Kampf gegen Papa und Hormone

Von Bernd Schneiders | 16.12.2011, 22:00

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Mönchengladbach. Mit Mainz hat er «abgeschlossen», wie Borussia Mönchengladbachs Mittelfeldspieler vor dem Sonntagstreff mit dem FSV betont - aber in der Rückschau war es eben diese Abnabelung, die Roman Neustädter sich endgültig in der Fußball-Bundesliga ansiedeln ließ.
Es war nicht unbedingt die Problematik, dass der Prophet nichts gilt im eigenen Lande. Es ist mehr die Geschichte von Vater und Sohn, die es im Fußball so manchem Jugendlichen schwer machte, den Durchbruch zu schaffen.

Nun zählte Peter Neustädter nicht unbedingt zu den Top-Spielern Europas, kam nach seinem Wechsel in die Bundesrepublik lediglich zu 16 Erstligaspielen für Karlsruhe, aber immerhin neben 18 Zweitliga-Einsätzen für den Chemnitzer FC auf 239 Spiele für den FSV Mainz 05. Der Mann aus Karabalta (heute Kirgisistan) aber war damit eine Größe beim Karnevalsklub. Und wurde für seinen Filius, der seit seinem siebten Lebensjahr für die 05er kickte, zum Problem. Speziell, als Papa Neustädter (im Januar 2005) Trainer der Zweiten Mannschaft wurde. «Ich war immer der Sohn vom Trainer.» Nicht nur das: Zwangsläufig wurde seine Spielweise mit dem des ehemaligen Verteidigers verglichen. «Er hat das Passspiel seines Vaters», hieß es. Der Schatten war auch noch spürbar, als Roman 2008 den «Aufstieg» in die Erste Mannschaft schaffte.

Der Vater war immer noch omnipräsent, inklusive Diskussionen über die Leistungen des damals 20-Jährigen. Und so wechselte Roman Neustädter nach einem Jahr zu Borussia Mönchengladbach, obwohl Mainz ebenfalls der Sprung in die Erstklassigkeit gelang. «Ich wollte aufhören, der Sohn von Peter Neustädter zu sein», schildert er die Beweggründe. «Ich wollte nur noch als Roman Neustädter gesehen werden.»

Das wurde er in Mönchengladbach. Doch allein die Abnabelung reichte nicht. Am Niederrhein musste er durchs Fegefeuer der Regionalliga-Mannschaft, bis er sich nach einer mehr als einjährigen Durststrecke in der Ersten Mannschaft etablierte. Doch die Vaterfigur war nicht die einzige Klippe, die Roman Neustädter umschiffen musste. Und auch dieses Problem teilte er mit vielen jungen Fußballern. Wenn er in seine Heimat fährt und dort mit ehemaligen Kollegen in der Soccerhalle kickt, wird er daran erinnert: an all die Talente, die schon weiter schienen als er in jungen Jahren. «Mich hatte keiner auf dem Zettel.»

Aber viele seiner Freunde waren Auswahlspieler - und sind «heute weg vom Fenster». Sie haben sich verheddert im Dickicht aus Hormonen, Abenteuerlust und Feierzwang. «Eine Sache des Kopfes und der Einstellung, sagt Neustädter. Der junge Roman war auch gefährdet. Auf den Erfolgsweg aber hat ihn seine Freundin Mona gestoßen, mit der er seit Schulzeiten zusammen ist und auch das Abitur gemeinsam gemacht hat. «Was willst du hier?», fragte sie, wenn er seinen Kumpeln in die Klubs und Discos folgte. «Bleib lieber zu Hause!» Der Jung-Fußballer zeigte sich einsichtig, obwohl es eine harte Zeit war, wie er offenherzig bekennt.

«Klar hatte ich das Gefühl, ich verpasse etwas. Und natürlich war ich zu Anfang eifersüchtig.» Denn Mona teilte nur selten sein Los als professioneller Stubenhocker. «Aber das hat sich ausgezahlt. Ich bin ihr heute ungemein dankbar dafür. Es ist eine Sache des Kopfes. Sie hat mir geholfen, ein Leben mit einem Ziel vor Augen zu führen.»

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