Auf der Suche nach Nischen und Pfaden

Von: Roman Sobierajski
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Drei typische Alemannia-Zugänge: Seyi Olajengbesi (von links) war beim SC Freiburg ausgemustert, Thorsten Stuckmann mit Eintracht Braunschweig aus der Zweiten Liga abgestiegen, Florian Müller hatte in Magdeburg eine glänzende Regionalliga-Saison absolviert. Foto: imago/Fishing 4

Aachen. Was ist Scouting im Profi-Fußball? Wissenschaftlich profunde Analyse? Das Abstecken eines Claims in der Hoffnung, darunter auf eine Goldader zu stoßen? Oder Nischen suchen, neue Pfade finden, sich aufs Näschen verlassen - und manchmal auch nur Glück haben?

Im Fall eines ambitionierten aber nicht mit irdischen Gütern reichlich gesegneten Zweitligisten sicher der letzte Fall, wie auch Alemannia Sportdirektor Andreas Bornemann in seiner bislang kurzen Amtszeit erfahren hat. „Natürlich bekommt man von Bundesligisten Spieler angeboten”, schildert der 37-Jährige seine Erfahrungen.

„Denen wird dann bei der Alemannia eine Saison lang eine Bühne geboten, und anschließend sind sie wieder weg. Und wer möchte schon ernsthaft, dass die Alemannia zum Farm-Team von Leverkusen, Mönchengladbach oder Köln wird? Niemand.”

Also auf Glück und gute Beziehungen bauen? Hat zumindest in einem aktuellen Fall ganz gut funktioniert. Erst schlug das Glück zu, als Freiburgs damaliger Trainer Volker Finke im Trainingslager in Portugal an einem trainingsfreien Tag die nigerianische Nationalmannschaft beobachtete - und zufällig auf einen pfeilschnellen und ballsicheren Innenverteidiger stieß.

Der Kontakt der Freiburger zu Seyi Olajengbesi war schnell geknüpft. Unter Robin Dutt wurde der 28-Jährige dann nach einem halben Spiel ausgemustert, und dann kamen die persönlichen Beziehungen ins Spiel. Olajengbesi wandte sich an Volker Finke und Andreas Bornemann (damals noch in Freiburger Diensten), und die beiden riefen (den Ex-Freiburger) Jörg Schmadtke an. Der Rest ist bekannt.

„Ein flächendeckendes Netz können wir mit unseren Kräften gar nicht aufbauen”, schätzt Bornemann mit Blick auf die Scouting-Abteilung der Alemannia ein, die aus ihm selbst, Hermann Grümmer (Gegner-Beobachtung) und Samir Arabi besteht, der gemeinsam mit Honorarkräften die drei Profiligen in Deutschland sowie die niederländischen und belgischen Ligen im Blick hält.

Wobei Fußballer aus dem benachbarten Ausland in jungen Jahren entdeckt werden müssen, da die Verpflichtung sonst als internationaler Fifa-Transfer gilt - und die fällige Ausbildungsentschädigung schnell in den sechsstelligen Bereich klettern kann. Das Hauptaugenmerk in Deutschland gilt Spielern, die bei ihrem aktuellen Verein gerade stagnieren oder vielleicht einen Schritt zurück erwägen, um ihrer Karriere neuen Schub zu geben. „Dann können wir unser Renommee in die Waagschale werfen, können den Spielern Perspektiven aufzeigen. Und das neue Stadion ist auch ein dickes Pfund, mit dem man wuchern kann”, schätzt Andreas Bornemann ein.

Bleibt die letzte und billigere Möglichkeit: Spieler aus dem eigenen Nachwuchs für die Profi-Mannschaft zu rekrutieren. Genau in diesem Bereich sieht es in der momentanen Umbruchsituation wenig rosig bei den Schwarz-Gelben aus. „Schwierig ist bei der aktuellen räumlichen Zerstückelung des Nachwuchs-Bereichs die Schnittstellen zwischen den Jahrgängen gezielt im Auge zu behalten. Bei der DFL-Zertifizierung, die auch die Infrastruktur und die personellen Gegebenheiten berücksichtigt, haben wir nicht besonders gut abgeschnitten”, räumt der Sportdirektor ein.

Mit den stark verbesserten Voraussetzungen am neuen Stadion soll die Misere der Vergangenheit angehören, qualifizierte und umfassende Jugendarbeit dazu beitragen, dass die Investitionen in den Nachwuchs irgendwann Früchte tragen. „Wir müssen Nischen finden, um Erfolg zu haben”, schätzt der sportlich Verantwortliche bei der Alemannia ein. „Wenn wir alles so machen, wie die anderen, entscheidet nur noch die Höhe der Summe auf dem Scheck.”
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