Mönchengladbach - Bobadilla und sein egoistisches Balsam-Tor

Bobadilla und sein egoistisches Balsam-Tor

Von: Bernd Schneiders
Letzte Aktualisierung:
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Liebt die Tuchfühlung mit dem Gegner: Raul Bobadilla auf dem Weg bzum 1:1. Foto: Kozany

Mönchengladbach. 75. Minute im Borussia-Park: Der Dauer-Nörgler auf der Pressetribüne grantelt rum, die Fans skandieren „Olli, Olli, Oliver Neuville” - nichts hat sich verändert bei Borussia Mönchengladbach. Ein neuer Trainer, sechs neue Profis, ein neuer Hauptsponsor, eine neue Saison - doch die Geduld wird nie eine Dauerkarte im Stadion besitzen.

0:1-Rückstand gegen Bolton Wanderers, ein zähes Spiel im letzten Test, mehr Spielanteile aber kaum Torchancen, eine gute Struktur, aber keine fußballerischen Geistesblitze, ein unnötiger Abwehrschnitzer - das reicht schon, um die alten Schreckgespenster wieder wachzurufen.

Der Kredit reicht mal gerade für 20 Minuten, Fortschritte dürfen nicht entwickelt werden, sondern müssen per Knopfdruck zur Verfügung stehen. Borussia Mönchengladbach - ein Traditionsklub eben. Auch in Sachen Randerscheinungen.

Eine Minute später kippt Raul Bobadilla gleich einen ganzen Eimer Balsam auf die mutwillig wieder aufgekratzte Wunde: Der Argentinier wuchtet sich an der Torauslinie gegen drei Wanderer durch, sieht den freistehenden Roberto Colautti - und verkneift sich dennoch den Rückpass, den 90 Prozent seiner Kollegen gewählt hätten. Der 10-Prozent-Stürmer sucht den Ego-Weg: 1:1, ein 100-prozentiger Erfolg.

Genau aus diesem Grund haben sie den 22-Jährigen in den Borussia-Park gelockt. Der Ex-Züricher ist nicht nur wegen seiner bulligen Gestalt eine Ausnahmefigur. Er bringt all das mit, was seinen Sturm-Kollegen abgeht: Durchsetzungskraft, gesunder Eigensinn, Zielstrebigkeit und Ärger-Potenzial. Aber er ist erst 22, trägt seine Ablösesumme (4,2 Millionen Euro) auf den Schultern und ist ein Liga-Frischling.

Dennoch wäre bald das übliche Minutenzählwerk angeworfen worden: Bobadilla hatte zuvor kein Mal getroffen. Sein Premierentor für Borussia, aber auch das erste Tor seines Klubs überhaupt gegen einen von drei hochkarätigen Gegner. „Ein sehr emotionaler Moment”, ließ der Torjäger mitteilen.

Michael Frontzeck war auch erleichtert, für seinen Schutzbefohlenen, aber auch für seine Vorbereitungsarbeit, die mit Argusaugen beobachtet wird. Struktur und Disziplin ist da, die offensive Leichtigkeit des Seins muss noch gefunden werden. Ein zäher Weg, aber der einzig richtige: Vor einem Jahr wurde Valencia im letzten Test mit 4:2 weggefiedelt. Ein Blendwerk, wie sich bald feststellen sollte.

Mönchengladbach: Heimeroth - Levels, Brouwers, Dante, Jaures - Marx, Bradley (76. Lamidi) - Matmour, Arango, Reus (46. Colautti) - Bobadilla (76. Neuville)
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