Aachen - Alemannia trennt sich von einem Aufsichtsrat

Alemannia trennt sich von einem Aufsichtsrat

Von: Christoph Pauli
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Bild aus fröhlicheren Tagen:
Bild aus fröhlicheren Tagen: Horst Rambau. Foto: Marcel Decoux

Aachen. Aus dem Quintett ist laut eigener Homepage ein Quartett geworden. Alemannias Aufsichtsrat ist um eine Person verkleinert. Horst Rambau gehört dem Gremium danach nicht mehr an.

Der Steuerberater ist ausgeschlossen, die Änderung ist bereits im Handelsregister festgehalten. Die Vereinssatzung sieht zwar vor, dass nur der Verwaltungsrat Mitglieder abberufen kann. Und in der Tat liegt dem Gremium ein umfangreicher Brief mit entsprechender Bitte des Aufsichtsrats-Vorsitzenden vor. Meino Heyen listet gravierende Versäumnisse und Verfehlungen auf, dokumentiert einen Vertrauensbruch. Nur: Entschieden hat der Verwaltungsrat über die Personalie noch nicht. „Uns fehlen noch gewisse Informationen und Belege, um eine Entscheidung treffen zu können”, sagt Manfred Lorenz, Chef des Verwaltungsrats.

Dort beschäftigt man sich nicht zum ersten Mal mit der Personalie. Der Verwaltungsrat tut sich auch diesmal schwer mit der Abberufung, der Aufsichtsrat ist deswegen wohl einen anderen Weg gegangen - abgesichert durch ein umfangreiches juristisches Gutachten. Das Präsidium des Vereins, Mutter der Gesellschaft, hat nach Informationen unserer Zeitung einen einstimmigen Beschluss gefasst, sich von Rambau zu trennen. Der gibt sich ahnungslos, obwohl er natürlich über den Schritt informiert ist. „Mich hat kein Verantwortlicher der Alemannia kontaktiert”, teilte er per SMS aus dem Urlaub mit. „Ich muss jetzt erst einmal sehen, dass ich an Informationen heran komme.”

Die Personalie kann sich schnell auswirken. Bei der nächsten Aufsichtsratssitzung Mitte August, zu der Rambau schon nicht mehr geladen ist, soll über eine mehrjährige Vertragsverlängerung von Geschäftsführer Frithjof Kraemer befunden werden. Mit Rambau wäre einer der erklärten Kritiker nicht mehr vorhanden. Es reicht die einfache Mehrheit, beim Patt ist die Stimme von Heyen als Aufsichtsrats-Boss ausschlaggebend.

Zuletzt wurde die Personalie mehrfach vertagt im Aufsichtsrat. Allmählich läuft die Zeit dem Gremium davon, der Vertrag des Geschäftsführers endet Ende des Jahres, spätestens drei Monate vorher muss er in Kenntnis gesetzt werden, ob es weitergeht. An Kritikern von Kraemer besteht auch nach dem Platzverweis für Rambau kein Mangel, aber Kraemer besitzt mit Heyen einen unermüdlichen Fürsprecher. „Ich arbeite sehr gerne mit ihm zusammen und würde das auch gerne weiter machen. Er ist enorm fleißig, lädt viel Verantwortung auf seine Schultern. Er hat keinen einfachen Job, wenn das Geld so knapp ist”, sagt Heyen. „Und über die vielen positiven Dinge, die klappen, redet ja auch keiner.”

In vielen Vereinen werkelt der Geschäftsführer fast unerkannt, in Aachen dagegen ist er für viele Fans das Gesicht der Krise. Schon beim letzten Heimspiel in der abgewickelten Saison gab es Schmähungen für Kraemer, während der damalige Geschäftsführer Sport, Erik Meijer, sich bei einer improvisierten Ehrenrunde feiern ließ.

Kritik an Kraemer kommt aus den eigenen Reihen. Und nicht nur aus den Gremien. Über Monate haben Dienstleister wie zum Beispiel Mediziner auf ihr Geld von Alemannia gewartet. Was die Mitarbeiter besonders erzürnte: E-Mails mit der Bitte um Aufklärung wurden ignoriert. Auch wichtige Sponsoren beklagen hinter vorgehaltener Hand die Kommunikation. Sie fühlen sich nicht gut informiert, schon lange kursiert am Tivoli das Wort vom „Geheimnis-Kraemer”. Auch Heyen bestätigt, dass einige Geldgeber unzufrieden seien. „Aber viele Sponsoren sind wegen ihm bei uns.” Und der zunehmend wichtiger werdende Vermarkter und Geldgeber Ufa Sports zum Beispiel sei dringend an Kontinuität interessiert.

Als im Frühjahr nach monatelanger Diskussion endlich die Umschuldung mit Hilfe der Stadt gelang, fand der Oberbürgermeister Marcel Philipp nur Worte des Dankes für Meino Heyen. Nur der habe das Vertrauen zum Klub wieder aufgebaut. Die Stoßrichtung war eindeutig, Politiker und Verwaltung monierten, wie schleppend Kraemer sie informiert habe, was Kraemer heftig dementiert. Die Stimmung war so schlecht, dass einige Politiker ursprünglich ihre Zustimmung zur Lösung von der Personalie Kraemer abhängig machen wollten. Erst Heyen entschärfte die Situation.

Gelitten hat Alemannias Leumund auch in der Beraterszene. „Von der Finanzgeschäftsführung der Alemannia gibt es prinzipiell keine Rückmeldung”, sagt Jörg Neblung, der unter anderem die Interessen von Benny Auer vertritt. Rechnungen würden ignoriert, Ansprüche müssten mit anwaltlicher Hilfe durchgesetzt werden. „Bitten um einen Rückruf verhallen im luftleeren Raum.”

Drastische Worte findet sein Kollege Lars-Wilhelm Baumgarten, der Spieler wie Rolfes, Fiel oder Stuckmann begleitet. „Dieser Verein ist von A bis Z stillos.” Die Klasse eines Klubs zeige sich immer, wie man verdiente Profis verabschiede. In Aachen sieht Baumgarten da Nachholbedarf. „Es gibt keinen Klub in Deutschland, der so schlecht geführt ist”, findet Baumgarten. „Das Problem des Klubs ist Herr Kraemer.”

Der Geschäftsführer macht keinen Hehl daraus, dass es zu seinen Aufgaben auch gehört, „Leuten im Interesse des Vereins auf die Füße zu treten”. Er verweist auf die Herkules-Aufgabe in den letzten fünf Jahren bei konstant ausbleibendem sportlichen Erfolg Alemannia umzuschulden. „Und noch hat jeder sein Geld von Alemannia bekommen, wenn auch manchmal mit etwas Verspätung.”

Der Aufsichtsrat muss in den nächsten Wochen abwägen, wie gravierend solche Hinweise sind. Ob Meino Heyen im Fall eines Abschieds von Kraemer noch weitermachen will, lässt er offen. Er verspürt wenig Lust, wieder einen neuen Geschäftsführer in die komplexe Materie einzuarbeiten. Sollte der Vertrag mit Kraemer nicht verlängert werden, müsse er überlegen, „ob meine Kraft für den Verein noch ausreicht”, sagt er. „Auch die ist endlich.”
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