AS Eupen: Klub in der 1. Division etablieren

Von: Klaus Schmidt
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„Einen Aufstieg kann man nicht bei Amazon bestellen“: AS Eupens Generaldirekor Christoph Henkel. Foto: David Hagemann
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Ein Star bei der WM 2022? Akram Afif kam aus Katar nach Eupen. Foto: sport/Xinhua

Eupen. Vor einem Jahr, da wurde natürlich gebührend gefeiert, es stand ja auch ein runder Geburtstag im Kalender. An diesem Dienstag nun nahm Christoph Henkel zwar wieder Glückwünsche entgegen, ansonsten war es ein ganz normaler Arbeitstag. Die große Sause soll am 24. Mai steigen und wäre mehr beruflicher denn privater Natur.

„Das ist der große Traum hier“, sagt Henkel, 51. Der gebürtige Sauerländer ist Generaldirektor der AS Eupen, der Klub hat sich wieder mal für die Aufstiegsrunde zur 1. belgischen Fußball-Division qualifiziert und gedenkt, nicht noch einmal so dramatisch zu scheitern wie in der vergangenen Saison. „Da haben wir es erst in der Meisterschaft und dann in den Play-offs jeweils am letzten Spieltag versemmelt.“

Christoph Henkel leitet ein Projekt, von dem er sagt: „Das ist nach wie vor eine verrückte Geschichte.“ 24 Jahre lang stand er in Diensten des 1. FC Köln, zuletzt war er Leiter des Nachwuchsleistungszentrums und Geschäftsführer des Sport-Internats. 2012 kam die Zeit für eine Neuorientierung, Henkels gute Kontakte zur Aspire Academy in Doha/Katar – wo Nachwuchs-Teams des FC regelmäßig Trainingslager absolvierten – sollten sich als nützlich erweisen. Das weltweit seinesgleichen suchende Förderzentrum für Sport-Talente hatte gerade die AS Eupen und die Stammnummer, mit der jeder Klub in Belgien beim Verband geführt wird, übernommen, den notorisch klammen Klub von seinen knapp fünf Millionen Euro Verbindlichkeiten befreit. Seitdem erhalten die vielversprechendsten jungen Fußballer der Aspire Academy nicht nur, aber vor allem im Stadion am Kehrweg Spielpraxis.

„Hier kommen wahnsinnig viele Dinge zusammen“, sagt Henkel. „Sprachliche, kulturelle, sportliche Vielfalt. Afrikaner, Kataris, einheimische Talente.“ Vor allem Letztere sollten nicht vergessen werden, die AS hat Programme mit Stützpunkttraining und Schulen aufgelegt. Manch Ur-Eupener fremdelt noch mit dieser neuen Welt, mit einem Kader, in dem nur sieben Belgier stehen. Henkel stellt nüchtern fest: „Das ist die einmalige Möglichkeit, einen Verein aus der Region weiterzuentwickeln, der eine professionelle Zielsetzung hat.“ Die da heißt: „Mittel- und langfristig in der ersten Liga spielen.“

Das erste Jahr der zeitlich unbefristeten Liaison AS/Aspire beendete die Mannschaft auf Platz acht. „Wir haben uns mit kurzer Anlaufzeit in das Abenteuer gestürzt.“ Die fehlende Erfahrung kompensierten in der Folgesaison ein paar spanische Haudegen, die Chefcoach Bartolomé „Tintín“ Márquez einbaute. Nur knapp verpasste Eupen nach dem einjährigen Gastspiel 2010/11 die Rückkehr ins Oberhaus.

„Die Erwartungshaltung hier ist: Die haben ja Geld von Aspire und kein Problem, die Spieler zu holen, die sie brauchen“, sagt Christoph Henkel. Doch so einfach sei das nicht. „Das Budget ist klar festgelegt, in diesem Rahmen bewegen wir uns.“ Wie hoch der Profi-Etat genau ist, das wird nicht offengelegt, aber man kann es aus dem Geschäftsbericht erahnen. Unter „Ausgaben – Sonstiges“ gibt es zwischen den Spielzeiten 2012/13 und 2013/14 eine Steigerung von 272.301 auf 3.209.635 Euro – mehr als 1000 Prozent.

Schon früh in dieser Saison, im September, sah Henkel die Zeit für einen offenen Brief an die Fans gekommen. Zum ersten Mal unter Márquez hatte die Mannschaft zwei Spiele in Folge verloren, der Unmut in der Öffentlichkeit wuchs. Der Generaldirektor verteidigte den impulsiven Chefcoach, der die Sportgerichtsbarkeit nach temperamentvollen Ausbrüchen mehr als einmal beschäftigte. Ende März, nach dem 2:3 daheim gegen den Drittletzten Heist, war Márquez dann bei der AS Geschichte. Henkel möchte nichts sagen über Details, die zur Trennung führten, und ist „zufrieden mit der Situation, wie wir sie jetzt haben“. Jordi Condom, zuvor Co-Trainer, führte die Mannschaft mit einem Remis und drei Siegen in Folge ohne Niederlage noch in die Aufstiegsrunde.

Akram Afif ist – wie die fünf anderen Eupener Kataris – nicht mehr dabei; es läuft die Vorbereitung auf die U20-WM in Neuseeland. „Er war sicher der Auffälligste, ein herausragendes Talent“, sagt Christoph Henkel über den 18-jährigen Stürmer, und es würde ihn nicht wundern, wenn dieser Junge bei der Heim-WM 2022 eine tragende Rolle spielt. Unklar ist noch, ob Afif in der kommenden Saison zur AS zurückkehrt. „Wie fördert man ihn am besten? Da ist es schon ein großer Unterschied, ob wir 1. oder 2. Liga spielen.“

Man habe jedenfalls alle Chancen. „Wir können recht unbeschwert in die Aufstiegsrunde gehen. Die Formkurve stimmt, es gibt keine Verletzten, wir sind gut vorbereitet.“ Aber: „Einen Aufstieg kann man nicht bei Amazon bestellen. Den muss man sich erkämpfen.“

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