Bier und Wurst im Stadion: Vereine setzen mehr auf Plastikgeld

Von: Jan Kluczniok, dpa
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Bargeldlos zahlen im ganzen Stadion: Die „BayArenaCard” von Bayer 04 Leverkusen wird am Geldautomaten oder über das Internet zu Hause aufgeladen. Foto: dpa

Hamburg. Fans haben wenig Zeit und viel Durst. Immer häufiger werden Bier und Bratwurst im Fußballstadion daher nicht mehr bar bezahlt. Die Zahl der Bundesligavereine, die Bezahlsysteme mit Chipkarte einführen, steigt.

Etwa die Hälfte aller Erstligisten setzt schon auf das bargeldlose Bezahlen. Neben Bayern München und Schalke 04 zählen Hannover 96, Eintracht Frankfurt, Bayer 04 Leverkusen, der VfB Stuttgart, die TSG Hoffenheim und der 1. FC Köln dazu.

Nicht nur die Fans sollen davon profitieren - etwa weil es schneller geht am Wurststand und niemand aus Hunger ein Tor verpassen muss.

„Durch das elektronische Bezahlen können die Vereine ihren Umsatz pro Spieltag deutlich steigern, wodurch sich auch ihre Wettbewerbssituation in der Liga verbessert”, erklärt Frederik Herr vom Unternehmen Payment Solution in Hamburg.

Die Firma betreut die Systeme in Köln, Frankfurt/Main und Hoffenheim. Die Steigerung der „spieltagsbezogenen Umsätze” ist schon seit längerem das Ziel vieler Bundesligisten: Im Jahr 2004 beantragte der Deutsche Fußball Bund (DFB) auf Initiative der Liga beim Weltverband FIFA zum Beispiel eine Verlängerung der Halbzeitpause von 15 auf 20 Minuten.

Gerade in größeren Stadien reichten 15 Minuten nicht aus, um alle Fans mit Essen und Getränken zu versorgen, argumentierten die Vereine. Die FIFA lehnte den Antrag aber ab. Nun gibt es also die Karten: Das elektronische Bezahlen soll es ermöglichen, auch in 15 Minuten alle Besucher zu bedienen.

„Der Fan legt seine Karte einfach auf das Lesegerät, und der Betrag wird im Bruchteil einer Sekunde abgebucht”, erläutert Herr. „Kein Kleingeld zählen, kein Prüfen der Summe durch das Personal, keine Wechselgeld”, das seien die Vorteile. Kritiker merken allerdings an, dass der Zeitgewinn schnell wieder aufgebraucht ist, wenn nicht ausreichend Guthaben aufgeladen ist.

„Wer vor jedem Kauf einer Wurst oder einer Cola erneut 5 Euro auf die Karte lädt, wird natürlich keine Zeit gewinnen”, bestätigt Herr. Zunehmend nutzten die Fans aber die Möglichkeit der Internetaufladung. Sie laden also schon vor der Fahrt ins Stadion den ungefähren Betrag auf, den sie ausgeben wollen.

Nicht alle Klubs bieten aber die Möglichkeit dazu: Auf Schalke und in Hannover kann die Karte nur im Stadion aufgeladen werden. Bei den 96ern ist immerhin eine telefonische Aufladung möglich. Der Mindestaufladebetrag für die Karten variiert zwischen 5 und 10 Euro.

Nicht genutzte Beträge können die Fans nach Spielschluss wieder zurücktauschen. Dennoch ist der „Schlummergroschen”, wie ihn Kritiker nennen, einer der Knackpunkte des Systems. Gerade Gästefans haben zum Eintausch meist keine Zeit: „Schließlich wartet nach Spielschluss der Bus oder Zug für die Heimreise bereits, oder im Fall von "Risikospielen" wird man von der Polizei aus dem Stadion geleitet”, sagt Markus Schmalz vom VfB Anhängerverband Stuttgart.

Bei Bayern und Schalke besteht daher die Möglichkeit, die Karte per Post zurückzusenden. Allerdings fällt für den Vorgang eine Bearbeitungsgebühr an.

Besser haben es da die Fans von Eintracht Frankfurt, dem 1. FC Köln und der TSG Hoffenheim, wenn ihre Mannschaften beieinander zu Gast sind: Da die Vereine das gleiche System nutzen, kann in allen drei Stadien die gleiche Karte genutzt werden.

Die Chipkarten von Schalke, Bayern, Stuttgart und Hannover können nur in der jeweiligen Arena eingesetzt werden. Bayer Leverkusen dagegen hat sich für ein offenes System entschieden. Die „BayArenaCard” nutzt die Technologie der Geldkarte. Das ist eine Bezahlfunktion, die auch auf Giro-, EC- und Bankkundenkarten integriert ist. Gästefans können also nicht nur mit der speziellen Stadionkarte, sondern ebenso mit ihrer Bankkarte zahlen. Sie müssen allerdings vorher am Automaten oder im Internet Geld auf den goldenen Chip laden.

In Aachen beginnt die bargeldlose Bezahlära mit der Eröffnung des neuen Stadions. Mit der „Tivoli-Karte” hat der Besucher bestenfalls alles in einem: Mitgliedsausweis der Alemannia, Dauerkarte und Bezahlkarte. Machbar sind aber auch drei weitere Varianten: nur als Dauerkarte plus Bezahlkarte, als Mitgliedskarte plus Bezahlkarte oder nur als Bezahlkarte.

Einige Vereine mit elektronischem Bezahlsystem bieten Gästefans weiter die Möglichkeit, in bar zu zahlen. Eine wissenschaftliche Befragung der Universität Duisburg-Essen unter der Überschrift „Was wünscht sich der Fan vom Stadionbesuch in der Zukunft” ergab 2008, dass knapp ein Drittel der 210 Befragten sich ein stadionübergreifendes Kartensystem wünscht.

Ebenfalls rund ein Drittel befürwortete dagegen weiter das Zahlen mit Bargeld. „Die Ergebnisse zeigen, dass die Fans alles wollen - nur nicht 18 verschiedene Karten für jedes einzelne Stadion”, sagt Prof. Tobias Kollmann, Wirtschaftswissenschaftler und Leiter der Studie.

Während also bei den Fans die Bezahlkarten umstritten sind, erfreuen sich die Plastikkarten bei Sammlern großer Beliebtheit - auch aufgrund der stetig wechselnden Motive. Reiner Girsch aus Köln etwa nennt 276 Karten aus deutschen Stadien sein eigen. „Dazu kommen noch ein paar Karten aus dem Ausland.”

Schalke bietet Sammlern an Spieltagen sogar an einem Extrastand die Möglichkeit, fehlende Motive zu erwerben. Und die Zahl der Sammlerstücke wird sich in Zukunft wohl noch vergrößern: „Elektronische Bezahlsysteme werden sich auch in anderen Sportarten durchsetzen”, sagt Herr voraus.

Ein Trend ist das bargeldlose Bezahlen - ob ärgerlich oder praktisch - in jedem Fall. Bereits jetzt kommen die Bezahlkarten beim Fußball auch bei Zweit- und Drittligisten sowie beim Handball zum Einsatz.
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