Aachen - Alemannia: Durchhalteparolen am Unfallort

Alemannia: Durchhalteparolen am Unfallort

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:
Alemannia Ratlos. Foto: imago/
Alemannia Ratlos.

Aachen. Nach dem trüben Spiel sagte Friedhelm Funkel, was er immer sagt: „Ich bin fest davon überzeugt, dass wir die Klasse halten.” Natürlich wäre jede andere Aussage eine Kapitulation gewesen.

Aber an sachdienlichen Hinweisen, wie das zunehmend komplizierter werdende Projekt klappen kann, hatte auch Alemannias Trainer nur den einen...

„Wir haben gegen Union Berlin nie aufgesteckt, das ist ein gutes Zeichen. Der Einsatz meiner Mannschaft stimmt mich für die Zukunft optimistisch.” Beim Zusammenkratzen der positiven Aspekte klingt der Coach wie ein Autofahrer, der nach einem Unfall vor dem kokelnden Wrack seines Autos steht und trotzig feststellt, dass der linke Außenspiegel noch zu gebrauchen ist.

Gegner Union Berlin spielte nicht einmal sonderlich gut, war nur deutlich zupackender. So verlor Alemannia 1:3 in 46 Minuten. In dieser 46. Minute fiel der letzte Treffer der Partie, danach verlor sich weitgehend die Spur der Gastgeber, die sich zwar noch mit viel Elan (Achenbach, Sibum, Uludag), aber erkennbar ohne großen Plan gegen das drohende Unheil stemmten. Die Mannschaft nähert sich in großen Schritten der 3. Liga.

Alemannia beendet diesen 26. Spieltag als großer Verlierer. Die Konkurrenz aus Aue, Duisburg und Ingolstadt gewann ihre Heimspiele teilweise sehr eindrucksvoll. Plötzlich wirkt dieser 16. Platz schon wie ein Maximalziel. „Entscheidend sind nicht die Ergebnisse der anderen Teams, entscheidend ist, dass wir selbst punkten”, sagt Funkel. Davon ist die Gruppe aber ziemlich weit entfernt.

Selbst Mannschaftsteile, die eben noch stabil waren, sind plötzlich porös. Aachens Abwehrspieler sahen streckenweise den Gegnern staunend zu, als würde ein Zauberer auf der einen Seite der Bühne etwas verschwinden und auf der anderen Seite wieder auftauchen lassen.

Die Formation wird am Freitag in Frankfurt verändert. Seyi Olajengbesi ist ebenso entsperrt wie Shervin Radjabali-Fardi. Und der unersetzbare Kim Falkenberg hat die Hoffnung auf ein schnelles Comeback noch nicht aufgegeben. Bislang ist er im Lauftraining.

Aber nur im Abwehrbereich verbessert sich Funkels Auswahl. Er muss ans Ziel kommen mit Stürmern, die nicht treffen. Und mit Mittelfeldspielern, die viel zu selten den Abschluss suchen und kaum Chancen kreieren. Auch Aachens bester Techniker, Albert Streit, belebt seine Mannschaft bislang allenfalls punktuell. So ruhen die Hoffnungen einiger Fans auf jemandem, der bislang noch gar nicht belegt hat, dass er eine Verstärkung für diese Mannschaft sein kann.

Anouar Hadouir feierte nach seiner Verbannung zu den Amateuren am Samstagmorgen ein unspektakuläres Trainings-Comeback vor neun Zuschauern. „Wenn er gut trainiert, fährt er auch am Freitag mit”, sagt Funkel. Als Heilsbringer eignet sich Hadouir deswegen natürlich nicht. Er hat schon seit Monaten aus unterschiedlichen Gründen bei den Profis nicht mehr gespielt.

Gegen Berlin setzte Funkel auf ein offensiveres System, verzichtete im Mittelfeld auf eine weitere Absicherung, schob Uludag weiter nach vorne. Der Plan ging nicht auf, weil sich das Team (im Gegensatz zum St. Pauli-Spiel) nicht belohnte. Das System könnte vorerst in der Taktikmappe verschwinden. „Wir müssen abwägen, ob wir nicht besser aus einer stabilen, tiefer gestaffelten Defensive spielen. Auch so kann man punkten.”

Funkel sagt, dass er unverändert Vertrauen in seine Spieler habe. Er kritisiert sie nicht öffentlich, schützt sie auch in Krisenzeiten, selbst wenn die individuellen Missgeschicke fließbandartig auftreten wie gerade demonstriert. „Aber die Jungs müssen das Vertrauen auch zurückzahlen”, hat er nach der Partie in der Kabine gesagt.

Der Druck wird steigen, die Mannschaft und damit wohl der komplette Verein ist angezählt. „Wehrt Euch!”, ist der Appell von Funkel. Wehrt euch, gegen die da draußen, die Alemannia ans Leder wollen, ist die Botschaft. „Wir dürfen nicht in Selbstmitleid verfallen oder die Kritik zu nahe an uns heranlassen. Uns wird keiner helfen”, hat Funkel nach dem Spiel am Unfallort gesagt, „wir müssen uns selbst helfen.”
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