Bastelarbeiten am Wunder

Von: Bernd Schneiders
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Richtungsweisend: Schalkes Tor
Richtungsweisend: Schalkes Torhüter Lars Ungerstall eilt resignierend Richtung nirgendwo, Borussias Wirbelwind Marco Reus genießt die letzten Meter zum finalen 3:1.Foto ap

Mönchengladbach. Fast könnte man meinen, Lucien Favre sei froh gewesen, dass in Halbzeit 2 gegen Schalke 04 nicht alles nach Plan lief. Mit einem perfekten Spiel kann ein Perfektionist wie Borussia Mönchengladbachs Trainer wenig anfangen, denn dann könnte er seine Arbeit einstellen.

Und so sagte er trotzdem nach dem 3:1-Sieg und dem Einzug ins Pokal-Viertelfinale: „Das Wunder geht weiter.” Was auf den ersten Blick wie ein tolles Versprechen für 2012 erscheint, entschlüsselt sich nach kurzem Überlegen als eine leicht akzentuierte Botschaft.

Die Arbeit geht weiter

Was Favre vor allem meint ist: Die Arbeit geht weiter, die Arbeit am Wunder, die tägliche Arbeit, das Feilen an Details, das der Schweizer so liebt. Allerdings unter verschärften Bedingungen. „In Deutschland denkt man, eine Entwicklung gehe immer weiter, weiter. Das ist nicht möglich.” Der 54-Jährige ist bemüht, die Pferde, die angesichts von Tabellenplatz 4 und dem Einzug ins Viertelfinale einigen Rauten-Anhängern durchgehen, möglichst schnell wieder einzufangen. Und so steigert der verbal ansonsten so zurückhaltende Fußballlehrer noch mal sein Urteil: „Das ist schon mehr als ein Wunder.”

Dafür fehlt die Begrifflichkeit, erst recht einem frankophonen Schweizer. Zum Glück. Denn jenseits eines Wunders lässt sich nur sehr schwer leben und arbeiten - und Fußball spielen erst recht. Das weiß auch einer von Favres Jüngern, (nicht) zufälliger Weise ein Österreicher.

„Ich weiß nicht, was nach dem 2:0 los war”, grantelte Martin Stranzl. „Da waren wir viel zu passiv.” Und so formuliert er eine Aussicht, die seinem Trainer und Lehrmeister so gut gefallen wird: „Wir sind noch nicht da, wo wir hin wollen.”

Nun redet der Abwehrrecke nicht gerade von der Deutschen Meisterschaft, der Champions League oder dem Pokal-Sieg. Er redet von den 90 Minuten in einem Fußballspiel. Und diese anderthalb Stunden gegen den Pokalverteidiger demonstrierten die Spielstärke der Favre-Elf, aber offenbarten ebenso die Unzulänglichkeiten. In Überzahl sich das Spiel des nun „hasardierenden” (Schalkes Co-Trainer Seppo Eichkorn) Gegners aufdrängen zu lassen, zeugt von noch etlichen Entwicklungsmöglichkeiten, mit denen sich Favre und seine Schüler befassen können. Diese Passiv-Momente sind nicht neu. Borussia hat das Glück, dass sie durch eine überragende Defensive abgefedert werden. Wenn das System zerfleddert, kommt die individuelle Klasse von Dante, Stranzl und des gegen Schalke erneut überragenden Filip Daems zu tragen.

Neben der Lernfähigkeit der Spieler, ist die Lust am Fußball spielen> das große Plus dieser Mannschaft. Von keinem so verkörpert wie von Marco Reus. Der war auch nach dem Schlusspfiff kaum zu stoppen. „Schade, dass jetzt Pause ist. Am liebsten würde ich weitermachen.”

Zuschauer: 54.047 (ausverkauft) Tore: 1:0 Arango (18.), 2:0 Reus (56.), 2:1 Draxler (70.), 3:1 Reus (88.)

Gelb-Rote Karten: -/Huntelaar (47./Unsportlichkeit), Jones (90./Unsportlichkeit)

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