Saafelden - Bailly hält auch mit einem Bein

Bailly hält auch mit einem Bein

Von: Bernd Schneiders
Letzte Aktualisierung:
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Mönchengladbachs Torhüter Logan Bailly. Foto: imago/Team2

Saafelden. Die Beine sind noch muskelbepackt. Trotz des Gips, den Logan Baily trägt. Borussias Torhüter spricht nicht mehr gerne über seinen Heim-Unfall, bei dem ihm ein mobiles Klimagerät auf den Fuß fiel: Mittelfuß gebrochen, Saisonstart ade. Damit steht er fast in der Tradition von Peter Nielsen.

Der dänische Ex-Borusse renkte sich seinerzeit im heimischen Fernsehsessel die Schulter aus. Zwei Wochen muss Bailly noch auf Krücken laufen, „dann wird man sehen”. Mitgefahren ins Trainingslager ist der Belgier dennoch. Einmal, weil es schön ist, mit den Kollegen zusammen zu sein. Vor allem aber, weil in Saalfelden die Rundumbetreuung ideal ist.

Zweimal täglich anderthalb Stunden schuftet der 23-Jährige. „Ich kann alles machen, was nicht den Fuß belastet”, sagt Bailly. Daher auch der hervorragende körperliche Zustand. Und da Torhüter bekanntlich immer etwas verrückt sind, verspricht er, für den Fall, dass sein Fuß in einigen Wochen noch nicht 100 Prozent wieder hergestellt ist: „Ich spiele auch mit einem Bein.”

Der belgische Torhüter ist inzwischen akzeptiert. Auch beim notorisch mäkelnden Publikum in Gladbach. Sein dritter Einsatz war der Durchbruch, innerhalb des Vereins und auch in der Außendarstellung. Plötzlich wurde der junge Belgier wahrgenommen. Ein überragendes Spiel in Bremen, bei dem er die Werderaner mit seinen Glanzparaden zur Verzweiflung trieb, war der Knackpunkt.

Inzwischen hat er mental und körperlich zugelegt. „Für mich waren das die härtesten sechs Monate meiner Karriere.” Früh gekrönt durch einen Marketing-Auftritt in eigener Sache an der Weser. Denn der Bedarf an sehr guten Schlussleuten ist hoch. Selbst Bayern ist nicht hundertprozentig glücklich mit der Kahn-Nachfolge. Die Gerüchte um ein Interesse der Münchner sind auch Bailly nicht entgangen. „Es hat Anfragen bei meinem Berater gegeben, doch nicht von den Bayern.” Ins Grübeln brachte ihn das nicht. „Ich bin doch erst sechs Monate hier und habe noch einen langen Vertrag.” Immerhin aber gesteht er. „Jeder junge Mensch hat Träume.”

Vorerst aber kämpft er mit der Wirklichkeit. Und die heißt Rehabilitation und Konsolidierung für den Klub. „Nicht so stark im Abstiegskampf zu stehen”, lautet sein Ziel. Die ersten Schritte wurden auch dank ihm schon in der letzten Saison gemacht. „Weniger Gegentore, öfter zu Null, weniger Niederlagen: Die Stabilisierung der Abwehr war das Wichtigste”, sagt Bailly.

Nun folgt die Rekonstruktion der traditionellen Offensivstärke, die Borussia in ihren Glanztagen berühmt gemacht hat. Beinah logisch, dass deshalb kein reiner Abwehrspieler geholt wurde. Bailly aber verrät noch einen ganz anderen Hintergrund. Der Mann, der Flämisch, Französisch und Englisch spricht hatte ein Defensiv-Reihe vor sich, die an seinen Sprachen ausgerichtet war: Ein Kanadier (Stalteri), ein Niederländer (Brouwers), ein Brasilianer, der in Belgien gespielt hat und deshalb Französisch spricht (Dante) und einen Belgier (Daems).

Perfekt für Bailly, und beinah könnte man ihm glauben, wenn er schmunzelnd erzählt: „Der Trainer hat mich gefragt, ich hab nein gesagt.” Keinen neuen Abwehrspieler, die Gefahr, dass der nur Deutsch gesprochen hätte, wäre zu groß gewesen...
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