Alemannia versagt gegen Dresden

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:
Das nächste Gegentor auf dem
Das nächste Gegentor auf dem Weg in die Dritte Liga: Dresdens Dedic köpft an Alemannia-Keeper Boy Waterman vorbei ins Netz. Aachens Abwehrspieler sucht man vergeblich. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Alemannias Spieler lagen am Boden, blieben so verstreut auf dem Rücken liegen wie Teddybären im Kinderzimmer. 0:1 - die fünfte Niederlage in Serie. Und die Mannschaft ließ mit ihrem zerzausten Vortrag gegen Dynamo Dresden kaum Resthoffnung zurück: Das Team ist unterwegs wie ein Direkt-Absteiger.

Diese Partie war noch einmal aufgepumpt mit der letzten Hoffnung, sie entwich weiter mit jeder Minute, die dieses Spiel andauerte. Die erfahrene Mannschaft ist mit der Aufgabenstellung überfordert. „Ich bin ratlos”, sagte Mirko Casper. Aachens Bester war der einzige, der sich später noch stellte, der Rest trauerte in der Kabine mit Erik Meijer.

Eindrücke aus Genk

Der Manager hatte die Gemeinde am Vorabend überrascht. „Einigen geht die Situation auch am Arsch vorbei”, teilte Erik Meijer seine frischen Eindrücke aus dem Trainingslager in Genk den Mitgliedern auf ihrer Versammlung mit. Wen er aus seinem Kader gemeint hat, und warum er vermeintlich faule Äpfel nicht aussortiert hat, ließ er offen.

Seinen Trainer irritierte die Stellungnahme: „Man hat heute bei allen Spielern gesehen, dass es niemandem egal ist.” Die Mannschaft, die sich Freitagabend an die Arbeit machte, war jedenfalls schwungvoll unterwegs: Vier (harmlose) Ecken in den ersten zehn Minuten waren die erste Ausbeute. Hinter verschlossenen Türen war eine kleine Variante einstudiert worden, die Angreifer warteten bei solchen Gelegenheiten alle im Fünfmeterraum um den nicht sonderlich großen Gäste-Torwart Benjamin Kirsten auf ihr Glück.

Hadouir am Start

Das Bällchen lief phasenweise ganz munter von rechts nach links und zurück, die Aachener versuchten, ihre Angriffe etwas länger auszuspielen. Trainer Funkel hatte erstmals Anouar Hadouir an den Start gebracht. So sollten ein paar mehr Ideen aufs Grün fallen.

In der Praxis klemmte der Spielaufbau mit unschöner Konstanz, und so blieb der gegnerische Strafraum eine weitgehend verkehrsberuhigte Zone. Und da Fernschüsse schon seit Wochen auf der Liste der bedrohten Arten stehen, blieben die Möglichkeiten aus. Als in der Halbzeit die Chancen aufgelistet wurden, stand bei Aachen wieder einmal die hässliche 0. Niemand hatte sich gefunden, das erwartungsvolle Publikum (18.572 Besucher) auch nur mit einem harmlosen Schüsschen weiter anzustacheln. „Das bleibt unser Problem, wir kreieren zu wenig Möglichkeiten, suchen zu wenige Abschlüsse”, sagte Funkel nicht zum ersten Mal.

Gefährlicher waren die Gäste bei ihren Kontern unterwegs. Zweimal scheiterte der flinke Stürmer Zlatko Dedic: Einmal verzog er aus spitzem Winkel (17.), dann war sein Kopfball-Aufsetzer zu harmlos, um Keeper Boy Waterman in Not zu bringen (21.).

55 quälende Minuten brauchte es bis zum ersten Aachener Torschuss, Hadouirs Versuch vom Strafraumeck war keine Herausforderung für Keeper Kirsten. Mehr Klasse zeigte Dynamo bei seinen Vorstößen. Dedic brachte Alemannia der Dritten Liga weiter näher. Im zweiten Anlauf überwand er Waterman per Kopf 0:1 (59.).

Aachens Trainer reagierten, schmissen Stiepermann und Radu in die Partie. Es änderte nichts an der Trostlosigkeit, die Mannschaft hat nichts, worauf sie sich in ihrer Not verlassen kann. Auer verpasste den Ausgleich (64.), mehr brachte das Team in der letzten halben Stunde nicht mehr auf den Weg. „Uns fehlt die Durchschlagskraft”, meinte Casper. Erst nach dem Abpfiff senkte das enorm geduldige Publikum den Daumen, verlor das Vertrauen in diese Auswahl.

Aufgeben will er nicht, sagt Funkel, der alle möglichen Formationen, Taktiken, Ideen zuletzt ergebnislos versucht hat. Er habe das Team immer noch im Griff. „Wir werden uns weiter seriös vorbereiten.” Heute um 11 Uhr hat er den nächsten Termin mit der Gruppe.

Am letzten Wochenende hatte bereits sein Aufsichtsrat überlegt, ob ein erneuter Personalwechsel noch Sinn mache. Es ist nicht ausgeschlossen, dass das Gremium an diesem Wochenende für dieselbe Frage eine andere Antwort findet. Im Verein wird hartnäckig Amateur-Trainer Ralf Aussem als letzter Rettungsanker gehandelt.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert