Alemannia: Sturmlauf wird nicht belohnt

Von: Klaus Schmidt
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Alemannias Torgarantie: Timmy
Alemannias Torgarantie: Timmy Thiele sucht seine Chance per Fallrückzieher. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. Kein anderer Gegner ist Alemannia in dieser Saison so nah - geographisch und farblich. Keine anderes Team ist aber auch so fern: Mit satten 1382 Einsätzen in Erster und Zweiter Liga wuchert der Kader von Ralf Aussem - Borussia Dortmund II dagegen: neun.

In der Praxis konnte sich der Absteiger gegen den Aufsteiger in die Dritte Liga davon aber nur einen Punkt kaufen, 1:1 hieß es im Duell zweier Welten, für die Fans kein Grund zu Trübsal: Sie entließen die Spieler nach einem Sturmlauf in der letzten halben Stunde mit Applaus, der auf Zufriedenheit schließen ließ. Der Trainer wars nur teilweise: „Bis zum Ausgleich waren wir bemüht, aber nicht so druckvoll, wie wir uns das in einem Heimspiel vorstellen”, bilanzierte Aussem.

„Wenn man am Ende so pusht und so spielt wie wir, ist man natürlich enttäuscht, nur einen Punkt geholt zu haben”, sagte Kristoffer Andersen. Torschütze Timmy Thiele sprach von einem „harten Stück Arbeit. Zum Schluss haben wir Dortmund in deren Hälfte festgehalten.”

Vor erneut prächtiger Kulisse - 19 342 Zuschauer waren noch einmal knapp 4000 mehr als gegen Burghausen - stellte Aussem seine Elf nur auf einer Position um. Thomas Stehle kehrte nach einem Magen-Darm-Virus für Mario Erb als Innenverteidiger zurück. Für den BVB-Nachwuchs, dessen Reiseplan in der Regionalliga so heimelige Stationen wie Lotte, Wiedenbrück und Idar-Oberstein ausgewiesen hatte, muss sich der Einmarsch in den Tivoli angefühlt haben wie der erste Besuch eines Sechsjährigen im Spaßbad, mit staunenden Augen und offenem Mund. Trainer David Wagner hatte seine Bande aber mit der Wasserpistole ausgestattet: Erste Aufgabe war offensichtlich, Albert Streit die Laune zu verderben. Bakalorz holte Aachens Kapitän erstmals von den Beinen, da war noch keine Minute gespielt. Schiedsrichter Dr. Kunzmann machte deutlich, dass er solche Aktionen nicht lange dulden würde.

Alemannia nahm schnell Fahrt auf, war die dominante Mannschaft. Sascha Rösler setzte mit einem Schlenzer den ersten Torschuss an, Alomerovic - zweiter Gäste-Keeper binnen Wochenfrist mit Gesichtsmaske - lenkte den Ball zur Ecke (10.). Von noch höherer Qualität war die Chance von Kai Schwertfeger, Marcel Heller hatte vorzüglich geflankt, der Kopfball ging knapp am Tor vorbei (25.). Doch Aachen erlaubte sich auch ein paar Nachlässigkeiten in der Defensive, Dortmund wurde frecher. Hofmann (28.) scheiterte aus der Distanz nur knapp, ein ruhender Ball brachte die überraschende Pausenführung: Erneut Hofmann hatte geschossen, an die Hand von Fabian Baumgärtel - für den Referee elfmeterwürdig. Die Proteste blieben erfolglos, Halstenberg verwandelte (41.). Und nicht nur Arie van Lent, Trainer des nächsten Alemannia-Gastes Kickers Offenbach, staunte über diesen Zwischenstand.

Den Schock brachte Aachen aus der Kabine wieder zurück aufs Feld. Der Favorit suchte nach Lösungen und strandete, wenig konzentriert, technisch unsauber.

Der Lohn bleibt aus

Der Abend drohte übel zu enden, Halstenberg vergab das 0:2 gegen Tim Krumpen. Wieder ein ruhender Ball wurde zum Glücksfall: Einen Freistoß von Streit wehrte die BVB-Abwehr zu kurz ab, Timmy Thiele drückte zum Ausgleich ein (60.). Die emotionale Partie sah jetzt wieder die Gastgeber am Drücker, Freddy Borg auf Flanke des ebenfalls eingewechselten Kristoffer Andersen (75.) und Rösler nach Streit-Freistoß eine Minute später vergaben Hochkaräter. Auch in dieser Schlussphase konnte Alemannia noch mal zulegen, im Dortmunder Strafraum ging es teilweise drunter und drüber - der Lohn blieb jedoch aus. „Wenn der Schiedsrichter konsequent ist, gibt er auch einen Handelfer für uns”, sagte Ralf Aussem. Chancen zum Sieg gab es aber auch so.
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