Borussia besiegt Hertha und das Bochum-Trauma

Von: Bernd Schneiders
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Kaum zu glauben: Roel Brouwers, von Arne Friedrich verdeckt, macht gegen Jaroslav Drobny sein zweites Saisontor. Foto: imago/Team2

Mönchengladbach. . Michael Frontzeck beugt sich nach vorne im Kabinengang, massiert sich die Oberschenkel und stützt sich erschöpft auf ihnen ab. Fast könnte man meinen, der Ex-Profi hätte teilgenommen beim nächsten Spektakel, das Borussia Mönchengladbach diese Saison den Zuschauern zu bieten pflegt.

„Das ist an die Substanz gegangen, nervlich und auch körperlich”, stöhnte der Gladbacher Coach. Doch die Erholungs-Zeit wird erleichtert durch den Erfolg: einem 2:1-Kampfsieg über Hertha BSC.

„Es war ein sehr gutes Spiel - für die Zuschauer. Das ist das Wichtigste. Für die Trainer ist das was anderes”, bestätigte auch sein Kollege Lucien Favre.

Immerhin aber raffte sich Frontzeck noch zu einer kurzen Analyse nach der offiziellen Pressekonferenz auf. „Ich kann jetzt nicht weiterreden”, setzte er wenige Minuten später ermattet, aber zufrieden auf das Verständnis der ihn umzingelnden Journalisten. Einem Sieger wird diese Schonung gewährt.

Es waren nicht nur die Hitzetemperaturen im Borussia-Park, die seinen Mönchengladbachern zu schaffen machten. Von wegen die „alte Dame Hertha”: Die kam nicht mit der Gehhilfe daher, wie auch Sportdirektor Max Eberl gesehen hatte: „Wir mussten viel mehr laufen.”

Die Ein-Spitz-Formation der Berliner mit Artur Wichniarek vorn und den extrem flexiblen Offensivkräften Kacar und Raffael dahinter machten der neu formierten Abwehrreihe und dem Mittelfeld der Borussia das Leben schwer.

In puncto Schnelligkeit, gedanklich und körperlich, und Technik war der Gast überlegen. Nicht unerwartet. Und dennoch gerade in der Anfangsphase so extrem, dass man sich kaum vorstellen konnte, dass Borussia unbeschadet da rauskommen würde.

Zu schnell ging der Ball verloren, die Frontzeck-Elf kam nicht in den Rhythmus. Immer wieder Chancen der Herthaner, aber überwiegend der Marke beinahe. „Uns hat die Überzeugung gefehlt”, kritisierte Lucien Favre den mangelnden Ertrag.

Entlastung gab es für die Heimelf kaum, auch weil Raul Bobadilla noch immer auf der Suche ist nach der Balance zwischen Eigensinn und Abspiel. Zudem musste sich sein neuer Sturmpartner Oliver Neuville auch erst mal reinfinden in die neue Rolle als Colautti-Ersatz.

Der Israeli hatte sich zuletzt durch Torgefährlichkeit und Arbeit im Dienste der Mannschaft fast unentbehrlich gemacht, war aber mit Wadenproblemen vom Länderspieleinsatz zurückgekehrt.

Aber unentbehrlich - das gibt es nicht mehr für Borussia anno 2009: Gegen Hertha „fehlten sieben vermeintliche Stammspieler”, konstatierte Sportdirektor Max Eberl beinah stolz. „Hertha hat gut Fußball gespielt. Wir aber haben mit Moral und Charakter dagegengehalten. Und versucht, Nadelstiche zu setzen.”

Und der erste saß gleich: Roel Brouwers köpfte nach einer Bogenlampe von Tobias Levels zur überraschenden Führung ein (25.). Bereits der zweite Treffer für den niederländischen Innenverteidiger. Normalerweise wäre das 2:0 durch Karim Matmour (52.), nach schönem Steilspiel von Bo- badilla und Querpass von Neuville, Balsam für die Nerven von Zuschauern und Borussen-Spielern gewesen.

Wenn nicht die Erinnerung an das 3:3 in Bochum nach 3:0-Führung gewesen wäre. Erst recht nach dem schnellen Anschlusstor von Kacar durch einen Kopfball nach Ecke von Raffael nur eine Minute später. „Aber dann haben wir richtig dagegengehalten, weil wir das Trauma von Bochum besiegen wollten”, erklärte Tobias Levels.

„Jeder ackert für jeden”, beschrieb Thorben Marx den einzig machbaren Weg für die fußballerisch unterlegenen Gladbacher. Gemeinsamkeit als Credo, Ersatzspieler inklusive, bei der Aktion: so weit die Füße tragen.

Die von Marx quittierten nach 84 Minuten ihren Dienst. Doch ab der 70. Minute hatte sich auch Einständler Marcel Meeuwis eingespielt: Er wurde nun zum Herrn der zweiten Bälle. Und auch der eingewechselte Marco Reus sorgte für mehr Entlastung als zuvor Neuville. Rennen bis zum Sauerstoff-Blackout: Marx hatte seine sieben Sinne schon kurz nach dem Schlusspfiff wieder beisammen. Platz 4 nach zwei Spielen, aber: „Für die vier Punkte können wir uns nichts kaufen.”
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