Abstiegskampf meldet sich in Köln zurück

Von: Roman Sobierajski
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„Ich werde einfach umgehauen
„Ich werde einfach umgehauen”, schildert Lukas Podolski die Aktion von Bayer-Torwart Bernd Leno im Strafraum. Der Pfiff des Schiedsrichters bleibt allerdings aus. Copyright: imago/mika

Köln. Und dann bekam dieses seltsam steril anmutende Derby zwischen dem 1. FC Köln und Bayer Leverkusen doch noch einen emotionalen Moment. Kölns Trainer Stale Solbakken verstärkte sein Ensemble aus „Unterhunden”, wie der Norweger im Vorfeld das englische Wort „Underdogs” schön Eins-zu-Eins ins Deutsche übersetzt hatte, um den „Unterwelpen” Mitchell-Elijah Weiser.

Damit löschte er den 34 Jahre alten Rekord von Stephan Engels als jüngster FC-Spieler aller Zeiten aus. 17 Jahre, zehn Monate und vier Tage war der Sohn des Kölner Co-Trainers alt, als er sein Debüt im FC-Trikot gab. Dass die Begegnung zu diesem Zeitpunkt bereits 2:0 für die Gäste aus dem Kölner „Vorort” stand und auch so endete, daran änderte aber weder die Einwechslung des Sohnes des früheren FC-Profis Patrick Weiser noch der Auftritt von Mikael Ishak (18 Jahre) oder die Spiel-Premiere des bislang verschmähten Winterzugangs Chong Tese auch nur einen Deut.

Und weiser war nach den Treffern des überragenden Lars Bender, der den Ball nach einem Pfostentreffer von Stefan Reinartz über die Linie gestochert hatte (16.) und nach dem Seitenwechsel eine schöne Vorarbeit von Renato Augusto vor 46.500 Zuschauern souverän abschloss (50.), auch niemand - im Gegenteil: „Ich habe keine Lust mehr, mich Woche für Woche hierhin zu stellen und immer das gleiche zu erzählen”, erklärte der sonst so auskunftsfreudige FC-Torhüter Michael Rensing nach der sechsten Niederlage aus sieben Spielen. Und die Ursache für die Misere? „Über das Wieso, Weshalb, Warum möchte ich mich jetzt nicht äußern. Das besprechen wir in der Kabine.”

Dass dann auch noch der eigentlich nur für den Kölner Boulevard erreichbare Lukas Podolski, der seinen Bänderanriss rechtzeitig überwunden hatte und tatsächlich 90 Minuten durchspielte, vor die Mikrophone der Reporter-Meute trat, ist in Köln eigentlich ein untrügliches Zeichen dafür, dass sich der amtierende Trainer nach einer neuen Wohnung umschauen kann. Doch weit gefehlt: „Ich kann mich erinnern, dass der Trainer geholt wurde, um hier etwas aufzubauen”, bemühte der 26-Jährige sein Langzeitgedächtnis. „Es kann in Köln nicht immer am Trainer liegen, wenn es nicht läuft.” Die Grußadresse an die sportlich Verantwortlichen beim FC folgte auf dem Fuße: „Uns fehlen einfach die Typen, uns fehlt die Qualität, um so ein Spiel noch einmal zu drehen. Aber das kennen wir ja aus den letzten Jahren, dass wir mitten im Abstiegskampf stecken. Wir müssen uns jetzt aufbäumen, um Punkte zu holen”, endete die Brandrede.

Es war exakt Podolski, dem Schiedsrichter Dr. Felix Brych nicht die Chance gab, sich beim Stand von 0:1 noch einmal aufzubäumen: „Ich stehe mit dem Rücken zum Tor und werde einfach umgehauen. War das denn Elfmeter?”, fragte Kölns Stadtheiliger, nachdem ihn Leverkusens Torhüter Bernd Leno im Strafraum in den Rasen gerammt hatte, der Pfiff zum Strafstoß aber ausblieb. Die Antwort auf diese knifflige Frage gab der frühere Fifa-Schiedsrichter Walter Eschweiler mit Altersweisheit: „Solche Situationen sind schon als Strafstoß gegeben worden”, befand der 76-Jährige. „Aber ein klarer Elfmeter ist es erst, wenn der Schiedsrichter auch pfeift.”

Für Kölns Trainer Stale Solbakken blieb dann nur noch die eigentlich undankbare Rolle, die Flammen auszutreten und den Auftritt seiner Rumpftruppe einzuordnen. „Ich denke, dass Leverkusen vor dem zweiten Treffer nicht besser war als meine Mannschaft. Viele Spieler hatten das Gefühl, dass sie ihre Sache ganz gut gemacht haben.” Die personellen Sorgen des 43-Jährigen, der für das Spiel gegen Leverkusen aufgrund der Verletzungs-Misere Mittelfeldspieler Martin Lanig als Innenverteidiger aufbieten und Odise Roshi (20) in die Startelf stellen musste, werden bei der Partie gegen Hoffenheim sicher nicht geringer werden: „Sascha Riether fällt nach seiner fünften Gelben Karte gesperrt aus”, bilanzierte Solbakken. „Und Novakovic ist angeschlagen und wird nicht zur Verfügung stehen.” Dass Stammkräfte wie Jajalo oder Eichner zurzeit völlig von der Rolle sind, macht die Mission nicht leichter.

Bleibt noch der Blick auf die gegen Leverkusen nicht eingesetzten Spieler, um das ganze Dilemma zu verdeutlichen: Timo Horn, Fabian Schnellhardt, Jonas Hector und Lukas Kübler sind wohl nur einigen Scouts und Freunden der Kölner U 21 und der U 19 ein Begriff. Aber vielleicht bekommt dann in Hoffenheim ja auch Mario Engels seine Chance - der Sohn des bislang Jüngsten aus der Saison 1978/79.
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