Alemannia verliert 1:3 in Stuttgart: „Jeder muss sich hinterfragen”

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:
Aussem
Nach der Niederlage bei den Stuttgarter Kickers war Ralf Aussem bedient: „Jeder muss sich hinterfragen, ob er in den ersten acht Spielen genug geleistet hat”. Foto: dpa

Stuttgart. Das Spiel war aus, und Ralf Aussem blieb erst einmal mit leerem Blick auf seinem Trainerstuhl sitzen. 1:3 hatte seine Mannschaft bei den Stuttgarter Kickers verloren und dabei konsequent die Talfahrt der letzten Wochen fortgesetzt.

Die Spieler gingen zu den Fans, sie bekamen Trost gespendet. Alemannia Aachen rutscht in der Tabelle ab, spätestens jetzt ist die Euphorie erloschen. Der Sieg der Kickers war hochverdient. „Jeder muss sich hinterfragen, ob er in den ersten acht Spielen genug geleistet hat”, sagt Aussem vor der Länderspielpause.

All die guten Vorsätze der Alemannen, die neuen Ideen, sie landeten schon nach kurzer Zeit wieder im Schredder. Diesmal brauchten die Aachener nicht einmal 200 Sekunden, um sich den üblichen Rückstand einzufangen. Er fiel über die rechte Stuttgarter Seite, als Fabian Baumgärtel zwei Mal gegen Fabio Leutenecker nicht klären konnte. Der Rechtsaußen setzte sich energisch durch, seinen flachen Rückpass verwandelte Mahir Savranlioglu problemlos aus zehn Metern zum 1:0 (3.) - da war es wieder, das Problem, das die Mannschaft so zuverlässig begleitet.

Eine Mannschaft, die einen sportlich furchtbaren August im Rucksack mit sich schleppte, stand sofort wieder unter Druck. „Im achten Spiel liegen wir zum sechsten Mal zurück. Ich habe so was von die Schnauze voll”, wütete Kapitän Albert Streit am Ende. Gründe? „Ich weiß nicht, ob es eine Frage der Konzentration oder der Qualität ist.”

Die Kickers waren laufstärker, sie waren aggressiver. Die enthusiastischen Zuschauer konnten nicht feststellen, wer hier gerade aus der 2. und wer aus der 4. Liga kommt. Und was die Gäste-Mannschaft angreifbar macht: Sie wehrte sich nicht erkennbar, was in dieser Liga aber in der Präambel steht. „Die Mannschaft mit deutlich mehr Siegeswillen hat verdient gewonnen, obwohl sie einen Tag weniger Regeneration hatte”, stellte Kicker-Coach Dirk Schuster fest. Ein Satz wie eine Ohrfeige . . .

Angriff über Angriff rollte über Aachens linke Abwehrseite. Der indisponierte Baumgärtel, der zudem früh die Gelbe Karte sah, war dabei kein Hindernis. Aber es wäre verkehrt, alleine den Linksverteidiger für die nächste desolate Halbzeit verantwortlich zu machen. Die Mannschaft bekam keinen Zugriff, der Aufsteiger war einfach couragierter. Nach neun Minuten verpasste Torjäger Marco Grüttner nur hauchdünn nach der nächsten Rechtsflanke seinen sechsten Saisontreffer. Dann musste auch Krumpen mal eingreifen, nachdem Schwertfeger Kickers-Kapitän Marchese unbedrängt den Ball zugespielt hatte (14.). Das gleiche Duell gab es wenig später noch einmal, erneut wehrte Aachens Keeper den Flachschuss des Italieners ab (27.).

Schon früh lief sich Oguzhan Kefkir warm, eine Änderung blieb aus. Und so durften sich die Hausherren wieder einmal über die rechte Seite nach einem Konter durchkombinieren. Fast auf Kosten eines Eigentors rettete der wütende Seyi Olajaengbesi (29.). Es war noch nicht das letzte Wort der Hausherren, die nächste Rechtsflanke von Leutenecker senkte sich fast direkt ins Netz (35.). Erst langsam entdeckte auch Alemannia die gegnerische Hälfte. Ein Freistoß von Streit flog einen halben Meter übers Tor (32.), dann war der Kapitän bei einer Heller-Flanke einen halben Meter zu klein (37.).

An seinem Geburtstag hatte Trainer Ralf Aussem ausreichend Anlass sich in der Halbzeit zu ärgern. Das Glück lachte den Gästen noch einmal zu. Baumgärtel durfte durchspielen und dankbar einen Freistoß treten . Seine Flanke verlängerte Jerome Gondorf ins eigene Tor zum 1:1 (47.). Ging doch etwas an diesem verkorksten Nachmittag? Eine kurze Phase der Hoffnung zog auf. Thimmy Thiele flog in eine Flanke von Flo Müller und traf den Pfosten (53.) - es war die einzig herausgespielte Szene.

Die Herrlichkeit war bald wieder vorbei, als Timo Brauer einen überflüssigen Freistoß provozierte. Olajengbesi ließ Innenverteidiger Julian Leist gewähren und schon stand es 2:1 (59.). „Wir zeigen die Szenen auf Video, malen sie auf die Tafel. Aber dann wird die Verantwortung für den Gegenspieler nicht angenommen", verzweifelte der Trainer. Aussem reagierte, brachte Borg und erstmals auch Leipertz. Chancen ergaben sich nur nach ruhenden Bällen. Erst Erb und dann Borg verpassten nach Streit-Freistößen (61./70.).

Vielmehr brachten die Aachener nicht zur Wege. In der Nachspielzeit durfte Grüttner noch den Endstand herstellen. Der sportliche Erosionsprozess geht weiter. Aachens Manager Uwe Scherr wollte am Unfallort nichts sagen, so angefressen war er.
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