Bittere Lehrminuten im Lernprozess

Von: Heribert Förster
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Frust hier, Freude dort: Während Mönchengladbachs Kapitän Tobias Levels mit versteinerter Miene sein Trikot auszieht, liebkost Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick einen seiner Sieger, den ehemaligen Borussen Marvin Compper. Foto: imago/Revierfoto

Mönchengladbach. War es nicht ein bisschen lauter als sonst? Euphorischer? Waren die Fans nicht glückseliger als so oft zuvor? Es ist kein Trugschluss, so viele freudige Gesichter hat man in 87 Bundesligaspielen zuvor im Borussia-Park nicht oft gesehen.

Und so eine Leistung auch nicht!

Da stand eine Mannschaft auf dem Platz, die Fußball spielte. Schönen Fußball. Effektiven Fußball. Fußball, wie er von richtig guten Klubs gespielt wird. Kompakt und bestens organisiert in der Defensive, bissig und laufintensiv im Mittelfeld, elegant, schnell, zielstrebig und mit Überraschungsmomenten in der Offensive. Es gibt einige, die sagen, das war das Beste, was die Borussia je im Borussia-Park gezeigt hat. In ihrem 88. Bundesligaspiel dort.

Es war eine Art Versprechen, dass hier was wachsen kann. Das etwas wachsen wird?

Maicosuel bricht den Bann

Doch zu einem Spiel gehören zwei Halbzeiten, und wenn man die Borussia in den ersten 45 Minuten als wegweisendes Gebilde betrachtet, darf man auch die zweiten 45 Minuten nicht vergessen. Da wurde klar, dass die Borussia zwar auf einem guten Weg, aber noch lange nicht am Ziel angekommen ist.

Denn als 1899 Hoffenheim sich anschickte, die in der Bundesliga kaum noch einmal zu findende individuelle Klasse von Einzelspielern als Mannschaft zu bündeln, war es um die Elf von Trainer Michael Frontzeck geschehen.

Zwar dauerte es bis zur 86. Minute, doch mit dem überfälligen Treffer von Maicosuel war der Bann gebrochen, die 2:1-Führung verspielt und das dicke Ende fast vorhersehbar. Chinedu Obasi (89.) und Demba Ba (90.+1) trafen noch zum finalen 2:4-Endstand, nachdem Sejad Salihovic mit seinem Anschlusstor (21.) die Lebensgeister der Gäste geweckt hatte.

„Unterirdisch” fand Gäste-Trainer Ralf Rangnick bis dahin die Leistung seiner Mannschaft, was die Leistung der Borussia - zu diesem Zeitpunkt - nicht schmäler kann. Juan Arango mit einer feinen Demonstration seiner Schussfertigkeiten (10.) und Roberto Colautti als klassischer Abstauber (17.) hatten für Entzücken bei den Gladbacher Fans gesorgt, ehe der insgesamt noch sehr unsicher wirkende Logan Bailly bei seinem Comeback nach über zweimonatiger Pause patzte. Borussias Nr. 1 hatte noch nicht das rechte Gefühl, als Salihovic fast von der Eckfahne einen Freistoß ins Tor „drehen” konnte.

Allein mit Standards sorgten die Gäste für Gefahr, aus dem Spiel heraus ließen die Borussen um den überragenden Dante in der Abwehr, trotz einiger krasser Fehlpässen, nichts zu.

45 Minuten lang. Doch mit Beginn der zweiten Halbzeit, Hoffenheim hatte sich deutlich mehr nach vorne geschoben, spielte nun wesentlich aggressiver, geriet die Borussia mit jeder Minute mehr unter Druck, so dass Tobias Levels´ Analyse den Nagel nicht auf den Kopf traf.

„Eine bittere Niederlage”

„80 Minuten haben wir hervorragend gespielt und dann für zehn Minuten aufgehört.” Bailly sagte etwas von fehlender Konzentration in den Schlussminuten und alle sagten: „Eine bittere Niederlage.” Die Sportdirektor Max Eberl „nicht so schnell nach dem Spiel” analysieren wollte, es dann aber doch trefflich tat. „Wir haben den Raum zu groß werden lassen und haben es nach 60, 70 Minuten nicht mehr geschafft, 1:1-Situationen zu vermeiden.” Was angesichts der Extra-Klasse der Hoffenheimer nicht gut gehen kann und in einem für die Zuschauer begeisternden Spiel auch nicht gut ging .

Michael Frontzeck war nicht einverstanden - mit den letzten Minuten. „Wir haben nicht alles dafür getan, um als Sieger vom Platz zu gehen, naiv gespielt.” Mal einen Ball auf die Tribüne zu dreschen, das hätte Borussias Trainer gefallen, der auch diese Niederlage in der Akte „Lernprozess” einsortierte. Nicht ohne den Hinweis, dass es nun reichen würde: „Wir sollten uns nicht daran gewöhnen, gute Spiele aus der Hand zu geben.” Wie schon in Bochum.

Ob der Lernprozess fortgeschritten ist, wird bereits morgen überprüft: Zu lösen ist die Aufgabe gegen Zweitligist MSV Duisburg (19.00). In Borussias erstem Pokalspiel im Borussia-Park überhaupt.
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