Aachen - Aachen und das deutsche Schwimmdebakel in London

Aachen und das deutsche Schwimmdebakel in London

Von: Marlon Gego
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Bis vor zwei Wochen sah es noch ziemlich schlecht für Aachen aus, doch dann kamen die Olympischen Spiele. Die deutschen Schwimmer und Wasserspringer holten bis Freitagabend nur eine Medaille.

Die größte Niederlage des deutschen Schwimmsports seit 80 Jahren bringt den Deutschen Schwimmverband (DSV) in erhebliche Erklärungsnöte - und Aachen eine neue Chance.

Seit den 70er Jahren ist Aachen Bundesstützpunkt der Wasserspringer, der SV Neptun 1910 Aachen ist einer der wichtigsten Vereine im DSV. Auch als anlässlich der Wiedervereinigung nach den Olympischen Spielen 1992 das gesamte Bundesstützpunktsystem neu geordnet wurde, verlegte der DSV fünf seiner sechs Leistungssportzentren, eben die Bundesstützpunkte, in den Osten: Berlin, Dresden, Halle, Leipzig, Rostock. Im Westen blieb nur Aachen übrig, aus gutem Grund: Hier gab es herausragend gute Trainer, Jugend-Welt- und Europameister und auch sonst ideale Bundesstützpunktbedingungen.

Doch als nach den Olympischen Spielen 2008 Lutz Buschkow beim DSV Direktor für den Bereich Leistungssport wurde, konnte sich Aachen seiner Bundesstützpunkt-Privilegien auf einmal nicht mehr sicher sein. Gründe dafür gibt es viele, auch persönliche. Vor allem aber hatte Buschkow den Anspruch, jedes Detail vorgeben zu wollen - was in Aachen nur auf wenig Gegenliebe stieß, zumal der SV Neptun keineswegs zu den Problemkindern des DSV gehörte.

2010 stellte der DSV den Status Aachens als Bundesstützpunkt öffentlich in Frage. Nach langen Diskussionen einigten sich alle Beteiligten darauf, Ende 2012 alles erneut prüfen und neuerlich entscheiden zu wollen, ob Aachen Bundesstützpunkt bleiben kann. Doch die Zeit war keine produktive. Wolfgang Rombey, Aachens Sportdezernent, sagte auf Anfrage unserer Zeitung: „Buschkow war maßgeblich daran beteiligt, das erfolgreiche Aachener System zu zerschlagen.”

Der erfolgreichste Springer, Sascha Klein aus Eschweiler, wurde 2011 nach Riesa gelockt, mittlerweile gibt es in Aachen nicht mal mehr einen eigenen Stützpunkttrainer, offiziell fehlt dem DSV dazu das Geld. Doch vergangene Woche wurde öffentlich, dass der DSV größte Probleme hat, überhaupt Trainerposten zu besetzen. Die Schwimmer haben nicht einmal einen Bundestrainer, für die Wasserspringer hat der als Trainer allenfalls mittelmäßig erfolgreiche Buschkow den Posten selbst übernommen. Liegt es daran, dass Deutschland für die besten Trainer plötzlich nicht mehr attraktiv ist? Oder doch daran, dass niemand mit einem Vorgesetzten Buschkow zusammenarbeiten will?

Nach dem Debakel in London steht der DSV unter Druck. „Der DSV kann sich in seiner jetzigen Situation überhaupt nicht erlauben, auf die erfolgreiche Arbeit in Aachen zu verzichten”, sagte Rombey.

Ob das der DSV genau so sieht, wird sich am 11. September herausstellen, wenn über die Zukunft des Bundesstützpunktes in Aachen erneut verhandelt wird. Allzu siegessicher sollte Rombey nicht sein, denn der DSV hat diese Woche angekündigt, in etwa so weitermachen zu wollen wie bisher und alle Verantwortung von sich geschoben. Es gebe in Deutschland eben zu wenige Talente, sagte Buschkow. Rombey sieht das etwas anders: „Wenn das konzeptionslose Chaos innerhalb des DSV das Niveau des deutschen Leistungssport repräsentiert, braucht man sich über die bescheidenen Erfolge in London nicht zu wundern.”
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