Borussia Mönchengladbach: Catenaccio gegen Fenerbahce?

Von: Bernd Schneiders
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Nun auch auf der Suche nach der defensiven Stabilität: Lucien Favre. Foto: imago/osnapix

Mönchengladbach/Aachen. Gelingt Lucien Favre der Alterungsprozess in nur zwei Trainingseinheiten à 70 Minuten? Nur die blieben dem Schweizer Trainer, um nach der 0:5-Klatsche bei Borussia Dortmund in einem Crashkurs das „torichte” Verhalten wieder abzugewöhnen.

Montag war frei, am Mittwoch kann der 54-Jährige seine Profis von Borussia Mönchengladbach nicht mehr ernsthaft belasten, weil Donnerstag (21.05 Uhr) das Heimspiel gegen Fenerbahce in der Europa League ansteht. „Wie ein Junioren-Team”, hatte Favre nach der Blamage in der ersten bis fünften Erregung gewettert - bevor ein Trainer der schreibenden Zunft seine Analyse mitteilen kann, muss er erst das Spalier der zahlreichen TV- und Radiosender abklappern. „Schüler-Fußball” ist die Steigerung von Mike Hanke bei der Beschreibung, wie die Gegentore gefallen sind.

140 Minuten also, um zu verhindern, am Donnerstag das Repertoire mit den Begriff „Pampers League” zu erweitern. Max Eberl hatte sinniert, dass womöglich zu viel über die fehlenden Offensiv-Qualitäten gesprochen worden sei. Zu viele könnten sich denn auch während des Spiels zu Höherem geboren fühlen, als sich erst mal um so irdische und unspektakuläre Dinge wie Abwehrarbeit mit Aggressivität im Zweikampf, Laufbereitschaft und sicherem Passspiel zu kümmern. Die Arbeit gegen den Ball also, wie es so (un)schön im Fußball-Neudeutschen heißt.

Der Gladbacher Sportdirektor bewegt sich dabei auf der mentalen Ebene. Was aber, wenn diese eigentlich banale (An-)Forderung kein reines Kopfproblem ist, sondern in Verkennung der neuen Situation in dieser Saison auch in der Trainingsarbeit nicht genügend Eingang gefunden hat? Was, wenn auch Lucien Favre zu sehr der verlorenen Durchschlagskraft, Kreativität, Schnelligkeit und Torgefahr verhaftet war? Was, wenn er die Bastelarbeiten an der inzwischen verlorenen Kompaktheit und Defensivstärke vernachlässigt hat in dem Bemühen, sein altes „Reus-System” mit eigentlich dafür untauglichem Personal zu retten? Mit neun Wochen war die Vorbereitungszeit ungewöhnlich lang. Und von der Stammmannschaft der glorreichen bis glorifizierten abgelaufenen Saison sind nur drei Spieler „desertiert”, von denen einer - Marco Reus - mit der defensiven Stabilität am wenigsten zu tun hatte.

Der (zu) hohe Anspruch und das Mäkeln ihres Trainers könnte die „Zurückgebliebenen” dazu verführt haben zu versuchen, weiterhin wie der FC Barcelona, Favres großes Vorbild, zu spielen - ohne aber dafür nicht nur nicht die Spieler zu haben, sondern auch ohne die taktisch-strukturelle Grundlage. Borussia befindet sich derzeit in einem System-Niemandsland. Das alte geht nicht mehr, das neue noch nicht.

Für eine Konter-Taktik fehlen die Dauer-Sprinter, für ein Forechecking mit dominant-aggressivem Spiel offensichtlich die Kenntnisse und/oder Fähigkeiten. Zumindest was Wettbewerbs-Fußball angeht, der unglücklicherweise auf 90 Minuten und mehr angelegt ist. Was also tun, etwa am Donnerstag gegen Fenerbahce? Thorben Marx für Granit Xhaka bringen? Ha! Fast scheint es so, als wäre der einzige Fluchtweg, mit einem Neo-Catenaccio auf ein 0:0 zu spekulieren. Und auf einen Glanz-Abend von Torhüter Marc-André ter Stegen zu hoffen, der am Dienstag das Training wieder aufgenommen hat.

So könnten sie spielen: ter Stegen - Jantschke, Stranzl, Dominguez, Daems - Nordtveit, Xhaka - Herrmann, Arango - de Camargo, Hanke
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