauereinrichtung machen möchte, kann man auch schon mal eine 0:1-Niederlage auf Schalke und selbst den Verlust von Platz 1 verkraften.

Beruhigend obendrein, dass die Favre-Elf auch diesmal Chancen für ein Unentschieden oder gar für einen Sieg hatte. Für den so „trainingsfleißigen” Schweizer Fußballlehrer gabs aber auch die Erkenntnis, dass es noch genug an Unterrichtsstoff gibt und obendrein einige Spieler sich für Nachhilfestunden angeboten haben.

Wie etwa Marco Reus. Borussias spektakulärster Spieler beging wie schon beim ersten Heimspiel gegen den VfB Stuttgart den Fehler, zu sehr in die Mitte zu drängen. So spielte sein Mannschaft zwar in der ersten Hälfte recht gefällig, doch dem Spiel des da noch Tabellenführers fehlte jede Tiefe.

Es gab jemanden, der von diesem Manko besonders angetan war: „Am meisten freue ich mich über das zu Null”, bekannte Schalkes Trainer Ralf Rangnick, der bisher bei aller offensiven Durchschlagskraft zu häufig eine durchlässige Abwehr beklagen musste. „Das war das beste Spiel meiner Mannschaft gegen den Ball.”

Das konnte sein Kollege Lucien Favre an diesem Tag nicht sagen. Auch nach hinten wurde zu viel zugelassen. Besonders Tony Jantschke hatte auf seiner rechten Abwehrseite enorme Probleme gegen das immer wieder vorstoßende Gespann Julian Draxler und Christian Fuchs. Speziell wenn das gekonnte, aber übertriebene Kombinationsspiel zwischen Reus und Mike Hanke unterbunden und Schalke in die Lücke stoßen konnte.

„Wir haben zu kompliziert gespielt”, analysierte Favre. „Wir hatten zu viele leichte Ballverluste.” Auch das ist nicht neu, und es grenzte fast schon an ein Wunder, dass die Königsblauen dies nicht für ein Tor ausnutzten.

Die vom Schweizer so oft thematisierten Details schlugen auch im offensiven Spiel seiner Mannschaft durch. Immer wieder fehlte neben der Tiefe die letzte Präzision, beim letzten Pass oder auch beim Abschluss. Hanke etwa hatte zwei Mal (20./43.) die Führung auf dem Fuß - und scheiterte.

Das ausgeglichene Spiel kippte nach der Pause zugunsten der Schalker. Die hatten sich die Europa-League-Müdigkeit aus den Beinen gespielt, standen wesentlich höher, Borussia verlor komplett die Spielkontrolle.

Die Schalker Führung war die logische Folge des zunehmenden Drucks und in seiner Art vor allem Ausdruck absoluten Siegeswillens. Raul überwand Marc-André ter Stegen, der mit einer Wadenzerrung ins Spiel gegangen war, erst im dritten Versuch. Zweimal rettete Gladbachs Jung-Torhüter glänzend (64.).

Keine Punkte also für die Elf vom Niederrhein, dafür aber Lob von Ralf Rangnick. „Ich habe Lucien schon vor dem Spiel dazu gratuliert, was er aus dieser Mannschaft gemacht hat. Sie versucht jede Situation, fußballerisch zu lösen.”

Da wollte der Gelobte auch nicht nachstehen und konstatierte nüchtern: „Der Sieg für Schalke war verdient.” In seinen Augen überforderte sich seine Mannschaft selbst. „Das technische Tempo war zu hoch für uns.”

Fehler in der Ballannahme waren die Folge. Aber auch er selbst scheiterte in der Schlussphase an einer technischen Herausforderung. Seine Ballannahme wurde vom eingewechselten Alexander Baumjohann energisch unterbunden.

„Ich wollte den Ball schnell zurück ins Feld bringen. Aber als Spieler hätte ich das auch so gemacht”, spielte er den Zusammenstoß herunter, bei dem er sehr erschrocken und dann ungewohnt erbost reagiert hatte. „Baumjohann ist nachher in die Kabine gekommen. Das ist kein Problem.” Als Tabellenfünfter kann man noch locker bleiben, besonders als ehemaliger 16.
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