Köln - Auch Derbysieg bringt Finke wenig Sympathie

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Auch Derbysieg bringt Finke wenig Sympathie

Von: Günter Kirschbaum
Letzte Aktualisierung:
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Glaubensgemeinschaft in Sachen Klassenerhalt: Kölns erneut überragender Torhüter Michael Rensing und FC-Ikone Lukas Podolski. Foto: dapd

Köln. Auch der erste Derbysieg seit 14 Jahren schuf keinen Frieden. Nach dem Abpfiff wurde der Waffenstillstand gebrochen. Während Volker Finke fast demonstrativ noch einmal Petit kräftig ans Herz drückte und dann in der Kabine verschwand, packten die Fans ihre Transparente aus.

„Von Overath bis Finke, alle müssen weg” oder „Ihr macht unseren FC kaputt - Vorstand raus”; nur zwei Beispiele dafür, wie derzeit die Kölner Fangemeinde in weiten Teilen denkt. Sportdirektor und Trainer Volker Finke rangiert auf der Sympathie-Skala am Rhein derzeit ziemlich weit unten. Auch wenn er am drittletzten Spieltag durch das 2:0 (0:0) gegen Bayer Leverkusen wahrscheinlich den entscheidenden Schritt in Richtung Klassenerhalt mit der Mannschaft getan hat: Die Absolution wurde Finke verweigert.

Am Ende einer Chaos-Woche mit der bitteren Pleite in Wolfsburg und Frank Schaefers Rücktritt stoppte der FC den sportlichen Fall ins Bodenlose. „Wir sind aber noch nicht gerettet”, warnte Kapitän Lukas Podolski vor zu großer Sorglosigkeit. „Jetzt ein Unentschieden in Frankfurt, dann sind wir durch und können den Laden nach vorne rücken.” Mit dem Laden meint Podolski seinen Arbeitgeber. „Wenn wir die Klasse gehalten haben, müssen wir einen Schnitt machen. Veränderungen müssen her, sonst wird es nächstes Jahr wieder genau so schwer.”

Das 2:0 gegen Bayer war das Produkt von Willen, Kampf und Glück. Glück, weil Milivoje Novakovic von Miso Brecko vor dem 1:0 in Abseitsposition angespielt, aber (67.) nicht zurückgepfiffen wurde, und Schiedsrichter Aytekin ein klares Handspiel von Adil Chihi (57.) ignorierte. Stefan Kießling an der Latte scheiterte (51.), und Renato Augustos Schuss vom rechten Pfosten zurück ins Feld prallte (75.). Das 2:0 durch Novakovic (16. Saisontor) machte dann den Deckel auf eine Partie, in der fast alle statistischen Bereiche die Überlegenheit der Gäste untermauerten: 64 Prozent Ballbesitz, 16:4 Schüsse, 6:1 Ecken, 28:9 Flanken.

Rensing als Rückhalt

Der große Kölner Rückhalt war Michael Rensing. Der Torhüter war an diesem sonnigen Samstag für den designierten Vizemeister offenbar unüberwindbar. Seinen größten Auftritt hatte Rensing in der 65. Minute, als Kießlich eine Flanke von Arturo Vidal per Kopf auf Michael Ballack verlängerte, der aus drei Metern am FC-Keeper scheiterte. „Das war sicherlich der Knackpunkt”, schmunzelte Christian Eichner. „Um die Klasse zu halten, brauchst du einen überragenden Torhüter. Den haben wir.” Und eben einen Novakovic. „Zum Glück haben wir Nova vorne, der mit seiner individuellen Klasse die Tore macht”, adelte Podolski den Slowenen.

Die FC-Ikone ließ allerdings keinen Zweifel aufkommen, dass der Klub auch nach diesem enorm wichtigen Sieg nicht einfach zur Tagesordnung übergehen kann. „Die Unruhe der letzten Zeit war nicht gut”, fasste er die aktuelle Situation zusammen. „Die kann auch mal in die andere Richtung losgehen. Ständig passiert hier etwas, das ist nicht gut für die Mannschaft. Jetzt müssen wir hier Ruhe reinbringen.” Podolski weiß, dass das nur mit personellen Veränderungen möglich sein wird. Und der Nationalspieler kennt sicherlich die Gerüchte rund um seinen Klub, die wissen wollen, dass Präsident Wolfgang Overath und seine Crew im Sommer den Rückzug antreten wollen und Geschäftsführer Claus Horstmann die Führungsstrukturen neu ordnen will.

Das alles mit einem Sportdirektor Volker Finke, der neben der Mission Klassenerhalt noch die Aufgabe hat, einen Cheftrainer für die kommende Saison zu suchen. „Wir sind noch nicht durch, aber es war ein wichtiger Sieg”, beschreibt er die sportliche Situation. „Jetzt gilt es, es so hinzukriegen, dass wir am letzten Spieltag für die Fans ein schönes Stadionfest haben.” Und hofft, dann unbeschwert mitfeiern zu können. Denn der 63-Jährige sieht sich in Sachen Frank Schaefer als zu Unrecht im Fokus der Kritik. „Ich bin nicht der Königsmörder, als der ich hingestellt werde”, sagte Finke. „Ich habe in all den Monaten ein einziges Mal bei einer Spielanalyse zwei Szenen miterklärt. Es scheint in Köln einfach sehr ungewöhnlich zu sein, dass ein Sportdirektor auf dem Trainingsplatz steht. Aber das ist meine Aufgabe.”

Worauf Finke allerdings nicht einging, waren die Leistungssprünge von Youssef Mohamad und Petit. Der Innenverteidiger und der defensive Mittelfeldspieler glänzten seit Wochen mit fehlerhaften, uninspirierten Auftritten. Das war am Samstag anders. Petit und Mohamad spielten engagiert und gehörten zu den Stützen des Teams. Ob das an dem Mann lag, der seit seinem Amtsantritt am Rhein immer ein offenes Ohr für Klagen der beiden hatte, bei denen es zumeist darum ging, dass sie sich von Frank Schaefer ungerecht behandelt gefühlt haben?
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