Bezirksligist Inde Hahn bekommt den „WM-Zuschlag“

Von: Christoph Pauli
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Der wichtigste Besitz des DFB: Der WM-Pokal.

Aachen. Und dann ist der stolze WM-Pokal am Dienstag in Frankfurt losgeschickt worden. „Ehrenrunde“ nennt der DFB die „Roadshow“ über fast 7000 Kilometern. „8,75 Tonnen Nervenkitzel. 184 PS Fußballwahnsinn. 130 Quadratmeter Kopfkino.

Und 4 Sterne. Und das alles auf dem Weg zu Dir“, wirbt der Verband mit stolzgeschwellter Brust.

Die schönste Trophäe, die der Fußball zu bieten hat (6175 Gramm schwer, 37 Zentimeter hoch und größtenteils aus 18-karätigem Gold), war eine laue brasilianische Nacht lang im Besitz der Nationalmannschaft, ehe die Fifa ihr Eigentum flugs wieder einkassierte. Der schöne Pokal wird im Sepp-Blatter-Hauptquartier des Fußball-Weltverbandes in Zürich aufgestellt. Für den Weltmeister bleibt eine schmucke Kopie der beiden fröhlichen Fußballspieler, die in ihren ausgestreckten Händen gemeinsam eine Weltkugel halten.

Die Gravuren sind in den Landessprachen verfasst. „2014 Deutschland“ steht auf der Goldstatue. Mario Götze hat für den schönen Eintrag auf dem Sockel des Fifa-WM-Pokals im letzten Sommer gesorgt.

Natürlich wollten sie alle den Pokal für einen lauen Sommertag einladen. 800 Vereine haben sich beworben, um mal einen Blick auf die Trophäe zu werfen. 63 Zusagen hat der DFB gegeben, eine Aufforderung zu „großen Familienfesten“, findet Wolfgang Niersbach. „Der Pokal geht dorthin, wo der Erfolg von Brasilien seine Wurzeln hat – an die deutsche Fußballbasis“, sagte der DFB-Präsident am Dienstag beim Stapellauf für die Ehrenrunde.

Den Zuschlag aus der Region hat Inde Hahn bekommen. Es ist der Lohn für ein enorm kreatives Video, mit dem der rührige Klub die Jury begeistert hat. Der kleine Ort im Münsterländchen zeigt sich dort von seiner schönsten Seite. Ein Dorf ohne Schule, Kino oder Supermarkt, aber mit einem intakten Vereinsleben. Jeder zweite der 1000 Hahner ist Mitglied im örtlichen Fußballverein, der Fast-Landesligist ist durchaus berühmt für seine Feiern. „Die Zeit ist reif, dass der Pokal nach Hahn kommt“, findet jedenfalls „Vereinsdichter“ Axel Stettner in dem fröhlichen Bewerbungsfilm. In der DFB-Zentrale bekam die Initiative viel Beifall.

„Die Rückmeldung war überragend“, sagt Norbert Kindel, der beim Inde-Klub das „Ressort Informationstechnik“ leitet und die Bewerbung organisiert hat. Der muntere Klub hat angekündigt, das WM-Turnier nachspielen zu wollen mit gemischten Mannschaften, die jeweils für ein Teilnehmerland der letzten WM stehen sollen. Das Turnier wird noch einmal im kleinen Rahmen wiederholt, während die besten Szenen des letzten Fußball-Sommers auf einer Leinwand zu sehen sein werden. Inde Hahn kündigt ein Volksfest im Dreiländereck an und spricht eine Einladung an Niederländer und Belgier aus.

Natürlich haben sie dem DFB noch ein paar Argumente geliefert, warum die Trophäe dann für ein paar Stunden in Hahn ausgestellt werden muss. Es soll ein Geburtstagsgruß für den DFB-Ehrenpräsidenten Egidius Braun sein, der vor ein paar Wochen 90 Jahre alt wurde und natürlich Mitglied bei Inde Hahn ist. Der WM-Tag in Hahn ist für einen guten Zweck geplant, kündigt Kindel an. Der Verein will Spaß, aber kein Geld für die eigenen Belange. Das Kinderheim „Maria im Tann“ wird ebenso unterstützt wie die Mexiko-Hilfe von Egidius Braun.

Am 6. Juli werden die beiden mit vielen Erinnerungen bepackten Trucks von 12 bis 21 Uhr im Zentrum des Ortes parken. „Wir holen den Pokal nach Aachen“, grinst Kindel. „Wir machen das nicht nur für Hahn, sondern für die Region.“ 2014 Besucher dürfen an diesem Sommertag den heiligen Gral besuchen und sich mit der Trophäe fotografieren lassen. Jedes Vereinsmitglied erhält zwei Tickets, Betreuer und Bewohner des Zentrums für Kinder-, Jugend- und Familienhilfe Aachen erhalten ebenfalls Karten. Zudem ist geplant, Tickets gegen eine Spende für die Mexiko-Hilfe zu verlosen. Über das genaue Verfahren will der Klub, der den schönen „WM-Zuschlag“ erhielt, zu Beginn der nächsten Woche informieren.

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