Bonhof: „Das Derby ist nur eine weitere Chance”

Von: Bernd Schneiders
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So ist es, so soll es sein: An Rainer Bonhofs Gesichtsausdrücken lässt sich die derzeitige Lage bei Borussia Mönchengladbach genauso leicht ablesen wie die mögliche Zukunft, die der Vizepräsident erwartet. Foto: imago/Uwe Kraft

Mönchengladbach. Gelassenheit ist eine der angenehmen Tugenden von Michael Frontzeck, dem Trainer von Borussia Mönchengladbach. Selbst in Situationen, in denen andere schon in Panik verfallen und aktionistisch an welchem Rad auch immer drehen. Als Tabellenletzter ist diese Ruhe nicht unbedingt zu erwarten, erst recht nicht in einem Klub, der bis vor zwei Jahren als Treibsand-Ort für jeden Trainer galt.

Da passt es, dass diese fast stoische Ruhe auch auf Präsidiumsebene vorgelebt wird. Dort ist seit 21 Monaten Rainer Bonhof installiert, um seine Erfahrung und sportliche Kompetenz gerade auch in unruhigen Zeiten einzubringen. Die Borussia-Ikone ist dabei in seiner Wesensart Frontzeck sehr nahe: In der Ruhe liegt die Kraft. Und die bewahrt der 58-Jährige auch vor dem Derby morgen beim 1. FC Köln. Tabellenletzter beim Tabellenvorletzten: Die unerwartet schlechte Situation lässt Bonhof dennoch nicht einen Deut am Trainer und der neu entwickelten Philosophie Borussias zweifeln.

Sie kommen gerade aus einer Präsidiumssitzung. Wie oft mussten Sie denn bereits Ihren beiden Kollegen erklären, dass Michael Frontzeck mit der Mannschaft aus dieser Situation herauskommt?

Bonhof: Die sehen das ähnlich wie ich. Wir sind gut angefangen, und sind dann nach dem 6:3 in Leverkusen eingebrochen . . . Da haben die Spieler zu viel Euphorie mitgenommen und gedacht, mit falschem Aufwand das gleiche zu erreichen.

Aber das kann ja nicht alles sein . . .

Bonhof: Nein, wenn man Fußball gespielt hat, weiß man, wie schwer es ist, wenn du einmal in diesem Abwärtstrend bist, unter Druck im Stadion das abzurufen, was du dir eigentlich erarbeitet hast. Zudem kommt vor allem auch, dass wir einfach noch nicht zu der Stabilität gefunden haben, die uns in der letzten Saison ausgezeichnet hat.

Warum nicht?

Bonhof: Das ist keine Entschuldigung, aber eine Erklärung: Damals hatten wir in den letzten 26 Spielen nur zwei Wechsel. Diese Saison mussten wir bisher schon mit vier Veränderungen in der Viererkette spielen.

Elf Spiele, sieben Punkte, 33 Gegentore, Platz 18 - es hat in der Vergangenheit schon weniger bedurft, um bei der Borussia den Trainer zu feuern. Ist die Geduld gestiegen?

Bonhof: Damals war ich nicht dabei, da will ich nichts zu sagen. Die Sache ist eigentlich relativ einfach: Betrachten Sie doch nur mal die Einwechslungen gegen die Bayern. Anschließend haben wir das Spiel gedreht. Solange ich erkenne, dass der Trainer und die Sportliche Leitung die Mannschaft erreichen, habe ich überhaupt kein Problem. Außer, dass uns natürlich die Punkte fehlen.

Kommt da ein Derby gegen Köln eher ungelegen?

Bonhof: Das ist schön für euch zum Schreiben, besonders wenn beide Teams neben der ohnehin vorhandenen Brisanz auch noch unten drinstehen. Zuletzt waren es die Bayern, jetzt der FC. Das ist völlig egal. Das Spiel gegen Köln ist für uns nur eine weitere Chance, uns bis zum Winter zu verbessern.

Was ist denn konkret das Problem?

Bonhof: Es ist einfach zu oft passiert wie in Kaiserslautern: Da haben wir schlecht gespielt, aber wenigstens kompakt gestanden und wenig zugelassen, und dann bekommst du ein Tor von Tiffert, das eigentlich nicht zu verhindern ist, und du machst plötzlich auf. Das darf nicht passieren. Das wäre uns letztes Jahr auch nicht passiert, da wären wir geduldig geblieben und hätten auf die Chance gewartet - und die wäre gekommen.

Sehen Sie denn Licht im Tunnel?

Bonhof: Ja, es ist ein zäher Prozess, der sich auch vor allem im Kopf abspielt. Aber gegen Bayern haben wir gesehen, dass die Mannschaft den Kampf angenommen hat.

Bei einem Blick auf die Tabelle kann einem Angst und Bange werden. Denn der VfB Stuttgart und Schalke werden wohl nicht mehr lange unten drinbleiben und viele vermeintliche Konkurrenten im Kampf gegen den Abstieg haben fleißig Punkte gesammelt.

Bonhof: Sie sind aber noch in Schlagweite - von Mainz einmal abgesehen. Es geht darum, die Lücke zu schließen. Wenn´s geht, sehr schnell. Der VfB und Schalke werden beide nach oben durchstarten. Warum aber nicht wir auch?

Weil es nicht so einfach ist, immer mehr als drei Tore zu schießen, um gewinnen zu können.

Bonhof: Das stimmt. Zumal du mit drei Gegentoren im Durchschnitt immer einen Punkt mehr als die anderen haben musst, um bei Punktgleichheit noch vorn zu liegen.

Woran liegt denn diese Torflut, paradoxerweise bei einer auf Kontertaktik ausgerichteten Spielanlage?

Bonhof: Womöglich achten die Spieler so sehr auf die Umsetzung spezieller Vorgaben, dass sie die einfachen Dinge aus den Augen verlieren und die Tore kassieren. Da fehlt uns aufgrund der vielen Ausfälle einfach die Stabilität der letzten Saison.

Über das mangelnde Spielverständnis von Raul Bobadilla haben sich die Fans am Samstag die Haare gerauft. Besteht da überhaupt noch Aussicht auf Besserung?

Bonhof: Das ist ein Lernprozess. Er muss jedes Ereignis aufnehmen, um daraus zu lernen. Wir reden schließlich über einen Spieler, der Potenzial hat. Und der sich immer reinhaut, so dass der Gegner immer sagt: Mann, der tut aber richtig weh. Möglicherweise ist seine persönliche Zielsetzung zu hoch. Wir halten es halt mit der Philosophie, die Berti Vogts vor der EM 1996 ausgegeben hat: „Die Mannschaft ist der Star.” Darüber muss man mit ihm reden. Zudem muss er auch erkennen, dass er mit einfacherem Spiel erfolgreicher sein kann. Das ist machbar.

Erklären Sie mir bitte: Borussia hat ein Konzept, investiert viel in eine erfolgreiche Jugendarbeit und zieht viele Nachwuchsspieler hoch, setzt auf mannschaftliche Geschlossenheit und scoutet sogar den Trainer. All das, was der FC erst jetzt entdeckt hat - und dennoch steht Gladbach noch hinter Köln.

Bonhof: Ich will gar nicht in andere Kochtöpfe gucken. Ich habe den FC nicht besonders beobachtet. Mir geht es viel mehr darum, dass wir unseren Weg weitergehen und uns jetzt von der schlechten Phase, die objektive Gründe hat, nicht umwerfen lassen. Wir haben vor einem Jahr eine gute Richtung eingeschlagen. Fakt ist aber, wir haben zu wenig Punkte. Aber wir kommen da raus.

Und wie?

Bonhof: Die Symbiose muss wieder stimmen. Fußball ist ein Kampfspiel, und wenn du das mit technischen Elementen spickst, bist du auf einem guten Weg.

Wie ist Ihre Beziehung zu Michael Frontzeck?

Bonhof: Ich habe ihn seinerzeit von Freiburg nach Mönchengladbach geholt. Ich kenn ihn seit ewigen Zeiten, seit 1984.

Ist das ein Vorteil?

Bonhof: Auf jeden Fall. Das ist eine gute Grundvoraussetzung, damit ist eine ganz andere Gesprächsqualität möglich. Wenn du so mit einem reden kannst, sind die Gespräche viel fruchtbarer.

Und die Geduld ist nicht endlich?

Bonhof: Daran denke ich gar nicht. Weil er die Mannschaft erreicht. In jedem Spiel haben wir Phasen, wo es funktioniert. Sie werden die Kurve kriegen. Wie in der letzten Saison.
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