Alemannia zeigt die beste halbe Stunde seit Saisonbeginn

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:
Alemannia Streit
Aachens Albert Streit (M) und Sergiu Radu (r) und Paulis Fabian Boll versuchen an den Ball zu kommen. Foto: dpa

Aachen. Besser hätte Alemannias Start in das höchst schwierige Jahr 2012 nicht ausfallen können. Abstiegs- besiegt Aufstiegskandidat. Aachen schlägt St. Pauli 2:1.

Es war das erwartete „Zitterspiel”, was nicht nur an den sibirischen Temperaturen lag.

Der Auftakt erwärmte die Aachener Fans, denen wohl die beste erste halbe Stunde seit Saisonbeginn geboten wurde. Nach 13 Minuten entdeckte der grellige Bas Sibum Aachens Neuzugang Albert Streit völlig freistehend. Dessen Gegenspieler Zambrano konnte ihn nur noch im Strafraum aushebeln, was ihm einen Elfmeter und eine Gelbe Karte einbrachte. Am Ende einer kleinen Debatte verzichtete Aimen Demai dankbar auf die Ausführung, und so erzielte Benny Auer den ersten wichtigen Treffer in diesem Jahr.

Der Platz glich einer Wiese nach dem Almabtrieb, selbst die Rasenheizung hatte an einigen Stellen kapituliert. Und was machten die Aachener? Sie zeigten eine Kombination, die auch einem gut gepflegten englischen Rasen gefallen hätte. Der Ball flipperte zwischen Uludag und Auer hin und her, landete bei Aimen Demai, der aus 16 Metern gekonnt zum 2:0 einschlenzte (15.).

„Wir wurden kalt erwischt”, erkannte Paulis Manager Helmut Schulte passend zum Tag. Seine Mannschaft wirkte überrascht vom Aachener Auftritt. Die Hausherren setzten nach, Radu erzielte das 3:0, das Schiedsrichter Frank Willenborg nicht anerkannte, weil Paulis Keeper Benedikt Pliquett den Ball vorher gesichert hatte.

Das Publikum rieb sich verwundert die Augen, Alemannia war das coolere Team. Doch die Mannschaft war auch für das nächste Rätsel gut. Warum eine Mannschaft, die so außerordentlich gut unterwegs ist, ihre Ordnung verlor, konnte auch Aachens Trainer Friedhelm Funkel später nicht erklären. Das Team zog sich zurück, aus lauter Risikovorsorge nahm sie nicht mehr richtig am Leben teil. St. Pauli kam mit einer kleinen Eckenserie auf, und nach einer der vielen Flanken vom linken Flügel, konnte Fabian Boll aus sieben Metern mühelos zum 2:1 verkürzen (39.).

Die Pause war ein enger Verbündeter der Aachener an diesem Tag, die Reihen wurden neu geordnet, Aachen zog sich zurück, wurde aber eine lauernde Mannschaft, die das 3:1 suchte. Sibum spielte erneut Radu frei, der aus 16 Metern verzog (59.), viel präziser hatte auch Aimen Demai sein Zielfernrohr nicht justiert, auch er zielte vorbei. Der Tunesier ist am Freitag in Cottbus nach seiner fünften Gelben Karte gesperrt.

Die Hamburger hatten die größeren Spielanteile, sie erhöhten den Druck, aber Möglichkeiten blieben eine Rarität. „Trotz aller Überlegenheit waren wir nicht zwingend genug”, urteilte Trainer André Schubert enttäuscht am Ende des Tages. Aachen wackelte diesmal kaum, das war die gute Nachricht des Tages. „Wir haben uns nicht irgendwie zum Sieg gegurkt, wir sind mental stark geblieben”, rühmte der starke Außenverteidiger Kim Falkenberg.

Und auch das Glück war ein zuverlässiger Begleiter an diesem Tag. Schiedsrichter Willenborg urteilte falsch, als er das 2:2 von Saglik annullierte, kurz vor Schluss köpfte der eingewechselte Stürmer noch einmal vorbei. Seit fünf Spielen ist Alemannia ungeschlagen. „Die Richtung stimmt”, urteilte der erschöpfte Trainer Friedhelm Funkel.

Knapp 23000 Zuschauer verfolgten den Kaltstart der beiden Teams in die Rückrunde, darunter 3000 Fans aus Hamburg. Die Polizei hatte ihre Präsenz deutlich erhöht, am Morgen waren Spürhunde durch das Stadion gelaufen, nachdem es Drohungen im Vorfeld gab. Zwischenfälle wurden bislang nicht bekannt. Auch das ist eine wichtige Nachricht in diesen Tagen.
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