Herzogenrath - Am Ende des Traums steht die Formel 1

Am Ende des Traums steht die Formel 1

Von: Klaus Schmidt
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Herzogenrath. Die Sache mit dem Motorsport hatte sich eigentlich längst erledigt. Einstieg ins Kart mit acht Jahren, zunächst in der Halle, dann draußen auf der Bahn in Kerpen, der Geburtsstätte eines gewissen Michael Schumacher.

Für den zwölfjährigen Michael Krebs kam dann die bittere Erkenntnis: „Ein Aufstieg war finanziell nicht mehr möglich. Ich musste aufhören.” Gelegentlich fuhr der Herzogenrather noch in „Schumis” Halle; eine stringente, klassische Karriere auf vier Rädern war jedoch abgehakt. Aber da gab es noch ein Versprechen des Vaters, „dass ich mit 16, 17 in einem Formel-Wagen sitze”.

Heinz Krebs hielt Wort: Im Juni diesen Jahres testete der Filius zum ersten Mal in einem Formel Renault. 200 PS stark. Von Null auf Hundert in 3,5 Sekunden. Bis zu 260 km/h schnell. Und seitdem ist für Michael Krebs klar: Er will Rennen fahren.

Das wollen viele Jungs, nur stecken in diesem Fall offensichtlich vorhandene Qualitäten dahinter. Zehn Runden fuhr Michael Krebs bei der Sichtung auf dem Pannonia-Ring in Ungarn, danach wurde aussortiert - der Fachoberschüler blieb im Kreis von nur noch fünf Piloten. Im September der zweite Test: 50 Runden, 250 Kilometer an selber Stelle - Krebs qualifizierte sich als einer von drei Teilnehmern für das Finale im kommenden März. Der Sieger wird durch den „Formel-1-Club Austria” gefördert, dem Ausrichter des Castings - mit zwei garantierten Renneinsätzen in Hockenheim für das Team Donau-Autosport.

Michael Krebs hat es schriftlich: „Sehr lernfähig und lernwillig”, mit einem „Talent, welches er wirklich nutzen sollte”. So lautet das Urteil von Robert Wagner, Chef des österreichischen Klubs. „Wir haben gesehen, dass Michael es aus dem Stand heraus kann”, sagt Heinz Krebs. Das ist das Spannende, das höchst Ungewöhnliche an der Geschichte: Da ist einer seit fünf Jahren raus aus seinem Sport, hat die normalerweise entscheidende Phase einer Karriere verpasst. Wer im Alter zwischen 12 und 17 keinen Ball mehr anrührt, der hat seine Aussicht auf einen Vertrag verspielt. Dann kommt eine unverhoffte Chance - und plötzlich tun sich wieder Perspektiven auf.

Heinz Krebs, der früher an Orientierungsfahrten teilgenommen hatte, war als gelernter Kfz-Mechaniker und jetziger Justizbeamter nie in der Lage, seinem Sohn die Leidenschaft für den Motorsport dauerhaft zu finanzieren. Und nicht jedes Talent hat das Glück, von einem Willi Weber entdeckt und durch die klassische Formel-Laufbahn gefördert zu werden. Viele, die Potenzial mitbringen, bleiben im wahren Sinne des Wortes auf der Strecke. Michael Krebs hatte sich in der Zeit ohne Benzingeruch mal im Bogenschießen und Fußball versucht. „Aber Motorsport ist nicht zu toppen.” Nun könnte er ein Spätberufener sein, der Herzogenrather nennt die Beispiele Adrian Sutil („Hat erst mit 14 angefangen”) und Bruno Senna - Neffe der Rennsportlegende Ayrton Senna -, „der nie Kart gefahren ist”. Die Formel 1 steht am Ende des Traums von Michael Krebs, „in fünf Jahren” - oder zumindest DTM.

Vorher sind noch ein paar Aufgaben zu erledigen. Alleine darauf zu setzen, dass das Casting-Finale im März mit dem Triumph endet, wäre hoch gepokert. Michael Krebs will sich unabhängig davon eine Formel-Renault-Saison 2012 sichern, dafür braucht er Sponsoren. „Wir haben ein Konzept erstellt”, sagt Vater Heinz. „Die Frage ist natürlich, wie weit die Leute dem Braten trauen. Denn Michael hat ja noch keine Rennergebnisse vorzuweisen.” Nach der sportärztlichen Untersuchung erhält Michael Krebs im nächsten Jahr die österreichische C-Lizenz, mit der er europaweit starten kann. Die Ausbildung (Fachabitur in Elektrotechnik) läuft weiter, Vater und Sohn sind sich einig: „Das darf man nicht vernachlässigen, man muss realistisch bleiben.”

Heiligabend wird Michael Krebs volljährig. Den Führerschein hat er bereits, das Auto muss vorerst noch warten. „Ich wollte mir eigentlich einen Wagen kaufen. Aber ich habe das Geld in den letzten Test investiert.” Alles für den Motorsport: „Ich hoffe sehr, dass das klappt.” Und wenn nicht? „Das wäre schon schade...”
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