Aachen will die Bayern stressen

Von: Christoph Pauli
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Der Uberspieler? Zumindest könnte man mit dem Gehalt von Bastian Schweinsteiger problemlos das Jahresgehalt der kompletten Aachener Rasselbande zahlen.Grafik: Horst Thomas

Aachen. Welche Herkules-Aufgabe Alemannia Aachen gestellt bekommen hat, lässt sich mit ein paar Zahlenvergleichen veranschaulichen. Das (geschätzte) Jahresgehalt von Bastian Schweinsteiger liegt bei 5,5 Millionen Euro, was den schönen Tagessatz von 15.068 Euro ergibt. Mit dieser Summe finanziert Aachens Manager Erik Meijer einen kompletten Kader mit 24 Spielern in der 2. Liga.

Oder noch ein Beispiel: Louis van Gaal verdient nach gesicherten Erkenntnissen 5,2 Millionen Euro (ohne Prämien). Für seinen Tagessatz (14.246 Euro) muss Aachens Peter Hyballa mehr als einen Monat arbeiten.

Hier der jüngste Liga-Trainer, dort der dekorierteste Profi-Trainer. Welten klaffen zwischen den Klubs, und doch kann die Kluft zumindest an diesem Mittwoch vorübergehend geschlossen werden. Alemannia erwartet den FC Bayern München im DFB-Pokal, David fordert Goliath heraus.

Und dieser David trägt in diesen Tagen ein spitzbübisches Grinsen durch die Gegend. „Ich habe unheimlich Bock auf dieses Spiel”, sagt Erik Meijer. Einen besseren Kronzeugen für das ungleiche Duell kann es nicht geben. Der heutige Manager köpfte Alemannia 2004 zum Sieg, der diesem Verein das Selbstbewusstsein zurückgab. „Pokal ist etwas sehr spezielles, es ist nur ein Spiel, in 90 Minuten kann man alles erreichen”, sagt Meijer.

Die Zuversicht ist gewachsen in diesen Tagen, auch weil der Branchenriese seine Souveränität in den ersten sechs Monaten abgestreift hat. Der Mythos von den nahezu unbesiegbaren Bayern hat in der Vorrunde heftig gelitten.

Die Außenseiter begehren auf. „Wir haben nur eine Mini-Chance”, sagt Trainer Peter Hyballa, „aber wir glauben an uns. Wir haben Respekt, aber keine Angst.”

In Aachen herrscht Ausnahmezustand, mehr Fußball-Prominenz in einer Mannschaft kommt selten zu Besuch. Und doch versucht der Herausforderer gegen diese „elektrisierende Mannschaft” (Hyballa) ein wenig den Alltag. Zwei Vorschläge hat der Trainer seiner Mannschaft unterbreitet. „Sollen wir uns verschanzen, kompakt in der Defensive stehen und schon die Fluchtwagen vor dem Stadion parken?”

Die Antwort fiel erwartungsgemäß anders aus, Alemannia will ihren erprobten Plan beibehalten, mit dem auch die Erstligisten Mainz und Frankfurt aus dem Wettbewerb bugsiert wurden. „Wir wollen auch die Bayern stressen, wollen sie nicht ihren extravaganten Fußball spielen lassen”, sagt Hyballa.

Dazu gehört eine Menge Mut, wenn die Hausherren schon die Innenverteidiger anlaufen, um dem Titelverteidiger den Rhythmus zu rauben. Als ängstlich ist diese junge Aachener Mannschaft in den letzten Monaten tatsächlich nicht aufgefallen.

„Keine Angst”

„Diese Jungen haben keine Angst, sie werden auch gegen diesen großartigen Klub alles geben”, kündigt Hyballa zuversichtlich an. „Und dann schauen wir, ob die Qualität ausreicht.” Schließlich besteht auch der Branchenprimus nach letzten Erkenntnissen nur aus Erdenbürgern, die zuweilen schon mal irrlichtern.

Das Spiel des Jahres ist auch ein Spiel der Holländer: Bei Alemannia Aken spricht längst der komplette Trainerstab und der Manager holländisch. Selbst der Tivoli-Rasen kommt aus Holland. Zu Besuch kommt die bayrisch-holländische Autorität Louis van Gaal. Der dickköpfige Coach setzt vorerst noch auf seinen Kapitän Mark van Bommel.

Der Limburger erhielt vor ein paar Tagen eine SMS von seinem Freund Erik Meijer. „Wie wäre es mit drei Jahren Aachen, das ist doch schöner als Wolfsburg oder Mailand?” Die Antwort kam postwendend: „Wieso nicht dreieinhalb Jahre?” Hier endete der heitere Dialog. Es wird bei diesem einen Abend in der Fast-Heimat bleiben. Van Bommel flirtet angeblich mit dem AC Mailand.

Stargast an diesem holländischen Abend ist natürlich Arjen Robben. „Er ist das Besondere im bayrischen Spiel”, sagt Hyballa. Aachens Defensivspieler sind ausreichend auf den Flügelflitzer vorbereitet. Ob das reicht? „Ein Arjen Robben am Boden ist nicht so stark”, grinst Erik Meijer. „Wir müssen ihn bekämpfen, je mehr er sich ärgert, desto besser wird es für uns.”
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