Köln - Befreiungsschlag gelingt nur halb

Befreiungsschlag gelingt nur halb

Von: Roman Sobierajski
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Mit Haken und Ösen: Kölns Ch
Mit Haken und Ösen: Kölns Christian Clemens im Zweikampf mit Richard Sukuta-Pasu. Für Florian Dick bleibt die Rolle des Beobachters. Foto: imago/mika

Köln. In der Stadt Köln ist auf der einen Seite zwar drei Mal schon Tradition, auf der anderen aber alles unterhalb von Ewigkeit fast ein „One-Night-Stand”. Und da der Boulevard diese Grätsche bis zum äußersten ausreizt, hat man als FC-Trainer fast schon keine andere Überlebens-Möglichkeit, als mit feinem Anschlag auf dieser Klaviatur mitzuspielen.

Es sei ein „Endspiel für mich”, hatte Stale Solbakken nach zwei Auftaktniederlagen vor der Partie gegen den 1. FC Kaiserslautern erklärt - und so den erwartbaren Anfeindungen erst einmal einen Riegel vorgeschoben.

Dass die Partie Tabellenletzter gegen -vorletzter nicht nach 270 Spielminuten zum vorzeitigen Saisonfinale für den Norweger wurde, dafür sorgte dass das 1:1 gegen den Aufsteiger aus der Pfalz, das den 1. FC Köln als letzten Profiklub vom Stigma erlöste, ohne Punktgewinn dazustehen. Dass die Partie nicht zum großen Befreiungsschlag wurde, dafür sorgte das Remis allerdings ebenfalls. „Wir haben sieben, acht Riesentorchancen kreiert”, war Solbakken mit der Vorstellung seiner Mannschaft generell zufrieden. „Aber es war nicht der Tag für den guten Abschluss.”

Dabei erspielte, erkämpfte und erlief sich der 1. FC Köln vor 47200 Zuschauern genügend „Hundertprozentige”, um gleich zwei Spiele für sich zu entscheiden. Doch nachdem Ivo Ilicevic die Gäste mit einer schönen Volleyabnahme überraschend in Führung brachte (17.) und die Hausherren fast im Gegenzug ausglichen - Mato Jajalo versenkte ein abgefälschtes Zuspiel von Slawomir Peszko im langen Eck (19.) - wollte einfach kein Treffer mehr fallen.

Jajalo verzog bei seiner zweiten Großchance im zweiten Durchgang (52.), der indisponiert wirkende Milivoje Novakovic erntete bei seinem ersten Aufeinandertreffen mit dem glänzend agierenden FCK-Torwart Kevin Trapp nur einen schmerzhaften Tritt in den Unterleib (35.) und produzierte dann frei im Strafraum stehend nur ein Hoppelbällchen ins Toraus (73.). Da wollte auch Adil Chihi kurz vor dem Seitenwechsel nicht aus der Reihe tanzen und schoss - ebenfalls freistehend - Trapp an, statt die Führung auszubauen. „Wenn wir das Tor nicht machen”, zitierte später Jajalo aus dem Handbuch der großen Fußball-Weisheiten, „dann können wir das Spiel nicht gewinnen.”

„Sphärisch” sei die Stimmung in der Kabine gewesen, erklärte Solbakken, meinte aber weniger völlig entrückte Fußball-Profis als mit seinem manchmal lustig anmutenden Akzent „schwierig”; der Punktgewinn reichte nicht aus, um die „Rote Laterne” weiterzureichen. Trotzdem dürfte der 44-Jährige genügend Positives gesehen haben, um die Fahrt zum Hamburger SV - das dritte Mal, dass der FC auf den aktuellen Vorletzten trifft - am kommenden Spieltag ohne großen Sorgensack anzutreten. Die Mannschaft funktionierte trotz der Ausfälle von Lukas Podolski (Infekt) und Stammtorhüter Michael Rensing (Knieprobleme), hinter dessen Einsatz in Hamburg ein großes Fragezeichen steht. Bis dahin dürfte durch die Verpflichtung von Henrique Sereno (bis Saisonende vom FC Porto ausgeliehen) auch die Schwachstelle in der Innenverteidigung (Solbakken: „McKenna konnte die letzten zehn Minuten nicht mehr laufen und wird es wohl auch die nächsten vier Tage nicht”) kompensiert sein.

Das Umschalten nach Balleroberung funktioniert dank Mittelfeldabräumer Sascha Riether und des quirligen Peszko („Er hat momentan nur Power für 70 Minuten”) beeindruckend schnell, die Quote der erfolgreichen Pässe (85 Prozent) und die enorme Laufarbeit (drei Spieler bei fast zwölf Kilometern) belegen, dass das Team auf dem Weg ist, das körperlich intensive und raumorientierte Spielsystem zu verinnerlichen.

„Wie wir Fußball gespielt haben, kann man als Erfolg werten”, meinte Mittelfeldspieler Martin Lanig. „Der Druck war enorm vor dem Spiel.” Über Motivation und Spielintelligenz des 27-Jährigen hat sein Trainer seine eigene, wie häufig ironisch eingefärbte Meinung, nach der zweiten Gelben Karte im dritten Spiel: „Martin muss mehr denken”, meinte Solbakken. „Sonst kriegt er Gelb demnächst noch in der Kabine.”

Wechselgerüchte um Lukas Podolski aus der Welt

Der erwartbare Wechsel von Innenverteidiger Youssef Mohamad ging noch am Wochenende und geräuschlos über die Bühne: Der Libanese wechselt zum Al-Ahli Club nach Dubai.

Den Gerüchten um das Werben von Galatasaray Istanbul um Lukas Podolski schob die FC-Vereinsführung schnell einen Riegel vor: „Es ist kein Thema für uns, Poldi zu verkaufen”, erklärte Geschäftsführer Claus Horstmann.

Auch Sportdirektor Volker Finke beendete sämtliche Gerüchte um das Thema kategorisch: „Wir wollen Lukas ohne Wenn und Aber behalten und haben nicht das geringste Interesse, Verhandlungen oder Gespräche zu führen.”

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