Bonhof: „Alles muss auf dem Platz geklärt werden”

Von: Bernd Schneiders
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Gelassenheit statt Derby-Fieber: Rainer Bonhof ist allein an den 90 Minuten Sport interessiert. Foto: imago/CoverSport

Mönchengladbach. Er verkörpert Borussia Mönchengladbach und hat unzählige Derbys gegen den 1. FC Köln bestritten - auf beiden Seiten: Rainer Bonhof, ehemaliger Nationalspieler und Repräsentant der goldenen Gladbach-Zeit.

Heute bringt der 57-Jährige seine Erfahrung, seinen Fußball-Verstand und seine Gelassenheit ins Präsidium seines Stammvereins ein. In kritischen Wochen wie zuletzt besonders wertvoll.

Sie enttäuschen zur Zeit viele Journalisten.

Bonhof: Wieso?

Sie reagieren so erschreckend nüchtern auf Fragen zum Derby ...

Bonhof: Die Fragen beantworte ich seit 30 Jahren zwei Mal im Jahr.

Also business as usual?

Bonhof: Es gibt nichts zu posaunen vor dem Derby. Das muss nicht im Vorfeld, alles muss auf dem Platz geklärt werden. Wenn man jemanden für Schlagzeilen braucht, sollen sie sich einen anderen suchen. Es kann doch wohl keiner erwarten, dass ich etwas gegen meinen Freund Wolfgang Overath sage. Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zum 1. FC Köln.

Ist er wirklich ein Freund, oder nur ein guter Bekannter?

Bonhof: Wir haben über 20 Jahre Fußball zusammengespielt. Wenn wir uns sehen, fallen wir uns in die Arme. Aber wir brauchen nicht jeden Tag zu telefonieren.

Sind Sie froh, dass Sie beide in verantwortlicher Weise für Ihre Klubs aktiv sind?

Bonhof: Als er Präsident geworden ist, war ich der zweite Anrufer auf dem Handy, der ihm gratuliert hat. Und als ich bei Borussia Vize geworden bin, war er der Dritte auf der Mailbox.

Waren ihre Begegnungen auf dem Platz denn emotionslos?

Bonhof: Bei Wolfgang musste man aufpassen. Wenn man ihn zu sehr malträtiert hat, konnte der Schuss auch nach hinten losgehen und er machte mit seinem Grell ein Riesen-Spiel.

Sie mochten dies körperbetonte Spiel.

Bonhof: Das war damals eine ganz andere Zeit. Als ich aufhörte fing man langsam damit an, ein 4-4-2 in der Zone zu spielen. Zuvor hatte es nur geheißen: Du spielst gegen den, und Du gegen den.

Und Sie gegen Overath . . .

Bonhof: Oder Heinz Flohe, oder Schalkes Branko Oblak oder Jürgen Grabowski. Dabei ging es eben darum, zu antizipieren, vor dem Gegner am Ball zu sein, ihn dazu zu zwingen, mehr hinter dir herzulaufen als umgekehrt.

Seit acht Monaten sind Sie Vize-Präsident bei Ihrem Stamm-Klub. Wären Sie vor einem Jahr bereits in dieser Position gewesen, wäre Jos Luhukay immer noch Trainer - oder zumindest länger gewesen?

Bonhof: Eine gute Frage, aber ich war damals eben noch nicht da. Und ich kann über die Zeit nichts sagen. Ich habe Luhukays Arbeit nicht verfolgt, nur die Spiele gesehen. Es wäre vermessen, mir so ein Urteil zu bilden. Es ist vieles passiert, was ich nicht mitbekommen habe.

Sie sollen ins Präsidium die eingeklagte Fachkompetenz einbringen. Zum Vorteil auch von Michael Frontzeck?

Bonhof: Ich stehe zu meiner Funktion. Die Präsidiums-Kollegen, die mehr als Geschäftsleute unterwegs sind, bekommen von mir Infos. Ich sehe, dass Michael Frontzeck der perfekte Trainer für uns ist. Wir haben ihn damals bewusst ausgesucht, wegen seiner Qualitäten. Und ich kann bei jeder Trainingseinheit erkennen, wie akribisch er seine Mannschaft vorbereitet. Ich habe ihn auch als Spieler an den Bökelberg geholt. Auch damals war er schon eine knallharte Sau.

Kontinuität war das große Zauberwort bei Frontzecks Inthronisierung.

Bonhof: Das hatte mal Tradition bei der Borussia. In letzter Zeit allerdings nicht mehr. Und das war falsch. Jetzt sagen wir es nicht nur - wir machen es auch. Punkt!

Punkte aber fehlen . . .

Bonhof: Ja, aber die Leistung in Wolfsburg macht Mut. Man konnte sehen, woran Frontzeck in der Länderspielpause gearbeitet hat. Jetzt müssen wir das aber auch mal auf den Punkt bringen ...

Und wie?

Bonhof: Die Geschlossenheit ist zurück. Wir müssen zurück zur Leichtigkeit der Startphase kommen. Also auch Risiko eingehen, um ein Tor zu machen. Die Mannschaft hat begriffen, dass es aber auch darum geht, Fehlerquellen zu reduzieren. Das ist der Grundstein.

Also auch so ein Risiko eingehen, wie Bobadilla bei seinem Hacken-Fehlschuss?

Bonhof: Raul ist einer, der sich aufgrund seiner Physis durchboxen kann. Aber er ist auch Argentinier. Die Szene kann ein Schlüsselerlebnis sein um zu verinnerlichen: Wenn ich ein einfaches Tor erziele, helfe ich der Mannschaft viel mehr.

In der guten Phase brillierte vor allem auch Juan Arango. Hat er das viele Lob nicht verkraftet?

Bonhof: Juan hat einen großen Teil der Vorbereitung nicht mitgemacht. Wir haben entschieden, ihn durch möglichst viele Spiele schnellstmöglich fit zu bekommen. Und dann die Vielfliegerei. Aber selbst wenn er untertaucht, ist er immer zu einem Geniestreich fähig, mit dem er ein Spiel entscheiden kann. Aber ich kenne das Problem: Ihm sind die Berichte übersetzt worden. So wie damals bei mir auch bei meinem ersten Spiel für Valencia. Wir haben zwar 1:2 gegen Real im Bernabeu verloren, aber ich wurde mit Lob überschüttet. Dann gehst du zum Training und sagst: Hier bin ich! Aber es geht nicht um dich. Du musst sagen: Aber hallo! Zwei Punkte sind weg!

Ohren zu für Lob?

Bonhof: Es ist völlig unerheblich, was gerade passiert ist. Entscheidend ist, wo die Mannschaft nach 34 Spieltagen steht.
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