Borussia hat noch 16 Versuche ...

Von: Marc Basten
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Unterlegen: Borussias „Libero” Tomas Galasek grätscht VfB-Profi Martin Lanig ab. Eine gute Stunde lang verlieh Mönchengladbachs „freier Mann” seiner Abwehr Halt, dann gab es die fast schon traditionelle Niederlage. Foto: imago/Avanti

Stuttgart. „Man weiß, dass man in Stuttgart verlieren kann”, sagte Mönchengladbachs Trainer Hans Meyer nach dem 0:2 zum Rückrundenauftakt beim VfB Stuttgart. Das ist keine exklusive Erkenntnis des 66-Jährigen, zumal er mit dem Tabellenletzten in der Mercedes-Benz-Arena antrat.

Dennoch gab es keinen Widerspruch, als Paul Stalteri behauptete, dass „diese Niederlage sehr, sehr bitter ist. Wir hätten sicherlich mindestens einen Punkt verdient gehabt”. Auch Tomas Galasek, neben Torwart Logan Bailly und Stalteri einer von drei Winterneuzugängen in der Startelf, war betrübt über den Ausgang seiner Pflichtspielpremiere für die Borussia. „Wir waren gleichwertig. Es ist sehr schade, dass wir mit leeren Händen dastehen.”

Der 36-Jährige Tscheche spielte in Stuttgart einen waschechten Libero. Oder wie man es heute ausdrückt: den freien Mann in einer Dreierabwehrkette. Für Stuttgarts Torjäger Mario Gomez, der sich lange Zeit die Zähne an der gut gestaffelten Gäste-Abwehr ausbiss, ein Relikt aus vergangenen Tagen. „So ein System hab ich zuletzt vor 60 Jahren gesehen.” Sagte der 23-jährige (!) National-Stürmer. Hans Meyer aber hatte sich für dieses 3-4-3 System entschieden, weil „es aktuell für uns bei einem Auswärtsspiel in dieser Konstellation das Beste ist”.

„Da war System drin”

Mehr als eine Stunde lang sollte Borussias Trainer mit dieser Einschätzung recht behalten. „Bis zum Gegentor haben wir es sehr ordentlich gemacht. Da war System drin, wir konnten den Gegner neutralisieren und spielten vor der Pause bei eigenem Ballbesitz relativ sicher.”

Die Folgen waren im kalten Stadion unüberhörbar. „Stuttgart wirkte leicht verunsichert, das Publikum wurde unruhig”, hatte Meyer bemerkt. Doch seine Mannschaft ließ im Spiel nach vorne „die letzte Konsequenz” vermissen. Offenbar waren die Borussen ein klein wenig überrascht, welche Möglichkeiten die Stuttgarter anboten. „Wir haben wohl nicht zu 100 Prozent daran geglaubt, hier etwas holen zu können”, machte Meyer ein wenig Angst vor der eigenen Courage bei seinen Mannen aus.

So ließ Mittelstürmer Rob Friend zwei gute Chancen liegen, und weitere vielversprechende Angriffe wurden nicht finalisiert. „Wir hätten den VfB durchaus noch mehr kitzeln können, als wir es ohnehin schon gemacht haben”, sagte Meyer.

Die „Kitzelattacke” der Gladbacher verpuffte in der 67. Minute, als die Stuttgarter eigentlich aus dem Nichts heraus in Führung gingen. Noch dazu mit tatkräftiger Unterstützung von Roel Brouwers, der nach einem Marica-Schuss seine Beine nicht mehr rechtzeitig ordnen konnte und den Ball ins eigene Tor bugsierte. „Wir hatten die Möglichkeit, drei Punkte zu holen. Deshalb ist es doppelt bitter, mit leeren Händen nach Hause zu fahren”, sagte der Niederländer. „Ich wollte den Ball vor der Linie wegschlagen, hatte ihn aber leider nicht richtig erwischt. Er wäre aber auch so reingegangen.”

Danach wechselte Meyer mit Oliver Neuville, Marko Marin und Roberto Colautti noch drei Offensivkräfte für eine mögliche Aufholjagd ein. „Eigentlich wollte ich damit etwas Gutes tun, doch das Gegenteil war der Fall”, musste Meyer einräumen. „Wir sind aus der vorher so guten Organisation herausgekommen und standen so schlecht, dass wir das Ergebnis letztlich rechtfertigen.”

Das Tor von Nationalspieler Mario Gomez vier Minuten vor Schluss sorgte für das allgemein erwartete Endresultat. „Wenn wir 2:0 verlieren, hilft es uns natürlich auch nicht, dass wir es siebzig Minuten richtig gut gemacht haben”, resümierte Hans Meyer.

Tabellenführer kommt

Dem nackten Ergebnis zum Trotz wird Meyer das Spiel in Stuttgart als Fortschritt zu werten wissen. Klar ist aber auch, dass letztlich nur der Erfolg zählt. „Wir haben noch 16 Versuche. Davon dürfen wir allerdings nicht mehr allzu viele punktlos bestreiten.” Am nächsten Samstag kommt Tabellenführer Hoffenheim in den Borussia-Park ...

Hans Meyer wie Helmut Schmidt

Der Unternehmensberater Reinhard K. Sprenger hat Hans Meyer, den Trainer von Borussia Mönchengladbach, mit Altbundeskanzler Helmut Schmidt verglichen. Im Interview mit der Rheinischen Post sagt er über Meyer: „Ich mag es sehr, welche Unabhängigkeit dieser Mensch lebt. Das kann man auch bei Helmut Schmidt erkennen, der sich einen Teufel darum schert, was die Leute von ihm denken.”

Der Autor des Buchs „Gut aufgestellt” ist überzeugt, dass Manager vom Sport lernen können. „Ein kleines bisschen mehr an Emotionalität wäre auf mancher Vorstandsetage wünschenswert.” Arsene Wenger, Trainer bei Arsenal London, würde seiner Ansicht nach auch in der Wirtschaft als Führungskraft Erfolg haben.

Christoph Daum, Trainer des 1. FC Köln, spricht er diese Qualität indes ab: „Ich glaube, er hat etwas Wesentliches noch nicht mitbekommen. In der Wirtschaft haben wir einen Paradigmenwechsel, hin zu einem postheroischen Management. Nicht mehr der große Zampano, der Motivator, der Anschreier ist gefragt, sondern mehr bescheidene, fast demütige Leute, die gar nicht so sehr charismatisch sind, sondern die in der Lage sind, andere Leute auszuwählen, sie einzusetzen und vielleicht zu fördern.”
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