Alemannia: Ein Team liegt in den letzten Zügen

Von: Klaus Schmidt
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Die Mienen sprechen Bände: Seyi Olajengbesi (von links), Alper Uludag, der nach seinem Fehlgriff besonders bedröppelt schauende Boy Waterman und Tobias Feisthammel nach dem Treffer von Mo Idrissou kurz vor dem Halbzeitpfiff zum 0:1. Der ehemalige Mönchengladbacher traf auch kurz nach der Pause zum vorentscheidenden 0:2. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. 15 Profis hätten ja noch Vertrag für die Zweite Liga, bei transfermarkt.de - auch wenn das immer mit etwas Vorsicht zu genießen ist - werden die Watermans, Achenbachs, Hadouirs, Auers & Co. auf einen Gesamtwert von rund zehn Millionen Euro taxiert. Das ist womöglich schon am Sonntag totes Fleisch.

Während Eintracht Frankfurt mit einem 3:0 am Tivoli die umgehende Rückkehr in die Bundesliga perfekt machte, kann Alemannia Aachen bei fünf Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz nach dem direkten Duell mit dem Karlsruher SC in fünf Tagen als Absteiger feststehen. Das Wunder, 22 Jahre nach dem erstmaligen Absturz in die Drittklassigkeit die Liga noch zu halten, wird es kaum geben.

„Wir brauchen in der Tat ein Wunder”, sagte Kim Falkenberg, der Kapitän. „Die erste Halbzeit war ganz ordentlich, aber dann ist das 0:2 zu früh gefallen. Gegen eine Mannschaft wie die Eintracht kommst du dann nicht mehr zurück.” Der Rechtsverteidiger hatte schnell ausgerechnet: „Wir müssen beide Spiele gewinnen, sonst steigen wir ab. Und wir müssen unser Schicksal in die Hände anderer legen - ein Scheiß-Gefühl.”

Watermans Patzer

Mit der erwarteten Formation startete Alemannia in dieses ungleiche Duell zwischen der schwächsten und der stärksten Offensive der Liga. Auf dem Platz war das jedoch zunächst nicht erkennbar. Aachen hatte ein leichtes Plus beim Ballbesitz, verlor aber sechs von zehn Zweikämpfen und kam - außer bei Ecken - nicht in die „rote Zone”. Eine merkwürdige Zurückhaltung im Angriffsspiel hatte sich die Eintracht auferlegt, die nur auf Fehler zu warten schien. Den erlaubte sich dann Odonkor, der Kittel laufen und flanken ließ - und den Fauxpas wieder ausbügelte nach Meiers Torschuss (25.). Auch die zweite Chance des Spiels verbuchte Frankfurt, Butschers Kopfball zischte über die Latte (38.).

Der dritte Versuch saß dann. Nach Ecke von Köhler patzte Waterman beim Abfang-Versuch, Idrissou drückte den Ball zum 0:1 über die Linie (45.). Die zuvor schon durch einige schräge Entscheidungen von Schiedsrichter Michael Weiner aufgeheizte Partie - da gerieten sich auch Eintracht-Coach Armin Veh und Alemannia-Manager Erik Meijer an der Seitenlinie in die Haare - mündete nun in hessische Folklore, für die der Klub bereits genug beim DFB geblecht hat. Der Frankfurter Block stand im Bengalo-Feuer, eine Fackel flog aufs Feld, Ersatzspieler der Eintracht und Sportdirektor Bruno Hübner stritten sich mit Zuschauern auf der Haupttribüne.

Alemannias Ex-Trainer Peter Neururer, Michael Frontzeck und Michael Krüger sowie der ehemalige Manager Jörg Schmadtke waren noch mal an die Krefelder Straße gekommen, um vielleicht die große Überraschung zu erleben. Doch drei Minuten nach der Pause erlosch wohl auch der letzte Funken Hoffnung: Idrissou vollendete aus halblinker Position ins lange Eck.

Ralf Aussem blieb nur noch der verzweifelte Griff ins Stürmer-Reservoir. Auer kam als zweite Spitze, wenig später scheiterte Uludag mit einem Schuss an Nikolovs Fuß. Aachens Coach warf auch noch Radu rein, Streit verpasste den Anschlusstreffer, weil der Ball an den Pfosten abgefälscht wurde. Für Frankfurt ließ es sich aber immer wieder vortrefflich kontern. Olajengbesi lenkte einen Schuss von Meier noch zur Ecke, in der 72. Minute sorgte der Innenverteidiger dann selbst für das Ende aller Illusionen. Eine Flanke von Butscher fälschte der Nigerianer zum 0:3 ins eigene Tor ab.

Man konnte Alemannia nicht den Vorwurf mangelnden Bemühens machen. Tapfer trauten sich die Schwarz-Gelben auch weiter in die gegnerische Hälfte. Doch das reichte nicht gegen einen abgeklärten neuen Spitzenreiter. Und am Ende wird es wohl auch nicht mehr für die Zweite Liga reichen.

Tobias Feisthammel hatte Tränen in den Augen, als er zum Beispiel über das Foul an Waterman vor dem 0:1 referierte. „Eine Frechheit, dass der Schiri das nicht sieht. Wir wurden nicht zum ersten Mal benachteiligt. Aber wir kämpfen bis zum letzten Moment.”

Trotz aller Enttäuschung gratulierte Albert Streit den Frankfurtern: „Schön, dass die hier so feiern, aber für uns ist das ganz bitter. Wir waren in der ersten Halbzeit die bessere Mannschaft.”
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