Interview: Eberl über die spektakuläre Achterbahnfahrt im Jahr 2011

| 30.12.2011, 10:00

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Mönchengladbach. Mit 38 Jahren ist man noch einer der Jüngeren unter den Sportdirektoren der Bundesliga. Doch in den zwei letzten Spielzeiten hat Max Eberl mehr erlebt als mancher Fußball-Manager in zehn Jahren.
Borussia Mönchengladbachs Berg- und Talfahrt, die eigentlich eine Tal- und Bergfahrt war bzw. ist, brachte den gelernten Ski-Lehrer in Erklärungszwänge. Erst der Kampf gegen die kollektive Depression, jetzt ist Eberl damit beschäftigt, die Euphorie zu dämpfen. Mit dem gebürtigen Münchner sprachen unsere Redakteure Heribert Förster und Bernd Schneiders.

Wie oft mussten Sie sich in den letzten Wochen zwicken, um sich zu vergegenwärtigen, dass alles nicht nur ein Traum ist?

Eberl: So, wie wir zuvor nicht am Boden zerstört waren, werden wir jetzt auch nicht durchdrehen. Ich versuche, das alles nicht so sehr an mich ranzulassen. Wir haben die ganze Bandbreite erlebt: Abstieg, der versuchte Umsturz, jetzt plötzlich die Träume vom internationalen Geschäft und vom Pokalsieg. Das reicht für ein Buch.

Wenn man Fotos vergleicht vom Jahresbeginn und jetzt, sieht man den Unterschied auch in Ihrer Gemütslage.

Eberl: Es werden doch nur Fotos abgedruckt, die das darstellen, was man sehen möchte. Ich habe auch in der schweren Zeit noch gelacht, und auch heute ärgere ich mich noch. Aber damals ging es eben darum, etwa zu suggerieren: Eberl, du Versager!

Ist dieser momentane Höhenflug gesund oder eine überhitzte Phase?

Eberl: Es war nicht alles so schlecht in der Hinrunde der letzten Saison, und es ist auch jetzt nicht alles so gut wie es scheint. Wenn man aber mal die ominöse Hinrunde der letzten Saison ausklammert, sieht man eine deutliche Stabilisierung. Der Trend ist seit Anfang 2009 klar positiv, die Hinrunde 2010/2011 war lediglich ein Ausschlag nach unten. Aber auch wenn nun scheinbar alles perfekt lief: Wir lassen uns auch von 33 Punkten nicht blenden. Es gibt noch genug zu tun. Wir spielen an der Leistungsgrenze, da gibt es keine Luft mehr nach oben. Aber man kann sich trotzdem weiterentwickeln. Wir haben ein solides Fundament.

Was hat sich für den Sportdirektor Max Eberl geändert?

Eberl: Was die Arbeit angeht, nicht viel. Im letzten Winter haben wir die richtigen Entscheidungen getroffen. Vor Fehlern aber sind wir auch heute nicht gefeit. Man muss aus den negativen Erfahrungen lernen. Aber natürlich ist das von den Emotionen her derzeit viel angenehmer. Wir spielen in einer völlig anderen Tabellenregion. Und wollen nun unsere beste Saison seit langem spielen.

Aber ist es denn jetzt nicht leichter, gute Spieler zu verpflichten?

Eberl: Viele glauben, dass wir jetzt Top-Stars holen können. Das konnten wir letztes Jahr nicht, und das können wir uns auch aktuell nicht leisten.

Wie schwierig ist es, angesichts dieser optimalen Hinrunde, das Erarbeitete weiterzuentwickeln?

Eberl: Wir müssen die Basis erhalten. Das ist wie bei einem Hausbau: Das Fundament steht. Natürlich sind Begehrlichkeiten geweckt, auch von anderen Vereinen. Aber wir haben im Sommer unsere Spieler gehalten. Und jetzt gilt es, die Mannschaft sich weiterentwickeln zu lassen, das nächste Etappenziel zu erreichen. Wir müssen nun das Gebäude weiter solide aufbauen.

Also keinen Wolkenkratzer?

Eberl: Die sind sehr selten. Das wäre vielleicht bei den Bayern möglich. Doch die sind auch schlau genug, lieber ein Pentagon zu bauen - breit und solide.

Haben Sie Angst, dass sich die Ansprüche der Fans und Ihrer Bosse am momentanen Tabellenplatz orientieren?

Eberl: Wir haben unsere Erfahrungen gemacht. Die Ereignisse haben natürlich Spuren hinterlassen. Sie haben den Verein und auch die Mannschaft geprägt. Wie wir immer sagen, und das ist nicht nur ein Spruch: Wir wissen, wo wir herkommen. Und deshalb gibt es auch keinen Grund, jetzt durchzudrehen. Diese Erfahrung, das spüre ich immer wieder, haben die Menschen verinnerlicht. Die können unsere Situation sehr gut einschätzen. Wir haben weiterhin schwierige Phasen - wie etwa im Spiel gegen Schalke. Die Fans sehen das auch, aber sie genießen die Entwicklung. Wir wollen jetzt auch zum Rückrundenauftakt gegen die Bayern gewinnen. Das ist unser Credo. Immer auf das nächste Spiel schauen. Das haben wir gelernt. Auf das kleine Ziel konzen-trieren, um das große zu erreichen.

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